Dach
Prosa-Definition¶
Ein Dach ist das oberste raumabschließende Bauteil-Aggregat eines Gebäudes, bestehend aus einem Tragwerk (lastabtragende Holzkonstruktion), einer endlichen, nicht-leeren Familie von Dachflächen (geometrische Bezugsebenen) und einem Dachaufbau (geordnete Schichtfolge oberhalb des Tragwerks bis einschließlich der äußersten wettertrennenden Schicht), wobei die obere Hüllfläche des Dachaufbaus die Dachhaut des Daches bildet.
Mathematische Definition¶
Sei
- T eine endliche Menge konstruktiver Tragwerks-Bauteile (Sparren,
Pfetten, Binder, Kehlbalken, Aussteifungen, Verbindungsmittel; im
aktuellen Glossarstand als Sammelbegriff geführt; eigener Eintrag
tragwerkfolgt), - 𝒟 = { D₁, …, D_m } mit m ≥ 1 eine endliche, nicht-leere Familie
von Dachflächen D_i = (E_i, P_i, n_{a,i}) im Sinne von
dachflaeche, - A ein Dachaufbau im Sinne von
dachaufbau, definiert über dem Trägerbereich F := ⋃_{i=1..m} F(P_i), - H = H(A) die aus A abgeleitete Dachhaut im Sinne von
dachhaut(obere Hüllfläche der äußersten Schicht von A).
Dann ist ein Dach das Tripel
Dach := (T, 𝒟, A)
mit den Konsistenzbedingungen
- Trägerbezug des Dachaufbaus: Der Dachaufbau A ist genau über F := ⋃_i F(P_i) definiert, d. h. seine Trägerflächen sind die Elemente von 𝒟.
- Statische Auflagerung der Dachflächen: Jede Dachfläche
D_i ∈ 𝒟 wird konstruktiv von Elementen aus T getragen
(im aktuellen Glossarstand als zugesicherte Konsistenzbedingung,
nicht als formal überprüfbares Prädikat — die formale Auflager-
Relation wird mit dem späteren Eintrag
tragwerknachgeliefert). - Geschlossenheit der Hülle nach oben: Der gerichtete Halbraum-Verband H⁺ := ⋃i { x | ⟨n ist die nach außen weisende Seite des Daches. Es existiert kein Punkt im umbauten Raum, der durch eine vertikale Halbgerade nach oben den Verband ⋃_i F(P_i) verfehlt (Wohldefiniertheit der Funktion „raumabschließend nach oben").}, x − p_{0,i}⟩ > 0
Der geometrische Anteil des Daches ist die durch 𝒟 erzeugte Punktmenge
G(Dach) := ⋃_{i=1..m} F(P_i) ⊂ ℝ³,
die äußere Hüllfläche des Daches ist die Dachhaut H = H(A).
Wohldefiniertheit¶
- Existenz: Für jedes konkrete Bauwerk mit T ≠ ∅, 𝒟 ≠ ∅ und einem wohldefinierten Dachaufbau A über F = ⋃ F(P_i) ist das Tripel (T, 𝒟, A) ein Dach. Bauliche Mindestkonfiguration: m = 1 (Pultdach mit einer Dachfläche), k = 1 (einlagiger Aufbau).
- Eindeutigkeit der Komponentenzuordnung: Aus einem gegebenen Bauwerk lassen sich T, 𝒟 und A eindeutig extrahieren, wenn die Klassifikation der einzelnen Bauteile nach ihrer Rolle (Tragwerk vs. Dachfläche-Geometrie vs. Dachaufbau-Schicht) festgelegt ist. Die Klassifikation selbst ist Modellierungsentscheidung der Domänen-Schicht.
- Eindeutigkeit der Dachhaut: H = H(A) ist durch A vollständig
bestimmt (siehe Eintrag
dachhaut); die Dachhaut tritt im Tripel nicht zusätzlich auf, sondern wird als abgeleitete Größe verfügbar gemacht (dach.dachhaut()). - Unabhängigkeit von der Reihenfolge: 𝒟 ist als Menge unsortiert; alle Aussagen über das Dach sind invariant unter Permutation der Dachflächen. Der Dachaufbau A hingegen besitzt eine geordnete Schichtfolge — die Permutation seiner Schichten ändert das Bauteil.
- Konsistenz mit
dachflaeche: Der Eintragdachflaecheschließt α = π/2 aus; damit ist G(Dach) keine vertikale Wand und Bedingung 3 sinnvoll formulierbar. Der Grenzfall α = 0 (Flachdach mit m = 1) ist zulässig und erfüllt Bedingung 3 trivial. - Nicht-Zirkularität: Die Definition verwendet nur die
Primitive Punkt, Vektor, Halbraum, das Aggregat-Konzept und die
bereits definierten Begriffe
dachflaeche,dachaufbau,dachhaut. Sie verweist auftragwerkals bislang noch nicht definierten Sammelbegriff — diese Abhängigkeit ist im Frontmatter alsvoraussetzunggeführt; die formale Auflager- Relation wird nachgereicht.
Erläuterung (nicht normativ)¶
Ein Dach ist im Sinne dieses Glossars kein einzelnes geometrisches Objekt, sondern ein Container mit drei Schichten von Begriffen:
- Tragwerk (statisch, materiell): die lastabtragende Holzkonstruktion (Sparren, Pfetten, Binder, Kehlbalken, Stuhlsäulen, Aussteifungen). Im traditionellen Sprachgebrauch der Zimmerleute als „Dachstuhl" bezeichnet.
- Dachflächen (geometrisch, dickenlos): die ebenen,
polygonal begrenzten Bezugsflächen, an denen sich Form und
Neigung des Daches ausdrücken (siehe
dachflaeche). - Dachaufbau (materiell, geschichtet): die Schichtfolge
oberhalb des Tragwerks (Dampfbremse, Wärmedämmung, Unterdach,
Konterlattung, Traglattung, Eindeckung — siehe
dachaufbau). Seine obere Hüllfläche ist die Dachhaut (geometrische Außenfläche des Daches, siehedachhaut).
Form-Klassen (Sattel, Walm, Pult, Mansarde, Krüppelwalm, Zelt) ergeben sich aus der Konfiguration der Dachflächen-Familie 𝒟 und sind ein Klassifikationsmerkmal, kein eigener Bauteil-Begriff.
Die saubere Trennung Geometrie / Material / Hüllfläche dieses Glossars (Dachfläche / Dachaufbau / Dachhaut) löst die in der Fachliteratur verbreitete Vermischung dieser drei Konzepte auf.
Beziehungen¶
- Oberbegriff: derzeit
null. Künftigbauteil_aggregat(oberste Aggregatklasse für Bauteile, die selbst aus mehreren Bauteilen bestehen). Eintrag wird angelegt, sobald weitere Aggregate (Wandaufbau, Deckenaufbau) hinzukommen. - Bestandteile (partitiv):
- Tragwerk (
tragwerk, eigener Eintrag folgt): Sparren, Pfetten, Binder, Kehlbalken, Aussteifungen, Verbindungsmittel. - Dachflächen (
dachflaeche): geometrische Bezugsebenen. - Dachaufbau (
dachaufbau): materielle Schichtfolge. - Dachhaut (
dachhaut, abgeleitet): obere Hüllfläche des Dachaufbaus. - Spezialisierungen nach Dachform: siehe
hg_dachform.mdfür den vollständigen Werte-Katalog (zwölf Formen plus Freiform: Flach-, Pult-, Sattel-, Walm-, Krüppelwalm-, Zelt-, Mansard-, Schmetterlings-, Shed-, Tonnen-, Bogen-, Trogdach + Freiform). Eigene HG-Einträge für die einzelnen Werte folgen trigger-basiert je nach erstem Tool-Bedarf. - Abgrenzung:
- Dachfläche (
dachflaeche): rein geometrischer Bestandteil eines Daches, kein Aggregat. Ein Dach hat eine oder mehrere Dachflächen; eine Dachfläche ist nicht das Dach. - Dachaufbau (
dachaufbau): die materielle Schichtfolge oberhalb des Tragwerks. Bestandteil eines Daches, nicht das Dach selbst. - Dachhaut (
dachhaut): die geometrische Hüllfläche über dem Dachaufbau. Aus dem Dachaufbau abgeleitet, nicht eigenständiges Bauteil. - Dachstuhl (umgangssprachlich): in der
zimmermannssprachlichen Tradition meist nur das Tragwerk.
Wegen der schwankenden Verwendung in Fachglossaren
ausdrücklich nicht als Synonym geführt; eigener Eintrag
dachstuhl(= Tragwerk) folgt. - Tragwerk (Dachtragwerk): Bestandteil des Daches, nicht das Dach selbst. Eigener Eintrag folgt.
- Dachform (Sattel-, Walm-, Pultdach …): ein Klassifikationsmerkmal eines Daches, kein eigenständiges Bauteil. Wird als Aufzählungs-Typ modelliert.
- Dachkonstruktion: in DIN/SIA uneinheitlich verwendet, mal synonym zu Tragwerk, mal synonym zum hier definierten Dach. Wegen Mehrdeutigkeit kein Synonym.
- Bedachung: zulässiges Synonym im Sinne „das Dach als Gesamtheit". In Fachsprache eher nordwestdeutsch; in der Schweiz selten.
- Gebäudehülle: das gesamte raumabschließende Hüllaggregat (Dach + Außenwände + Bodenplatte). Übergeordneter Aggregatbegriff, nicht Synonym.
Implementierungshinweis¶
Datentyp (Domänen-Schicht, Kotlin, Schicht domain.bauteil):
data class Dach(
val tragwerk: Tragwerk, // T, eigener Typ folgt
val dachflaechen: List<Dachflaeche>, // 𝒟, Reihenfolge bedeutungslos
val dachaufbau: Dachaufbau // A
) {
init {
// 1. dachflaechen.isNotEmpty() → sonst Entartet.LeeresDach
// 2. dachaufbau.dachflaechen entspricht
// dachflaechen (gleicher Trägerbereich) → sonst Entartet.AufbauTraegerInkonsistent
// 3. Kein flächiger Selbstüberlapp der Dachflächen
// außer entlang gemeinsamer Ränder
// (First, Grat, Kehle) → sonst Entartet.SelbstUeberlapp
}
fun dachhaut(): Dachhaut = dachaufbau.dachhaut()
}
- Einheit: alle Geometrie-Komponenten in mm; Dachneigungen intern in Radiant.
- Invarianten (in
initprüfen, bei VerletzungResultat.Fehlerbzw.EntartetGeometrie-Variante zurückgeben, niemals Exception werfen): dachflaechen.isNotEmpty()⇒ sonstEntartet.LeeresDach.- Trägerbereich des Dachaufbaus deckt sich mit
dachflaechenbis auf Toleranzen.LAENGE_EPS am Rand; Verletzung ⇒Entartet.AufbauTraegerInkonsistent. - Paarweise Dachflächen-Schnitte sind entweder leer oder
bestehen aus gemeinsamen Randstrecken (First, Grat, Kehle);
ein flächiger Selbstüberlapp ist verboten ⇒
Entartet.SelbstUeberlapp. - Auflagerung jeder D_i ∈ 𝒟 durch Elemente aus T;
Verletzung ⇒
Entartet.NichtAufgelagert(formal nachgeliefert, sobaldtragwerkdefiniert ist). - Edge Cases:
- Pultdach (m = 1): zulässig.
- Flachdach (alle α_i ≤ Toleranzen.WINKEL_EPS): zulässig, Sonderfall der Definition; Außenabschluss des Dachaufbaus typischerweise eine ABDICHTUNG.
- Mehrere getrennte Dächer auf einem Gebäude (z. B. zwei
Satteldachflügel mit Lichthof dazwischen): werden als zwei
getrennte
Dach-Instanzen modelliert, nicht als ein einziges Dach mit nicht-zusammenhängender Dachflächen-Familie. - Aufbauten (Gauben, Schornsteindurchführungen): die
Gaubenflächen sind eigenständige Dachflächen in 𝒟, die
Schornsteindurchführung ist eine lokale Aussparung in
Dachfläche und Dachaufbau (Modellierung in späterem Eintrag
dachoeffnung). - Abgeleitete Eigenschaften (als Funktionen, keine Felder):
geometrischerAnteil(): Geometrie= Vereinigung der F(P_i).gesamtflaeche(): Double(mm²) = Σ flaecheninhalt(D_i).dachform(): Dachform= Klassifikation aus Anzahl, Neigungen und Topologie der D_i (eigener Eintragdachformfolgt).dachhaut(): Dachhaut= abgeleitete Hüllfläche ausdachaufbau.enthaelt(p: Punkt, eps): Boolean= ∃ D_i ∈ 𝒟 mitD_i.enthaelt(p, eps).
Quellen¶
Primär (normativ):
- SIA 232/1:2020, „Geneigte Dächer", Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein, Abschnitt 1.
- DIN 18531-1:2017-07, „Abdichtung von Dächern sowie von Balkonen, Loggien und Laubengängen – Teil 1: Nicht genutzte und genutzte Dächer – Anforderungen, Planungs- und Ausführungsgrundsätze", Abschnitt 3.
- DIN EN 1995-1-1:2010-12, „Eurocode 5: Bemessung und Konstruktion von Holzbauten – Teil 1-1: Allgemeines", Abschnitt 1.5.
- Musterbauordnung (MBO) 2002, § 32.
Sekundär:
- Mönck, W.; Rug, W.: Holzbau – Bemessung und Konstruktion.
- Auflage, Beuth Verlag 2015.
- Gerner, M.: Fachwerk – Instandsetzung, Sanierung, Neubau. DVA, 7. Auflage 2007.
- Lignum (Hrsg.): Holzbautabellen HBT. Lignum, Zürich, aktuelle Auflage.
- NIhK: Glossary of Prehistoric and Historic Timber Buildings.
Korpus (nicht autoritativ):
- Wikipedia, Lemma „Dach" (abgerufen 2026-05-08).