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Ferse

Die Ferse ist die hintere, tiefste Stelle am schräg eingeschnittenen Fuss einer Holzstrebe, an der sie sich fest gegen das darunterliegende Holz abstützt — ähnlich der Ferse eines Fusses.

Prosa-Definition

Die Ferse ist die zur Druckstab-Innenseite weisende hintere Lage am Fuß eines geneigten Druckstabs, an der der Fersenversatz (versatz mit art = FERSE) seine zur Strebe rechtwinklige Druckfläche und seinen tiefsten Einschnitt führt.

Mathematische Definition

Die Ferse ist eine Lage-Position, kein eigener geometrischer Körper; ihre Geometrie ist die des Fersen-Ausschnitts in hg_versatz.md (art = FERSE) und wird hier nicht dupliziert, sondern als Position am Strebenfuß bestimmt.

Sei

  • B der geneigte Druckstab (Strebe, Kopfband oder Sparren) mit Bauteilachse, deren Richtung in der Lotebene Π_⊥(B) den Strebenanschlusswinkel β ∈ (π/2, π) gegen die Trägerbauteil-Achse einschließt (siehe bauteilachse, versatz),
  • T das liegende Trägerbauteil (Schwelle, Rähm, Bundbalken, Fußpfette) mit Oberseite auf der Lokal-Höhe z = h_B,
  • v:= V mit p_Versatz = (x_0, FERSE, β, ⊥, ⊥, t_F, ⊥, l_v) ein Fersenversatz nach versatz (Tupel (2) dort), mit Versatztiefe t_F > 0 und dem Aufsetzpunkt Q:= (x_0, 0, h_B) ∈ ℝ³ — dem Schnittpunkt der Druckstab-Achse mit der Trägerbauteil-Oberseite,
  • A_F:= Q der Fersen-Aufsetzpunkt des einfachen Fersenversatzes und Δ_Versatz(FERSE) ⊂ Π_⊥(B) der Fersen-Anschnittquerschnitt nach versatz (V-Dreieck conv{A_F, C_F, B_F}, Druckfläche rechtwinklig zur Strebe δ_F = β − π/2, Sohle parallel zur Strebe σ = π − β).

Dann ist die Ferse von v die ausgezeichnete Lage

Ferse(v):=  (A_F, ê_innen)                                       (1)

mit

  • dem Aufsetz-/Bezugspunkt A_F = Q am Strebenfuß und
  • der Innenrichtung ê_innen — der in Π_⊥(B) liegende Einheitsvektor in der Trägerbauteil-Oberseite (z = h_B), der vom Strebenfuß firstwärts zur Druckstab-Innenseite zeigt (entgegen der talseitigen Stirn). Damit liegt der tiefste Punkt der Fersen-Druckfläche auf der von A_F in Richtung ê_innen abgetragenen Seite (Versatztiefe t_F, gemessen lotrecht zur Strebe in den Träger hinein).

Die Ferse ist mithin die Position ⟨Aufsetzpunkt, Innenrichtung⟩, gegen die der Fersen-Ausschnitt aus versatz orientiert ist; die Druckflächen-, Sohlen- und Werkzeugkörper-Geometrie selbst trägt hg_versatz.md, nicht dieser Eintrag.

Wohldefiniertheit

  • Existenz/Eindeutigkeit von A_F. A_F = Q ist der Schnittpunkt der Druckstab-Achse mit der Trägerbauteil-Oberseite z = h_B; für jeden geneigten Druckstab (β ∈ (π/2, π), nicht parallel zur Oberseite) ist dieser Schnittpunkt eindeutig (siehe versatz, Parameter x_0). Beim doppelten Versatz (art = DOPPELT) verschiebt sich der Fersen- Aufsetzpunkt auf den Gipfel der Stirn-Sohle (hg_versatz.md); für den reinen Fersenversatz (art = FERSE), den dieser Eintrag bezeichnet, gilt A_F = Q ohne Verschiebung.

  • Eindeutigkeit von ê_innen. In der Lotebene Π_⊥(B) und in der Trägerbauteil-Oberseite (z = h_B) gibt es genau zwei zur Trägerbauteil-Achse parallele Einheitsrichtungen; ê_innen ist die firstwärtige (zur Druckstab-Innenseite, entgegen der Stirn). Die Auszeichnung ist durch die Lage des Druckstabs eindeutig: die Stirn liegt talseitig (über das Trägerbauteil ragend), die Ferse firstseitig. Da β ≠ π/2 (geneigter Druckstab), sind Stirn- und Innenrichtung verschieden, also ê_innen eindeutig bestimmt.

  • Unabhängigkeit von der Versatzart. Die Ferse als Lage (1) ist bereits durch den geneigten Druckstab und das Trägerbauteil bestimmt und existiert auch dort, wo keine Schnittfläche an ihr sitzt (am Stirnversatz ist die Ferse nur die hintere Auslauf-Ecke, ohne eigene Druckfläche). Die Druckfläche an der Ferse entsteht erst bei art ∈ {FERSE, DOPPELT} und ist Gegenstand von hg_versatz.md. Dieser Eintrag bezeichnet die Lage; die Geometrie ist konservativ dorthin delegiert und wird nicht hier festgelegt — damit ist (1) frei von der Versatz-Geometrie eliminierbar.

  • Grenzfälle. Für β → π/2 (Druckstab nähert sich der Lotrechten zum Träger) fallen Stirn- und Innenrichtung gegen die Lotebene zusammen; die Lage-Auszeichnung wird singulär — das ist der von versatz ausgeschlossene entartete Fall (kein Versatz mehr). Für β → π (Druckstab fast parallel zum Träger) ist die Ferse weit firstwärts, geometrisch wohldefiniert, aber konstruktiv ungebräuchlich.

Erläuterung (nicht normativ)

Die Ferse als hintere Lage am Strebenfuß

Der Fuß eines geneigten Druckstabs hat — in der anatomischen Körper-Metapher (vom menschlichen Fuß übertragen) — zwei ausgezeichnete Lagen: vorn/talseitig die Stirn (die über das Trägerbauteil ragende Spitze, an der die Stirnfläche sitzt) und hinten/innen die Ferse (die zurückliegende, firstwärtige Ecke). Belegt ist im DACH-Holzbau-Korpus allein dieses Paar Stirn ↔ Ferse als Lage-Achse am Versatz; das darüber hinaus oft vermutete reiche anatomische Wortfeld (Zehe, Backe, Wange, Spiegel, Rücken als Ferse-Gegenstücke) ist nicht quellenbelegt und wird hier bewusst nicht eingeführt. Die Etymologie (ahd. fersna „Hacke, hinterer Teil des Fußes/Strumpfes/Schuhs", DWDS/Pfeifer) motiviert die Metapher, trägt aber keine normative Definitionsaussage.

Disambiguierung — „Ferse" ist über Verbindungstypen hinweg überladen

Der eigentliche Gebrauchswert dieses Eintrags liegt im sauberen Trennen der mehreren Bedeutungen, die im Praxis-Korpus an „Ferse"/„heel" hängen. Sie sitzen in disjunkten Bearbeitungstypen:

Begriff Gehört zu Geometrie Verweis
Ferse / Fersenversatz versatz (art = FERSE) Druckfläche rechtwinklig zur Strebe, δ_F = β − π/2 — geneigt, kein Lotschnitt hg_versatz.md
„Brust(versatz)" versatz (art = FERSE) Synonym der Ferse (HG-arbitriert, Konflikt 6) hg_versatz.md
engl. „heel cut" / „plumb cut" kerve (Birdsmouth) der lotrechte Schnitt = Senkel (welt-vertikal) — heißt im DACH nie „Ferse" hg_senkel.md, hg_kerve.md
„Ferserl" (österr./Wiener) kerve die ganze Kerve (Fach-Synonym, lexikografisch nicht belegt) hg_kerve.md

Die drei Kern-Verwechslungen, die dieser Eintrag ausräumt:

  1. „Ferse = senkrechter Schnitt" ist falsch (Konflikt B). Das ist ein importierter englischer Fehlschluss: heel cut/plumb cut ist im Birdsmouth-Kontext der lotrechte Schnitt, der im Deutschen Senkel heißt und zur Kerve gehört — nicht zum Versatz. Die Fersenversatz- Druckfläche ist geneigt (⊥ Strebe), nie lotrecht.

  2. „Ferserl" ist nicht die Ferse (Konflikt D). Das österr./Wiener „Ferserl" meint die ganze Kerve, nicht eine Versatz-Lage; es ist in hg_kerve.md als Kerve-Synonym geführt, hier als falscher Freund abgelehnt. Im CH-Holzbau nicht einschlägig.

  3. „Brust" ist die Ferse (Konflikt C), kein eigener dritter Versatz — bereits in hg_versatz.md arbitriert.

Vorholz und Ausstiegskante

Beim Fersenversatz liegt die tragende Druckfläche zur Ferse hin nach hinten/innen verschoben; die Vorholzlänge l_v (Scher-Trag-Länge im Träger) wird am Fersenversatz an der Fersen-Ausstiegskante gemessen (hg_versatz.md, Parameter l_v). Die Ferse benennt dabei die hintere Ecke; ob dort eine Schnittfläche sitzt (Fersenversatz, doppelter Versatz) oder nur eine Auslauf-Ecke (Stirnversatz), hängt vom Verbindungstyp ab.

Beziehungen

  • Oberbegriff (versatz): Die Ferse lebt im Fach-Korpus nur gebunden im „Fersenversatz"; versatz ist ihre fachliche Heimat. Die Asymmetrie merkmal (struktureller Wert) ↔ oberbegriff: versatz (partitiv) ist in Konflikt A begründet.
  • Gegenstück (stirn, Forward-Verweis): Die Stirn ist die vordere/ talseitige Lage am selben Strebenfuß; Stirn ↔ Ferse ist das einzige korpus-belegte Lage-Paar am Versatz. „Stirn" hat keinen eigenen HG- Eintrag (im Versatz als Lage geführt, hg_versatz.md); der Forward- Verweis bezeichnet die Lage, nicht die Bauteilfläche.
  • Abgrenzung:
  • Versatz (versatz): trägt die Geometrie des Fersen- Ausschnitts (δ_F = β − π/2, Sohle ∥ Strebe, V-Werkzeugkörper); die Ferse ist die Lage, an der diese Geometrie sitzt — keine eigene geometrische Substanz.
  • Stirnseite (stirnseite): eine Bauteilfläche (Hirnholz, generisch) mit Trägerebene, Berandung und Außennormale. Die Ferse ist keine solche Fläche, sondern eine Lage innerhalb einer Bearbeitung. Die Stirnseite-Analogie zur Ferse ist widerlegt (kein Beleg für eine eigenständige „Fersenfläche").
  • Kerve (kerve): andere Bearbeitung (Auflager-Einschnitt am Sparren auf der Pfette). Das österr. „Ferserl" meint die ganze Kerve, nicht die Ferse; der lotrechte Kerv-Schnitt heißt Senkel.
  • Senkel (senkel): der lotrechte Schnitt am Fuß eines geneigten Holzes (welt-vertikal). Das engl. heel cut/plumb cut ist Senkel, nicht Ferse — die Quelle der „Ferse=senkrecht"- Verwechslung (Konflikt B).
  • Bleischnitt (bleischnitt): der waagerechte Schnitt (welt-horizontal); engl. seat cut. Weder Ferse noch Senkel.
  • Anschnitt (anschnitt): allgemeine schräge Endausbildung; die Fersen-Druckfläche ist ein spezieller Anschnitt am Versatz, die Ferse selbst aber eine Lage, kein Anschnitt.

Quellen

Primär (normativ, gebunden):

  • DIN EN 1995-1-1/NA:2013-08, NCI NA.12 „Zimmermannsmäßige Verbindungen" (Versatz ohne Typologie; „Ferse" nur gebunden im Fersenversatz). Paywall (DIN-Media); über hg_versatz.md und Sekundärbeschreibungen geführt [via: hg_versatz.md].

Sekundär:

  • Colling, F.: Holzbau – Grundlagen, Bemessungshilfen. Springer Vieweg, §8.5, Bild 8.15 „Fersen-/Rückversatz" (Druckfläche ⊥ Strebe, δ_F = β − π/2). Benennungs-Autorität der ⊥-Strebe-Geometrie als Fersenversatz. Print/Paywall [via: hg_versatz.md].
  • Berner Fachhochschule / Stiftung Denkmalpflege: Historische Holzverbindungen – Untersuchung des Trag- und Lastverformungsverhaltens. Leitfaden 2016, §2.1–2.5 (S. 17–20): „Stirn-, Brust- und Fersenversatz"; „rechtwinkliger Schnitt an der Stirnseite" (= ⊥ Strebe). PDF frei, lokaler PDF-Lesepfad [direkt].
  • Thesaurus Traditioneller Holzbau (TTH), RWTH Aachen: „Ferse" kein eigenes Lemma; nur „Fersenversatz" (ID 757, leerer Stub). thesaurus-traditioneller-holzbau.net, abgerufen 2026-06-03 [direkt].

Etymologie (nur Erläuterung/SG-Apparat, QUELLEN.md §5):

  • DWDS / Pfeifer, Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, „Ferse" (ahd. fersna, germ. fersnō; „Hacke, hinterer Teil des Fußes/ Strumpfes/Schuhs"). dwds.de/wb/etymwb/Ferse, abgerufen 2026-06-03 [direkt].
  • DWDS, „Ferserl": nur österr. Fußball-Ausdruck (Hackentrick); die Holzbau-Bedeutung „Ferserl = Kerve" ist lexikografisch nicht erfasst (Fach-Korpus-Sprache). dwds.de/wb/Ferserl, abgerufen 2026-06-03 [direkt].

Korpus (nicht autoritativ, Synonym-/Cross-Kontext-Sammlung):

  • Eurotec Anfängerlehrbuch Teil 3.3, deutscher-bauzeiger.de, zimmerer-treff.com: „Ferserl" als Kerve-Synonym (österr./Wiener; über hg_kerve.md geführt).
  • Wikipedia Birdsmouth joint (heel cut = plumb cut = lotrecht = Senkel; nicht Ferse). en.wikipedia.org/wiki/Birdsmouth_joint, abgerufen 2026-06-03.

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