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Dampfbremse

Prosa-Definition

Eine Dampfbremse ist eine raumseitige diffusionshemmende Funktionsschicht des wärmegedämmten Bauteils, deren wasserdampf- diffusionsäquivalente Luftschichtdicke (sd-Wert) im Bereich 0,5 m ≤ sd ≤ 1500 m nach DIN 4108-3 liegt und die in dieser Lage den Wasserdampf-Diffusionsstrom von innen nach aussen so weit reduziert, dass das Ausfallen von Tauwasser in der Wärmedämmung und an angrenzenden Holzbauteilen begrenzt bleibt.

Mathematische Definition

Sei

  • A = (𝒟, 𝒮, H) ein Dachaufbau im Sinne von dachaufbau mit Dachflächen-Familie 𝒟 = { D₁, …, D_m }, geordneter Schichtfolge 𝒮 = (S₁, …, S_k) von innen nach aussen, und Dachhaut H,
  • F := ⋃_{i=1..m} F(P_i) ⊂ ℝ³ der Trägerbereich der Dachflächen,
  • ein Index j ∈ { 1, …, k } so gewählt, dass die Schicht S_{j} die Funktionsklasse SchichtFunktion.DAMPFBREMSE trägt,
  • d_{j} ∈ ℝ_{>0} (in mm) die Dicke von S_{j},
  • φ_bar ∈ [0, 1] die mittlere relative Feuchte im Querschnitt der Bahn (dimensionslos),
  • σ ∈ { innen, aussen } die Seite der Bahn,
  • s_d : [0, 1] × { innen, aussen } → ℝ_{>0} die sd-Wert-Funktion der Bahn, Einheit m,
  • s_min, s_max ∈ ℝ_{>0} mit s_min ≤ s_max die zertifizierten Schranken der Bahn nach DIN EN 13984.

Dann ist eine Dampfbremse das Quintupel

B := (𝒟, S_{j*}, s_d, s_min, s_max)

mit den Konsistenzbedingungen

  1. Lage im Dachaufbau: j > 1 und j ≤ k − 1; die Dampfbremse liegt raumseitig der Wärmedämmung im Aufbau und ist nicht die äusserste Schicht.
  2. Funktionsklasse: S_{j*}.funktion = DAMPFBREMSE.
  3. Positive Dicke: d_{j*} > Toleranzen.LAENGE_EPS.
  4. Diffusionshemmende Schranken (DIN 4108-3): 0,5 m ≤ s_min ≤ s_max ≤ 1500 m.
  5. Wertebereichs-Konsistenz: für alle (φ_bar, σ) gilt s_min ≤ s_d(φ_bar, σ) ≤ s_max.
  6. Träger-Konsistenz: S_{j*} ist über F definiert (gleiche Träger-Dachflächen wie A).

Die sd-Wert-Funktion s_d beschreibt das Diffusionsverhalten der Bahn. Die folgenden drei Spezialformen klassifizieren die sealed-Hierarchie:

  • Konventionell: s_d ist konstant in φ_bar und in σ, also s_d(φ_bar, σ) ≡ s_konst mit s_min = s_max = s_konst.
  • Feuchteadaptiv: s_d ist unabhängig von σ (richtungs- symmetrisch), aber monoton antiton in φ_bar: für φ_bar₁ ≤ φ_bar₂ gilt s_d(φ_bar₁) ≥ s_d(φ_bar₂). Die physikalische Lesart: bei niedriger Feuchte (Winter, raumseitig) ist sd hoch (Diffusion gehemmt); bei hoher Feuchte (Sommer, Rücktrocknung) ist sd niedrig (Diffusion erlaubt).
  • Hygrobrid: s_d hängt sowohl von φ_bar als auch von σ ab und ist im Allgemeinen weder symmetrisch in σ noch in φ_bar monoton in derselben Richtung. Charakterisierend ist eine asymmetrische Bedingung der Form s_d(φ_bar, innen) ≠ s_d(φ_bar, aussen) für mindestens ein φ_bar ∈ [0, 1].

Die wasserdampf-diffusionsäquivalente Luftschichtdicke in der zugrunde liegenden Materialdefinition ist

s_d = µ · d

mit µ ∈ ℝ_{>0} (Wasserdampf-Diffusions-Widerstandszahl, dimensionslos, DIN EN ISO 12572) und d ∈ ℝ_{>0} (Schichtdicke in m). Bei feuchteadaptiven und Hygrobrid-Bahnen ist µ selbst eine Funktion µ(φ_bar, σ); s_d = µ(φ_bar, σ) · d folgt punktweise.

Bemerkung — Bindung an konkrete Bahn-Produkte. Die definitorische Schicht legt keine konkreten Produktklassen (INTELLO, DB+, Majrex, Vario KM, PE-Folie) im Begriff fest; diese sind als Spezialisierungen der drei Funktionsweisen einzuordnen, mit produktspezifischen Schranken (s_min, s_max).

Wohldefiniertheit

  • Existenz. Für jeden Dachaufbau A mit einer Schicht der Funktionsklasse DAMPFBREMSE, einer Bahn mit zertifizierten Schranken (s_min, s_max) ⊂ [0,5 m, 1500 m] und einer Funktion s_d, die die Schrankenbedingung punktweise erfüllt, ist B wohldefiniert.
  • Eindeutigkeit der Funktion s_d. s_d ist als Eingabe Teil des Tupels; eine in φ_bar und σ konstante Funktion existiert immer (Konventionell). Für feuchteadaptive Bahnen ist die Antitonie eine Anforderung an die Eingabefunktion, kein Bestandteil der Existenz-Behauptung: ist die Eingabefunktion nicht antiton, fällt der Subtyp Feuchteadaptiv weg und das Tupel ist als Konventionell oder Hygrobrid zu konstruieren.
  • Klassen-Disjunktheit. Die drei Subtypen sind durch die Form der Funktion eindeutig diskriminiert: s_d-konstant ⇒ Konventionell; s_d antiton in φ_bar, symmetrisch in σ ⇒ Feuchteadaptiv; s_d asymmetrisch in σ ⇒ Hygrobrid. Grenzfälle (annähernd konstante Bahn, die als Konventionell oder schwach feuchteadaptiv eingeordnet werden könnte) werden über eine Toleranz auf den Variations-Schwerpunkt der Funktion in der Validierung diskriminiert; diese Diskriminierung ist konstruktive Modellierungsentscheidung, nicht Eindeutigkeits- problem der Definition.
  • Eindeutigkeit der Dampfbremsen-Schicht im Aufbau. Die Definition lässt offen, ob ein Dachaufbau eine oder mehrere Schichten der Funktionsklasse DAMPFBREMSE enthalten darf. Im üblichen Aufbau ist j* eindeutig; bei doppelter Diffusionssicherung (Sonderfall Sanierung) zerfällt B in mehrere Dampfbremsen-Instanzen, je Schicht eine.
  • Konsistenz mit dachaufbau. Die Dampfbremse ist eine Schicht S_{j} im* Dachaufbau; sie ist kein eigenständiges Aggregat ausserhalb des Aufbaus und teilt mit ihm den Trägerbereich F.
  • Konsistenz mit dachhaut und unterdach. Die Dampfbremse liegt raumseitig der Wärmedämmung und damit weit unterhalb der Dachhaut H und des Unterdachs S_{j_unterdach} (mit j_unterdach > j*). Eine konstruktive Überschneidung ist ausgeschlossen.
  • Grenzfall sd = 1500 m. Der Wert sd = 1500 m liegt am Rand der diffusionshemmenden Klasse nach DIN 4108-3. Die Toleranz auf die obere Schranke wird konventionell als scharf gewertet: s_max ≤ 1500 m (inkl.); sd > 1500 m fällt in die Klasse dampfsperre (Forward-Verweis A) und wird hier ausdrücklich nicht erfasst.
  • Nicht-Zirkularität. Die Definition verwendet die Primitive Punkt, Strecke, Polygon, die reellen Zahlen, monotone Funktionen sowie die bereits definierten Begriffe dachaufbau, dachflaeche, waermedaemmung, toleranzen. Die abgegrenzten Begriffe eindeckung, dachabdichtung, unterdach, dampfsperre, luftdichtheitsebene treten nur erläuternd auf, nicht definitorisch.

Erläuterung (nicht normativ)

Die Dampfbremse ist im DACH-Holzbau die raumseitige Funktionsschicht des wärmegedämmten Daches, die den Eintrag von Wasserdampf aus dem Innenraum in die Wärmedämmung durch Diffusion reduziert. Sie ist nach DIN 4108-3 über die sd-Wert-Klassifikation eingegrenzt:

Klasse sd-Wert Bezeichnung
diffusionsoffen sd < 0,5 m nicht Dampfbremse
diffusionshemmend 0,5 m ≤ sd ≤ 1500 m Dampfbremse
diffusionsdicht sd > 1500 m dampfsperre (Forward A)

Die im Auftrag angedeutete Schwelle „sd = 100 m" zwischen Dampfbremse und Dampfsperre ist keine normative Grenze, sondern eine Praxis-Konvention: klassische PE-Folie (d ≈ 0,2 mm, µ ≈ 500 000) erreicht sd ≈ 100 m und wird im Volksmund häufig als „Dampfsperre" bezeichnet, weil sie für übliche Wohnbau-Anwendungen ausreichend dampfdicht ist. Norm- seitig bleibt eine PE-Folie SD100 eine Dampfbremse (0,5 ≤ 100 ≤ 1500).

Funktionsweise der drei Subtypen

Die App führt drei Subtypen als sealed-Klassen:

Subtyp s_d-Funktion Beispiel-Produkte typischer Bereich
Konventionell konstant in φ_bar und σ PE-Folie SD100, Aluminium-frei 2 m bis 1500 m
Feuchteadaptiv antiton in φ_bar, symmetrisch in σ pro clima INTELLO/INTELLO PLUS, pro clima DB+, Isover Vario KM Duplex UV 0,25 m bis 25 m
Hygrobrid asymmetrisch in σ SIGA Majrex 200 0,8 m bis 35 m
  • Konventionelle Dampfbremse: konstanter sd-Wert. Wirkt im Winter (Diffusion vom warmen Innenraum nach aussen) wie im Sommer (umgekehrtes Gefälle bei aufgeheiztem Dach). Begrenzt Rücktrocknung nach innen.
  • Feuchteadaptive Dampfbremse (Klimamembran): der sd-Wert sinkt mit steigender mittlerer Umgebungsfeuchte im Querschnitt der Bahn. Im Winter (trockene Raumluft, niedriges φ_bar im Querschnitt) ist sd hoch; im Sommer (feuchte Konstruktion bei Rücktrocknung, hohes φ_bar) ist sd niedrig. Die Bahn erlaubt die Rücktrocknung der Konstruktion nach innen, ohne im Winter die Diffusionshemmung aufzugeben. Der Begriff „Klimamembran" ist ein Branchen-Begriff für diese Variante; er ist im DACH-Korpus uneinheitlich gebraucht und im Glossar als Synonym geführt, ohne normative Bindung.
  • Hygrobrid-Dampfbremse: der sd-Wert hängt zusätzlich von der Seite der Bahn ab (innen vs. aussen). Bei SIGA Majrex 200 ist sd_innen (raumseitig) deutlich höher als sd_aussen (dämmungsseitig), so dass die Bahn Feuchte stärker aus der Dämmung in den Raum ablässt als umgekehrt. Strukturell ist Hygrobrid eine eigenständige Funktionsklasse, nicht eine Sub-Sub-Variante der Feuchteadaptiven, weil die Asymmetrie in σ ein qualitativ neues Merkmal ist.

Luftdichtheit vs. Diffusion

Die Dampfbremse ist die Diffusionsschicht; die Luftdichtheitsebene (DIN 4108-7, SIA 180) ist eine funktional getrennte Schicht, die den konvektiven Lufttausch durch Stoss- und Anschlussfugen verhindert. Die beiden Schichten werden in der Holzbau-Praxis häufig auf derselben Bahn realisiert (raumseitige Dampfbremse mit verklebten Stössen erfüllt zugleich die Luftdichtheits-Anforderung); SIA 180 erlaubt diese Doppelnutzung ausdrücklich. Funktional bleibt die Trennung streng:

  • Eine lose verlegte Dampfbremse ohne Stoss-Verklebung ist diffusionshemmend, aber nicht luftdicht — heute Ausführungs- Mangel.
  • Eine Holzwerkstoffplatte (z. B. OSB-Schalung) kann als Luftdichtheitsebene fungieren und (bei sd 1–4 m je nach Dicke und Hersteller) zugleich Dampfbremse sein; sie wird dann nach DIN 4108-3 mit ihrem realen sd-Wert als Bahn modelliert.

Quantitativ ist der konvektive Feuchteeintrag durch Undichtheiten typischerweise 10- bis 1000-mal grösser als der diffusive Eintrag bei intakter Dampfbremse; die Luftdichtheit ist deshalb in der Praxis die dominante Schutzgrösse, auch wenn die Dampfbremse die normative Aufmerksamkeit auf den Diffusionsstrom lenkt.

Tauwassernachweis (Anwendung, nicht Begriff)

Die bauphysikalische Bewertung eines Aufbaus mit Dampfbremse erfolgt nach DIN 4108-3 stationär (Glaser-Verfahren) oder nach DIN EN 15026 instationär (hygrothermische Simulation, WUFI, Delphin). Das Glaser-Verfahren ist auf Aufbauten mit konstantem sd-Wert beschränkt und kann feuchteadaptive Bahnen nicht modellieren; für solche Bahnen sowie für alle Aufbauten mit Schlagregen- oder Sonneneinstrahlungs-Lastfall ist die hygrothermische Simulation Stand der Technik. Die Wahl der Nachweismethode ist Anwendung, nicht Begriffsmerkmal der Dampfbremse; sie ist im Eintrag nicht definitorisch verankert.

IFC-Pendant

Im IFC-Schema wird die Dampfbremse als IfcMaterialLayer in einem IfcMaterialLayerSet der Dachkonstruktion realisiert. Es gibt im Standard kein eigenständiges Pset_VapourBarrier; der sd-Wert wird über Pset_MaterialCommon.VaporPermeability (bzw. die µ-Zahl mit Layer-Dicke) abgelegt, die Funktionsrolle über IfcMaterialLayer.Category = "VapourBarrier" oder "VapourControlLayer". BTLx (cadwork, hsbcad) führt „Dampfbremse" als explizite Funktionsklasse in der Material- Bibliothek.

Beziehungen

  • Oberbegriff: derzeit null. Künftig schicht, sobald der Schicht-Begriff als Hauptglossar-Eintrag angelegt ist (parallel zum vorliegenden Eintrag in Vorbereitung; analog zur Pendant-Situation bei dachaufbau, dachhaut, unterdach, eindeckung).
  • Bestandteil von: Eine Dampfbremse ist eine Schicht S_{j*} eines dachaufbau. Sie ist Bestandteil des Aufbaus, nicht selbst eigenständiges Aggregat.
  • Spezialisierungen (sealed-Hierarchie nach Funktionsweise der sd-Wert-Funktion):
  • Konventionelle Dampfbremse — konstanter sd-Wert.
  • Feuchteadaptive Dampfbremse — antitone Abhängigkeit von der mittleren relativen Feuchte φ_bar, symmetrisch in der Seite σ.
  • Hygrobrid-Dampfbremse — zusätzlich asymmetrisch in σ.
  • Verwendung:
  • Funktions-Schicht im dachaufbau (SchichtFunktion.DAMPFBREMSE).
  • Raumseitig der waermedaemmung.
  • Abgrenzung:
  • schicht: der Oberbegriff aller Schichten des Dachaufbaus; die Dampfbremse ist eine Spezialisierung von schicht mit fixierter Funktionsklasse.
  • dachaufbau: das Aggregat aller Schichten oberhalb des Tragwerks; die Dampfbremse ist eine Schicht darin.
  • waermedaemmung: die wärmedämmende Schicht aussen der Dampfbremse. Die Dampfbremse schützt sie vor diffundierendem Wasserdampf aus dem Innenraum; das verhindert den Tauwasser- Ausfall innerhalb der Wärmedämmung am kalten Ende (Glaser). Die Dampfbremse ist nicht selbst Wärmedämmung.
  • unterdach: die zweite wasserführende Ebene aussen der Wärmedämmung. Liegt zwischen Wärmedämmung und Eindeckung, nicht zwischen Innenraum und Wärmedämmung. Funktional und geometrisch von der Dampfbremse getrennt.
  • eindeckung: die äusserste Schicht des Dachaufbaus. Die Dampfbremse ist die raumseitige Sicherungsschicht und liegt strikt unter der Eindeckung in der Schichtfolge.
  • dachabdichtung: die wasserdichte äusserste Schicht eines Flachdachs. Liegt aussen, nicht raumseitig; funktional disjunkt von der Dampfbremse.
  • dampfsperre (Forward-Verweis A, Sub-Variante mit sd > 1500 m): die strikt diffusionsdichte Schicht (Aluminium-Verbundbahn, Bitumen-Schweissbahn, dicke PE- Folie über 1500 m). Eigenständige Klasse nach DIN 4108-3; typische Anwendung in Schwimmbad-, Sauna-, Industrie- und Beton-Dachaufbauten. Im normalen Holzbau-Wohndach durch feuchteadaptive Dampfbremsen funktional überholt (Hersteller- Konsens), normativ aber weiter geführt — siehe quellenkonflikt: (2).
  • luftdichtheitsebene (Forward-Verweis A, funktional getrennte Schicht nach DIN 4108-7): die Schicht, die den konvektiven Lufttausch durch Druckdifferenzen verhindert. In der Holzbau-Praxis häufig auf derselben Bahn wie die Dampfbremse realisiert; bauphysikalisch und definitorisch aber getrennt — siehe quellenkonflikt: (3).

Implementierungshinweis

Datentyp (Domänen-Schicht, Kotlin, Schicht domain.bauteil):

package domain.bauteil

import domain.Toleranzen

/**
 * Dampfbremse als raumseitige diffusionshemmende Schicht
 * des Dachaufbaus. Glossar: hg_dampfbremse.md
 *
 * Sealed-Hierarchie nach Form der sd-Wert-Funktion:
 *   Konventionell  — sd konstant in (φ_bar, σ).
 *   Feuchteadaptiv — sd antiton in φ_bar, symmetrisch in σ.
 *   Hygrobrid      — sd asymmetrisch in σ.
 */
sealed class Dampfbremse {
    abstract val dachflaechen: List<Dachflaeche>
    abstract val schicht: Schicht          // mit funktion = DAMPFBREMSE
    abstract val sdMin: Double             // m, untere Schranke (>= 0.5)
    abstract val sdMax: Double             // m, obere Schranke (<= 1500.0)

    /** Punktwert der sd-Wert-Funktion in der gegebenen
     *  mittleren relativen Feuchte phi (∈ [0,1]) und auf der
     *  gegebenen Seite. */
    abstract fun sdWert(phi: Double, seite: Seite): Double  // m

    enum class Seite { INNEN, AUSSEN }

    data class Konventionell(
        override val dachflaechen: List<Dachflaeche>,
        override val schicht: Schicht,
        val sdKonst: Double                // m, im Bereich [0.5, 1500.0]
    ) : Dampfbremse() {
        override val sdMin: Double get() = sdKonst
        override val sdMax: Double get() = sdKonst
        override fun sdWert(phi: Double, seite: Seite): Double = sdKonst
    }

    data class Feuchteadaptiv(
        override val dachflaechen: List<Dachflaeche>,
        override val schicht: Schicht,
        override val sdMin: Double,
        override val sdMax: Double,
        // Antitone Funktion phi -> sd(phi); im Code als
        // monotone Tabelle oder Closure realisiert.
        val sdKurve: (Double) -> Double
    ) : Dampfbremse() {
        override fun sdWert(phi: Double, seite: Seite): Double = sdKurve(phi)
    }

    data class Hygrobrid(
        override val dachflaechen: List<Dachflaeche>,
        override val schicht: Schicht,
        override val sdMin: Double,
        override val sdMax: Double,
        val sdKurveInnen: (Double) -> Double,
        val sdKurveAussen: (Double) -> Double
    ) : Dampfbremse() {
        override fun sdWert(phi: Double, seite: Seite): Double = when (seite) {
            Seite.INNEN  -> sdKurveInnen(phi)
            Seite.AUSSEN -> sdKurveAussen(phi)
        }
    }
}

// DIN-4108-3-Klassifikation eines sd-Werts als parametrische
// Funktion (analog klassifiziereNachStauwasser an
// hg_unterdach.md). Hier — und nur hier — sind die
// Schwellenwerte materialisiert.
enum class DiffusionsKlasse { OFFEN, HEMMEND, DICHT }

// Lokale Norm-Aufzählung für Dampfbremsen-Klassifikation. Eindeutiger
// Klassenname analog zu UnterdachNorm (hg_unterdach.md),
// AbdichtungsNorm (hg_dachabdichtung.md) und WaermedaemmungsNorm
// (hg_waermedaemmung.md), um Kollisionen zu vermeiden.
// Folgearbeit-Trigger: sobald mehrere Bauphysik-Module dieselbe
// Norm referenzieren (DIN 4108-3 ist auch in UnterdachNorm und
// WaermedaemmungsNorm geführt), wird ein zentraler hg_norm.md
// angelegt und die lokalen Enums migriert.
enum class DampfbremsenNorm { DIN_4108_3, SIA_180, OENORM_B_8110_2 }

fun klassifiziereNachSdWert(sd: Double, norm: DampfbremsenNorm): DiffusionsKlasse =
    when (norm) {
        DampfbremsenNorm.DIN_4108_3 -> when {
            sd <  0.5    -> DiffusionsKlasse.OFFEN
            sd <= 1500.0 -> DiffusionsKlasse.HEMMEND
            else         -> DiffusionsKlasse.DICHT
        }
        else -> error("DampfbremsenNorm $norm: sd-Schwellen noch nicht hinterlegt.")
    }
  • Einheit: sd-Wert in Metern (Double); Schichtdicke der Bahn in mm (über Schicht.dicke geerbt). Die zwei Einheiten sind in der Bauphysik kanonisch (sd in m, Schichtdicke in mm) und werden nicht miteinander vermischt.
  • Mittlere relative Feuchte φ_bar als Eingabe der sd-Wert- Funktion ist dimensionslos in [0, 1].
  • Trennung Definition ↔ Norm-Schwellen. Die definitorische Bedingung an die Bahn ist 0,5 m ≤ s_min ≤ s_max ≤ 1500 m. Die konkrete Klassifikation eines beliebigen sd-Werts (offen / hemmend / dicht) ist in der parametrischen Funktion klassifiziereNachSdWert(sd, norm) pro Norm materialisiert — analog zur Auslagerung normabhängiger Stauwasser-Schwellen in klassifiziereNachStauwasser(h, norm) an hg_unterdach.md.
  • Invarianten (in init jedes Subtyps prüfen, bei Verletzung Resultat.Fehler bzw. Entartet-Variante zurückgeben, niemals Exception werfen):
  • dachflaechen.isNotEmpty() ⇒ sonst Entartet.LeerTraeger.
  • schicht.funktion == SchichtFunktion.DAMPFBREMSE ⇒ sonst Entartet.FalscheSchichtFunktion.
  • schicht.dicke > Toleranzen.LAENGE_EPS ⇒ sonst Entartet.NullDickeSchicht.
  • sdMin >= 0.5 - Toleranzen.LAENGE_EPS / 1000.0 (untere diffusionshemmende Schranke der DIN 4108-3, sd in m; Toleranz auf Mikrometer-Skalenwert) ⇒ sonst Entartet.DiffusionsoffeneBahn.
  • sdMax <= 1500.0 + Toleranzen.LAENGE_EPS / 1000.0 (obere Schranke gegen Dampfsperre; sd > 1500 m gehört zu dampfsperre) ⇒ sonst Entartet.Diffusionsdicht.
  • sdMin <= sdMax ⇒ sonst Entartet.SchrankenVerdreht.
  • Subtyp-spezifisch:
    • Konventionell: sdMin == sdMax == sdKonst ⇒ sonst Entartet.NichtKonstant.
    • Feuchteadaptiv: sdKurve ist antiton im Sinne von φ_bar₁ ≤ φ_bar₂ ⇒ sdKurve(φ_bar₁) ≥ sdKurve(φ_bar₂). Wird über eine Stichprobe in [0, 1] geprüft (z. B. 11 Stützstellen 0,0; 0,1; …; 1,0); Verletzung ⇒ Entartet.NichtAntiton.
    • Hygrobrid: sdKurveInnen(phi) ≠ sdKurveAussen(phi) für mindestens ein φ_bar ∈ [0, 1]. Verletzung ⇒ Entartet.NichtAsymmetrisch (in diesem Fall wäre der korrekte Subtyp Feuchteadaptiv oder Konventionell).
  • Edge Cases:
  • Diffusionsoffene Bahn (sd < 0,5 m, z. B. Unterdachbahn, Fassadenbahn): keine Dampfbremse; gehört zur diffusionsoffenen Klasse. Wird durch Bedingung 4 abgewiesen (Entartet.DiffusionsoffeneBahn).
  • Diffusionsdichte Bahn (sd > 1500 m, z. B. Aluminium- Verbundbahn, Bitumen-Schweissbahn): keine Dampfbremse; gehört in die Klasse dampfsperre (Forward-Verweis A). Wird durch Bedingung 5 abgewiesen (Entartet.Diffusionsdicht).
  • Grenzfall sd = 0,5 m oder sd = 1500 m: beide Werte sind inkl. zulässig (DIN 4108-3 fasst die Schranke jeweils schliessend, im Glossar wird die Toleranz auf Mikrometer- Skala zugelassen, um Floating-Point-Rauschen zu absorbieren).
  • PE-Folie SD100: sd ≈ 100 m konstant, Subtyp Konventionell mit sdKonst = 100.0. Im Volksmund oft „Dampfsperre" genannt, normativ aber Dampfbremse — siehe Erläuterung.
  • Holzwerkstoffplatte (OSB, Vollholzschalung) als Schicht mit diffusionshemmender Wirkung: kann als Konventionell mit produkt-spezifischem sdKonst (typ. 1–4 m bei 15 mm OSB) modelliert werden, wenn ihre SchichtFunktion DAMPFBREMSE ist; alternativ als LUFTDICHTHEITSEBENE oder SCHALUNG mit dampfhemmender Nebenwirkung — die Wahl der Funktionsklasse ist konstruktive Entscheidung.
  • Sanierungs-Doppelbelegung: ein Aufbau mit doppelter Diffusionssicherung (Bestands-Dampfbremse + neue raumseitige Schicht) wird als zwei DAMPFBREMSE-Schichten im selben Aufbau modelliert; jede ist eine eigenständige Dampfbremsen- Instanz.
  • Flachdach: ein Flachdach hat im Regelfall eine dachabdichtung als alleinige wasserführende Ebene aussen und kann zusätzlich eine raumseitige Dampfbremse oder Dampfsperre tragen (Warmdach mit Dampfsperre unter der Wärmedämmung). Die Dampfbremse ist im Flachdach-Aufbau bauphysikalisch zulässig.
  • Abgeleitete Eigenschaften (als Funktionen, keine Felder):
  • klasse(norm: DampfbremsenNorm): DiffusionsKlasse — bei einer Dampfbremse stets HEMMEND; bei Bahnen, die fälschlich als Dampfbremse konstruiert werden, deckt die parametrische Klassifikationsfunktion die Inkonsistenz auf.
  • sdMittelwert(): Double — arithmetischer Mittelwert der sd-Wert-Funktion über [0, 1] (für Feuchteadaptiv und Hygrobrid); bei Konventionell trivial sdKonst.
  • istFeuchteadaptiv(): Boolean — true, wenn der Subtyp Feuchteadaptiv oder Hygrobrid ist.
  • IFC-Mapping (am API-Rand des IFC-Exporters, nicht im Datentyp selbst): IfcMaterialLayer mit Category = "VapourBarrier" (oder "VapourControlLayer"); sd-Wert über Pset_MaterialCommon.VaporPermeability bzw. µ-Zahl mit LayerThickness. Kein eigenständiges Pset_VapourBarrier im IFC-Standard 4.3.

Quellen

Primär (normativ):

  • DIN 4108-3:2018-10, „Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden – Teil 3: Klimabedingter Feuchteschutz — Anforderungen, Berechnungs- und Bemessungsverfahren", Beuth Verlag, Berlin.
  • DIN 4108-7:2011-01 (Neuausgabe 2026-04), „Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden – Teil 7: Luftdichtheit von Gebäuden", Beuth Verlag.
  • DIN EN ISO 12572:2025-03, „Wärme- und feuchtetechnisches Verhalten von Baustoffen und Bauprodukten — Bestimmung der Wasserdampfdurchlässigkeit — Cup-Verfahren".
  • DIN EN 13984:2013-05, „Abdichtungsbahnen — Kunststoff- und Elastomer-Dampfsperrbahnen — Definitionen und Eigenschaften".
  • DIN EN ISO 9972:2018-12, „Wärmetechnisches Verhalten von Gebäuden — Bestimmung der Luftdurchlässigkeit von Gebäuden — Differenzdruckverfahren" (Abgrenzung Luftdichtheitsebene).
  • DIN EN 15026:2007-07, „Wärme- und feuchtetechnisches Verhalten von Bauteilen und Bauelementen — Bewertung der Feuchteübertragung durch numerische Simulation" (Hintergrund hygrothermische Simulation; nicht im Begriff verankert).
  • SIA 180:2014, „Wärmeschutz, Feuchteschutz und Raumklima in Gebäuden", Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein, Zürich.

Sekundär:

  • Lignum (Hrsg.): Lignatec — Geneigte Dächer in Holzbauweise. Lignum, Zürich, aktuelle Auflage.
  • Mönck, W.; Rug, W.: Holzbau – Bemessung und Konstruktion.
  • Auflage, Beuth Verlag 2015.
  • SIA 4001:2022, Wegleitung zur Norm SIA 180.
  • Informationsdienst Holz: Tauwasserschutz im Holzbau.
  • Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP: Anwendungshinweise zu DIN EN 15026 (WUFI).
  • pro clima Technische Information: INTELLO / INTELLO PLUS, DB+ — Produkt-Datenblätter feuchtevariabler sd-Wert.
  • SIGA.swiss: Produktdaten Majrex 200 — Hygrobrid-Membran mit richtungsabhängigem sd-Wert.
  • Isover / Saint-Gobain: Vario KM Duplex UV — Klimamembran.
  • ZVDH-Fachregel für Dachdeckungen, Stand 2024.

Korpus (nicht autoritativ):

  • Recherchebericht docs/recherche/2026-05-14_hg_dampfbremse.md.
  • BauNetz Wissen: „Stoffeigenschaften und Wasserdampfdiffusions- widerstand"; „Dampfbremse, Dampfsperre, Luftdichtheit".
  • energie-experten.org: „sd-Wert".
  • ifb.info: „Neuauflage Teil 3 der DIN 4108".
  • DIN-NABau: „Auslegungen zu DIN 4108-3".
  • Wikipedia, Lemmata „Dampfbremse", „sd-Wert", „Klimamembran" (abgerufen 2026-05-14).

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