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Stirnseite

Prosa-Definition

Eine Stirnseite ist die ebene, polygonal berandete Endfläche eines Stabbauteils, an der die Bauteilachse das Bauteil verlässt und an der die Faserrichtung im Holz aus der Schnittfläche austritt.

Mathematische Definition

Sei

  • B ein Stabbauteil im Sinne von bauteil mit Stabgeometrie (geometrie ∈ 𝒢_stab),
  • A(B) = Bauteilachse(B) die Bauteilachse mit Anfangspunkt p_a und Endpunkt p_e (siehe bauteilachse), Tangentenrichtung d_hat(s) ∈ S² an der Stelle s ∈ [0, L],
  • E_S eine Trägerebene im Sinne von ebene durch den jeweiligen Bauteilendpunkt mit Einheitsnormaler n_hat_S ∈ S²,
  • ∂F_S ⊂ E_S ein Polygon in Berandungs-Lesart (siehe hg_polygon.md, Abschnitt „Zwei zulässige Lesarten"), das die Bauteilberandung an dem jeweiligen Bauteilende bildet,
  • ε_W := Toleranzen.WINKEL_EPS.

Stirnseite am Bauteilanfang (s = 0):

S_a(B) := (∂F_S^{(a)}, E_S^{(a)}, n_hat_S^{(a)}, p_a)                   (1)
          mit ∂F_S^{(a)} = Bauteilberandung von B in E_S^{(a)}
          am Bauteilanfang p_a.

Stirnseite am Bauteilende (s = L):

S_e(B) := (∂F_S^{(e)}, E_S^{(e)}, n_hat_S^{(e)}, p_e)                   (2)
          mit ∂F_S^{(e)} = Bauteilberandung von B in E_S^{(e)}
          am Bauteilende p_e.

Im prismatischen Standardfall (rechtwinkliger Endschnitt) gilt für die Trägerebenen-Normale n_hat_S der Stirnseiten-Ebene

|⟨n_hat_S^{(a)}, d_hat(0)⟩| ≥ 1 − ε_W,                                      (3)
|⟨n_hat_S^{(e)}, d_hat(L)⟩| ≥ 1 − ε_W.                                      (3')

In diesem Fall liegt die Stirnseiten-Ebene rechtwinklig zur Bauteilachse, und die Stirnseite ist zugleich ein Querschnitt im Sinne von hg_querschnitt.md am Bauteilende; der Flächenschwerpunkt der berandeten Punktmenge fällt mit p_a bzw. p_e zusammen, und ∂F_S stimmt mit der Polygonberandung des Querschnitts QS(0) bzw. QS(L) überein. Diese Identität ist im prismatischen Standardfall der Anker, an dem die Stirnseite mit der App-Querschnitts-Hierarchie verbunden wird.

Im Fall eines Anschnitts (Bearbeitungs-Subtyp anschnitt, Folgearbeit) am Bauteilende ist die Stirnseite eine ebene polygonal berandete Punktmenge in einer Anschnittebene E_AS, deren Normale n_hat_AS einen Winkel α_AS ∈ (ε_W, π/2 − ε_W) mit d_hat(L) einschließt:

|⟨n_hat_AS, d_hat(L)⟩| = cos(α_AS) < 1 − ε_W.                              (4)

Die Stirnseite bleibt eine ebene polygonal berandete Punktmenge auf einer ausgezeichneten Trägerebene am Bauteilende, ist aber nicht mehr rechtwinklig zur Bauteilachse und damit kein Querschnitt im Sinne von hg_querschnitt.md. Sie bleibt eine Stirnseite im Sinne dieses Eintrags, weil die geometrischen Konstitutionsbedingungen (ebene Endfläche auf einer Trägerebene am Bauteilendpunkt mit Bauteilberandung und Aussennormalen- Konvention) erfüllt sind. Der zugehörige Begriff anschnitt (Folgearbeit) ist ein Bearbeitungs-Subtyp nach bearbeitung, dessen Resultat eine modifizierte Stirnseite ist.

Faserrichtungs-Bedingung (zur Abgrenzung von der Längsseite, siehe laengsseite): Sei f_hat ∈ S² die Faserrichtung des Bauteils (siehe faserrichtung, Modus HART). Dann gilt für eine Stirnseite mit Trägerebenen-Normaler n_hat_S

|⟨n_hat_S, f_hat⟩| > sin(α_grenz),                                         (5)

mit einem Anschnittwinkel-Grenzwert α_grenz typisch zwischen 0 und π/4. Die Bedingung (5) drückt aus, dass die Faserrichtung mit einer wesentlichen Komponente quer zur Stirnseiten-Ebene verläuft, also die Faser durch die Stirnseite austritt — im Gegensatz zur Längsseite, an der die Faser in der Trägerebene liegt. Der konkrete Grenzwinkel α_grenz ist nicht im Glossar fixiert und in der App nicht aktiv geprüft; (5) charakterisiert den Begriff, ist aber keine Validierungsregel.

Wohldefiniertheit

  • Existenz: Für jedes Stabbauteil mit Stabgeometrie und positiver Bauteillänge ist die Bauteilberandung an jedem Bauteilendpunkt durch die Bauteilkonstruktion festgelegt (im prismatischen Standardfall identisch mit der Polygonberandung des Querschnitts QS(0) bzw. QS(L); im Anschnittfall verlängert auf die Anschnittebene). Damit existieren ∂F_S^{(a)} und ∂F_S^{(e)} konstruktiv, und beide Stirnseiten S_a(B), S_e(B) sind durch (1) und (2) festgelegt.
  • Eindeutigkeit: Bei festgelegtem Bauteil B mitsamt allfälliger Anschnitt-Bearbeitung sind die Bauteilberandungs-Polygone an beiden Bauteilenden eindeutig bestimmt; folglich auch S_a(B) und S_e(B) eindeutig durch (1) und (2).
  • Anzahl der Stirnseiten: Jedes prismatische Stabbauteil hat genau zwei Stirnseiten (eine an jedem Bauteilende). Im Fall eines Bauteils mit gekrümmter Bauteilachse (Folgearbeit) gilt dieselbe Aussage; die Stirnseiten liegen an den Endpunkten der gekrümmten Achse.
  • Wohldefiniertheit der Trägerebene: Die Trägerebene E_S der Stirnseite ist im prismatischen Standardfall identisch mit der Querschnittsebene am Bauteilendpunkt (siehe querschnitt, rechtwinklig zur Bauteilachse), in diesem Fall festgelegt durch den Bauteilendpunkt und die Tangentenrichtung der Bauteilachse. Im Anschnittfall ist E_S durch den Bauteilendpunkt und die Anschnitt-Normale n_hat_AS festgelegt; sie wird bei der Anschnitt- Bearbeitung konstruktiv erzeugt (siehe bearbeitung-Subtyp anschnitt, Folgearbeit). In beiden Fällen ist die Trägerebene eindeutig (modulo Vorzeichen, vgl. ebene Wohldefiniertheits- Abschnitt). Die kanonische Vorzeichenwahl ist „äußere Normale", also n_hat_S^{(a)} := −d_hat(0) (Anfangs-Stirnseite, prismatisch) bzw. n_hat_S^{(e)} := +d_hat(L) (End-Stirnseite, prismatisch); im Anschnittfall zeigt n_hat_AS analog aus dem Bauteil heraus.
  • Anschnitt als Sonderfall: Bei einem Anschnitt (Bearbeitung am Bauteilende) bleibt das Bauteilende eine ebene Schnittfläche; der Anschnitt ändert nur den Schnittwinkel α_AS und damit die Trägerebenen-Normale, aber nicht die Eigenschaft, eine Stirnseite zu sein. Die Modellierung des Anschnitts ist eine Bearbeitung im Sinne von bearbeitung (Folgearbeit-Subtyp); die resultierende Endfläche ist die Stirnseite des bearbeiteten Bauteils.
  • Faserrichtungs-Bedingung (5) ist nicht-konstitutiv: Die Bedingung (5) charakterisiert den Stirnseiten-Begriff semantisch, ist aber nicht Teil der Validierungsbedingungen. Sie kann verletzt sein bei Bauteilen mit nicht-axialer Faserrichtung (Drehwuchs, schräggesägt; siehe faserrichtung- Modi); die geometrische Stirnseite bleibt davon unberührt.
  • Nicht-Zirkularität: Die Definition stützt sich auf polygon (in Berandungs-Lesart), ebene, bauteil, bauteilachse, faserrichtung und toleranzen und nimmt nicht auf sich selbst Bezug. Der Bezug auf querschnitt ist nicht-konstitutiv: er erläutert nur den prismatischen Standardfall, in dem Stirnseite und Querschnitt am Bauteilende zusammenfallen.

Erläuterung (nicht normativ)

Bedeutung im Holzbau

Die Stirnseite ist diejenige Bauteilfläche, an der das Hirnholz sichtbar ist: die Jahresringe treten als Kreise oder Kreissegmente zu Tage, die Faserrichtung verläuft rechtwinklig (oder schräg) zur Fläche. Diese Geometrie hat zwei wesentliche Konsequenzen:

  1. Holzschutz (DIN 68800-2): Hirnholz nimmt durch Kapillar- wirkung wesentlich mehr Wasser auf als die Längsseiten. Stirn- seiten an exponierten Bauteilen (Sparrenüberstand, Dachvorsprung, Pfettenkopf am Giebel) sind besonders durch Bewitterung gefährdet und benötigen aktiven Hirnholzschutz (Lasur, Hirnholzkappe, konstruktiver Wetterschutz).
  2. Verbindungstragfähigkeit (DIN EN 1995-1-1, Abschnitt 8.5): Hirnholz-Anschlüsse von Verbindungsmitteln (Schrauben in Hirnholz, Stabdübel parallel zur Faser) tragen wesentlich weniger als Anschlüsse rechtwinklig zur Faser. Die Stirnseite ist daher konstruktiv möglichst nicht für Lasteinleitungen zu verwenden.

Zwei Stirnseiten pro Stabbauteil

Jeder Sparren, jede Pfette, jede Stütze hat genau zwei Stirnseiten — eine am Bauteilanfang p_a, eine am Bauteilende p_e. Im Sparren-Tool sind das die Sparrenfuß-Stirnseite (am traufseitigen Ende) und die Sparrenfirstpunkt-Stirnseite (am firstseitigen Ende; zur Vermeidung der Korpus-Mehrdeutigkeit von „Sparrenkopf" siehe quellenkonflikt-Hinweis in hg_sparren.md). In dieser App werden beide Stirnseiten bei Bedarf konstruktiv aus dem zugehörigen Querschnitt am jeweiligen Bauteilende abgeleitet.

Synonym-Verwendung in der App-Anzeige

Kontext Bevorzugter Begriff
Geometrie / 3D-Visualisierung Stirnseite
Werkstoff / Holzschutz Hirnholz
Bemessung Verbindungstragfähigkeit Hirnholz-Anschluss
Werkplan-Beschriftung Stirnseite

Die App führt eine konsistente Übersetzung zwischen diesen Synonymen über die Synonyme-Liste des Glossareintrags.

Stirnseite vs. Längsseite (Übersicht)

Ein Stabbauteil mit Rechteckquerschnitt hat insgesamt sechs ebene Aussenflächen:

  • 2 Stirnseiten (Bauteilanfang, Bauteilende), Faser tritt durch die Fläche aus,
  • 4 Längsseiten (Oberseite, Unterseite, beide Schmalseiten), Faser liegt in der Fläche.

Stirnseite und Längsseite sind die beiden disjunkten Bauteilflächen- Kategorien; sie werden in dieser App als getrennte Glossar-Begriffe geführt (siehe laengsseite).

Anschnitt am Bauteilende

Wird ein Bauteilende angeschnitten (geneigt geschnitten, Bearbeitungs-Subtyp anschnitt als Folgearbeit), entsteht eine geneigte Stirnseite. Beispiele:

  • Sparren-Firstanschnitt (Stirnanschnitt zweier sich am First treffender Sparren),
  • Sparrenfuß-Anschnitt zur traufseitigen Sichtflächen-Verlängerung,
  • Pfetten-Stoßanschnitt am Giebelüberstand.

Geometrisch bleibt die geneigte Endfläche eine Stirnseite des Bauteils; der Schnittwinkel α_AS ≠ π/2 wird als Anschnitt-Parameter geführt.

Beziehungen

  • Oberbegriff: polygon (in Berandungs-Lesart, siehe hg_polygon.md, Abschnitt „Zwei zulässige Lesarten"). Die Stirnseite ist ein ebenes Polygon auf einer ausgezeichneten Trägerebene am Bauteilende, das die Bauteilberandung an dieser Stelle bildet, zusammen mit Bauteilrolle (Endfläche eines Stab- Bauteils) und Aussennormalen-Konvention. Im prismatischen Standardfall (rechtwinkliger Endschnitt) ist die Stirnseite zusätzlich ein Querschnitt im Sinne von hg_querschnitt.md am Bauteilende; bei einer Anschnitt-Stirnseite (α_AS ≠ π/2) ist diese zusätzliche Identität nicht gegeben (siehe quellenkonflikt-Block und Wohldefiniertheits-Abschnitt). Die Beziehung zum Querschnitt wird daher nicht als Oberbegriffs- Linie geführt, sondern als bedingte Identität im Standardfall.
  • Spezialisierungen (Folgearbeit):
  • Anschnitt-Stirnseite: Stirnseite mit Anschnittwinkel α_AS ≠ π/2; entsteht durch Bearbeitung anschnitt (siehe hg_bearbeitung.md, Folgearbeit).
  • Plattenkante (plattenkante, Folgearbeit): die Stirn- Entsprechung bei Plattenbauteilen; eigener Begriff, weil die Stab-Bauteil-Definition für Platten nicht unmittelbar übertragbar ist.
  • Bestandteile (partitiv):
  • Trägerebene E (geerbt von querschnitt).
  • Polygonberandung ∂QS am Bauteilende (geerbt von querschnitt, konkret polygon).
  • Aussennormalen-Vektor n_hat_S (per Konvention aus dem Bauteil heraus zeigend).
  • Bauteil-Endpunkt-Position: p_a (Anfangsstirnseite) bzw. p_e (Endstirnseite).
  • Verwendung:
  • Holzschutz (dachhaut, Folgearbeit hirnholzschutz): Hirnholz-Bewitterungsschutz an exponierten Stirnseiten.
  • Verbindungen (verbindungsmittel): Hirnholz-Anschluss als Bemessungs-Sonderfall.
  • Werkplan-Beschriftung: Stirnseiten-Markierung mit Schnittwinkel und Bauteil-Referenz.
  • 3D-Visualisierung: Stirnseiten erhalten typisch eine eigene Texturierung (Hirnholz-Maserung), die sich von den Längsseiten (Längsmaserung) unterscheidet.
  • Abgrenzung:
  • Querschnitt (querschnitt): Schnittfigur eines Stab- Bauteils mit einer Ebene rechtwinklig zur Bauteilachse an einer beliebigen Stelle s ∈ [0, L]. Eine Stirnseite ist genau dann ein Querschnitt im Sinne von hg_querschnitt.md, wenn ihre Trägerebenen-Normale parallel zur Bauteilachsen-Tangente am Endpunkt liegt (prismatischer Standardfall, α_AS = π/2). Bei einer Anschnitt-Stirnseite (α_AS ≠ π/2) ist die Trägerebene der Stirnseite nicht rechtwinklig zur Bauteilachse, und die Stirnseite ist kein Querschnitt im Sinne von hg_querschnitt.md.
  • Bauteilfläche (bauteilflaeche, Folgearbeit): die Stirnseite und die Längsseite sind die beiden disjunkten Bauteilflächen-Kategorien an einem Stabbauteil; sie sind derzeit als getrennte Glossareinträge direkt unter polygon (Berandungs-Lesart) geführt, ohne gemeinsamen Sammel- Oberbegriff. Ein expliziter Begriff bauteilflaeche als Sammelkategorie ist Folgearbeit (Trigger: erste Domänen- Klasse oder Visualisierungs-Operation, die Stirn- und Längsseite einheitlich adressieren muss). Siehe auch hg_laengsseite.md, Folgearbeit-Block.
  • Längsseite (laengsseite): die zur Bauteilachse parallele Bauteilfläche (Oberseite, Unterseite, Schmalseite). Faser liegt in der Längsseiten-Trägerebene; bei der Stirnseite tritt die Faser aus der Trägerebene aus. Die beiden Begriffe sind disjunkt.
  • Polygon (polygon): die Stirnseite hat eine polygonale Berandung, ist aber selbst nicht das Polygon; sie trägt zusätzlich die Bauteil-Bezugsrolle (Endfläche eines Stab- Bauteils) und die Aussennormalen-Konvention.
  • Ebene (ebene): die Trägerebene einer Stirnseite ist eine Ebene; die Stirnseite selbst ist eine beschränkte Teilmenge dieser Ebene mit Bauteilrolle.
  • Anschnitt (anschnitt, Folgearbeit als Bearbeitungs- Subtyp): Bearbeitung, die einen geneigten Schnitt am Bauteilende herstellt. Die Stirnseite ist das geometrische Resultat dieser Bearbeitung; der Anschnitt ist die Bearbeitung selbst.
  • Bauteilachse (bauteilachse): die Stirnseiten liegen an den Endpunkten der Bauteilachse; sie sind aber nicht die Achse selbst.
  • Faserrichtung (faserrichtung): an der Stirnseite tritt die Faser durch die Fläche aus; an der Längsseite liegt die Faser in der Fläche. Die Faserrichtung ist Annotation des Bauteils, die Stirnseite eine Bauteilfläche.

Implementierungshinweis

Datentyp (Domänen-Schicht, Kotlin, Schicht domain.bauteil.flaeche):

package domain.bauteil.flaeche

import domain.geometrie.Ebene
import domain.geometrie.KonvexesPolygon
import domain.geometrie.Punkt
import domain.geometrie.Vektor

/**
 * Stirnseite: Endfläche eines Stab-Bauteils, an der die Faser
 * durch die Schnittfläche austritt.
 *
 * Glossar: hg_stirnseite.md
 *
 * Im prismatischen Standardfall rechtwinklig zur Bauteilachse
 * (und damit zugleich Querschnitt im Sinne von hg_querschnitt.md);
 * im Anschnittfall mit Schnittwinkel α_AS ∈ (0, π/2) gegen die
 * Bauteilachse — dann polygonal berandete Endfläche, aber kein
 * Querschnitt.
 *
 * Trägerpolygon ∂F_S in Berandungs-Lesart (siehe hg_polygon.md);
 * Aussennormale n_hat_S zeigt per Konvention aus dem Bauteil heraus.
 */
data class Stirnseite(
    val berandung: KonvexesPolygon,   // ∂F_S in Berandungs-Lesart
    val position: Endposition,        // ANFANG | ENDE
    val aussennormale: Vektor,        // n_hat_S, ‖aussennormale‖ ≈ 1
    val bezugspunkt: Punkt,           // p_a bzw. p_e
)

/** An welchem Ende des Bauteils die Stirnseite liegt. */
enum class Endposition {
    ANFANG,   // s = 0, n_hat_S := −d_hat(0)
    ENDE,     // s = L, n_hat_S := +d_hat(L)
}
  • Einheit: Punktkoordinaten in mm; Vektor dimensionslos (Einheitsvektor); Querschnitt nach querschnitt.
  • Identität: keine eigene UUID. Die Stirnseite ist eine abgeleitete Sicht auf das Bauteil-Ende; sie wird konstruktiv aus dem Bauteil bezogen, nicht persistiert.
  • Pflicht- und Optionalfelder:
  • berandung — Pflicht; Bauteilberandungs-Polygon ∂F_S in Berandungs-Lesart (siehe hg_polygon.md, Abschnitt „Zwei zulässige Lesarten"). Im prismatischen Standardfall identisch mit der Polygonberandung des Querschnitts am Bauteilende; im Anschnittfall die durch die Anschnittebene erzeugte Polygonberandung.
  • position — Pflicht; ANFANG oder ENDE.
  • aussennormale — Pflicht; per Konvention aus dem Bauteil heraus.
  • bezugspunkt — Pflicht; Bauteil-Endpunkt p_a bzw. p_e.
  • Invarianten (in Companion-Factory Stirnseite.aus(bauteil, position), Resultat.Fehler bei Verletzung; keine Exception):
  • aussennormale ist normiert (‖aussennormale‖ ≈ 1 innerhalb Toleranzen.NORM_EPS).
  • Im prismatischen Standardfall: aussennormale ist parallel zur Bauteilachsen-Tangente am Endpunkt (Anschnittwinkel α_AS = π/2).
  • Im Anschnittfall: 0 < α_AS < π/2 (Anschnitt-Bearbeitung als Vorbedingung).
  • Konstruktion: Die Stirnseite wird abgeleitet aus dem Bauteil und der gewählten Endposition; sie wird nicht als unabhängiges Objekt konstruiert. Die Domänen-Schicht stellt Faktor-Funktionen Bauteil.stirnseiteAm(position) bereit, die das jeweilige Stirnseite-Objekt aus dem Bauteilkontext zusammensetzen.
  • IFC-Mapping (Persistenzschicht, Phase 4):
  • Stirnseite wird nicht als eigene IFC-Entität geführt; sie ist eine Sicht auf die IfcExtrudedAreaSolid-Endfläche des Bauteils.
  • Edge Cases:
  • Stirnseite an einem Bauteil mit Anschnitt (Anschnittwinkel α_AS < π/2): die Stirnseite hat eine grössere Fläche als der Bauteilquerschnitt rechtwinklig zur Achse; das Verhältnis ist 1 / sin(α_AS).
  • Stirnseite an einem Bauteil mit Faserrichtung-Modus SCHWACH oder KEINE (z. B. OSB, Spanplatte, siehe Memory project_faserrichtung_modi): Bedingung (5) ist für diese Modi nicht sinnvoll; die geometrische Stirnseite bleibt aber definiert. Plattenwerkstoffe werden bevorzugt mit dem Begriff plattenkante (Folgearbeit) modelliert.
  • Doppelter Anschnitt am selben Bauteilende (Schiftsparren- Doppelschnitt): zwei Anschnitte führen zu zwei Schnittflächen am selben Endpunkt; jede ist eine eigene Stirnseite des bearbeiteten Bauteils. Die App führt sie als getrennte Stirnseite-Instanzen mit derselben position, aber unterschiedlichen aussennormale.
  • Bezeichner-Konvention (CLAUDE.md): Klasse heißt Stirnseite (deutsch, Glossarbegriff). Endposition.ANFANG / Endposition.ENDE sind technische Konstanten ohne eigenen Glossarbezug.

Folgearbeit (trigger-basiert):

  • Bauteilfläche (bauteilflaeche-Eintrag, Folgearbeit): Sammelkategorie für Stirnseite und Längsseite als die beiden disjunkten ebenen Aussenflächen-Klassen eines Stabbauteils. Stirnseite und Längsseite sind derzeit symmetrisch direkt unter polygon in Berandungs-Lesart aufgehängt; ein gemeinsamer Sammel-Oberbegriff existiert nicht. Trigger: erste Domänen-Klasse oder Visualisierungs-Operation, die Stirn- und Längsseite einheitlich als „Bauteilfläche" adressieren muss (z. B. Sammel-Iteration über alle Aussenflächen eines Bauteils, einheitliche Aussennormalen-Behandlung im Renderer).
  • Hirnholzschutz (hirnholzschutz-Eintrag, Folgearbeit): konstruktive und chemische Schutzmassnahmen an exponierten Stirnseiten nach DIN 68800-2. Trigger: erste Bemessung mit Bewitterungs-Beurteilung.
  • Anschnitt (anschnitt-Eintrag, Folgearbeit als Bearbeitungs- Subtyp; siehe hg_bearbeitung.md): Bearbeitung am Bauteilende mit Schnittwinkel ≠ π/2. Trigger: erstes Tool, das angeschnittene Bauteilenden modelliert.
  • Plattenkante (plattenkante-Eintrag, Folgearbeit): Stirn- Entsprechung bei Plattenbauteilen, mit von der Stirnseite abweichender Definition (Faserrichtung-Modus-Spezifika nach hg_faserrichtungs_modus.md). Trigger: erstes Plattenbauteil mit expliziter Kantenmodellierung.

Quellen

Primär (normativ):

  • DIN 4074-1:2012-06, „Sortierung von Holz nach der Tragfähigkeit – Teil 1: Nadelschnittholz", DIN Deutsches Institut für Normung, Berlin.
  • DIN 68800-2:2022-02, „Holzschutz – Teil 2: Vorbeugende bauliche Maßnahmen im Hochbau", DIN Deutsches Institut für Normung, Berlin.
  • DIN EN 1995-1-1:2010-12, „Eurocode 5: Bemessung und Konstruktion von Holzbauten – Teil 1-1: Allgemeines – Allgemeine Regeln und Regeln für den Hochbau".
  • DIN EN 350:2016-12, „Dauerhaftigkeit von Holz und Holzprodukten".

Sekundär:

  • Mönck, W.; Rug, W.: Holzbau – Bemessung und Konstruktion.
  • Auflage, Beuth, Berlin 2015.
  • Natterer, J.; Herzog, T.; Volz, M.: Holzbau-Atlas. 4. Auflage, Birkhäuser, Basel 2003.
  • Gerner, M.: Fachwerk – Instandsetzung, Sanierung, Neubau. DVA, 7. Auflage 2007.
  • Lignum (Hrsg.): Holzbautabellen HBT. Lignum, Zürich, aktuelle Auflage.

Korpus (nicht autoritativ):

  • Wikipedia, Lemma „Hirnholz" (abgerufen 2026-05-09).
  • holzhandel-deutschland.de, Glossar „Hirnholz" (abgerufen 2026-05-09).
  • baumundborke.com, Lexikon „Hirnholz / Stirnholz" (abgerufen 2026-05-09).
  • leyendecker.de, Holz-Glossar „Hirnholz" (abgerufen 2026-05-09).

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