Schwelle
Prosa-Definition¶
Eine Schwelle ist eine Bauteilrolle in einer Wand, deren Bauteilachse horizontal entlang der Wandflucht am untersten Wand-Niveau verläuft, die unmittelbar auf dem mineralischen Auflager (Fundament, Sockel, Bodenplatte) der Wand aufliegt und die die vertikalen Lasten der auf ihr stehenden Pfosten oder Ständer in das Auflager einleitet sowie als erste Holzschicht über dem mineralischen Untergrund die konstruktive Trennung zwischen feuchteführendem Auflager und trockenem Wandholz herstellt.
Mathematische Definition¶
Sei
- B ein Bauteil im Sinne von
bauteilmit Bauteilachse a(B) = (p_a, p_e) ∈ ℝ³ × ℝ³ und Richtungs-Einheitsvektor d_hat_B := (p_e − p_a) / ‖p_e − p_a‖, - e_hat_z := (0, 0, 1) die Welt-z-Achse nach
weltkoordinatensystem, - E_⊥ eine horizontale Bezugsebene im Sinne von
bezugsebenemit Normalen-Einheitsvektor e_hat_z (die Oberkante des Auflagers, im Folgenden „Auflagerebene" genannt) und Höhe z_E := z-Koordinate jedes Punktes in E_⊥, - z_B := (p_a.z + p_e.z) / 2 die mittlere Höhe der Bauteilachse,
- h_B die Querschnittshöhe von B nach
querschnitt, - ε_K := Toleranzen.KOLLINEAR_EPS, ε_L := Toleranzen.LAENGE_EPS,
- δ_z := h_B / 2 + ε_L die konstruktive Höhentoleranz für die Auflagernähe.
Dann heißt B eine Schwelle bezüglich E_⊥ genau dann, wenn die folgenden Bedingungen alle erfüllt sind:
-
Horizontalität der Bauteilachse:
Sinus-Test gegen e_z-Parallelität (Skalarprodukt-Form, drei von vier Welle-8-Einträgen einheitlich): die Bauteilachse liegt rechtwinklig zur Welt-z-Achse, also horizontal. Nach|d_hat_B · e_hat_z| ≤ ε_K.HG_KONVENTIONEN.mdSektion 4 istKOLLINEAR_EPSdie einschlägige Toleranz für Lot- und Lage-Prädikate. -
Auflagernähe: Die Bauteilachse liegt innerhalb δ_z oberhalb der Auflagerebene,
In Worten: die Unterkante des Schwellen-Querschnitts liegt höchstens ε_L oberhalb (oder genau in) der Auflagerebene; die Schwelle sitzt unmittelbar auf E_⊥.0 ≤ z_B − z_E ≤ δ_z + h_B / 2. -
Unterste Wand-Längslage: Es existiert in derselben Wand-Längsachse a_W (Geradenfortsetzung von a(B) in der Wand-Ebene) kein weiteres horizontales Bauteil B′ ≠ B mit d_hat_{B′} kollinear zu d_hat_B und z_{B′} < z_B − ε_L. In Worten: die Schwelle ist das unterste horizontale Längsbauteil entlang der Wandlinie.
-
Pfosten-Auflagerbedingung: Mindestens ein Bauteil P im Tragwerks-Kontext (
pfostenoderständer) mit lotrechter Bauteilachse a(P), d_hat_P kollinear zu e_hat_z bis auf ε_K, hat seinen unteren Endpunkt p_a(P) innerhalb ε_L oberhalb der Schwellen-Bauteilachse, projektive Lage zwischen p_a und p_e. Schwellen ohne aufgesetzte Pfosten sind im Tragwerks- Sinne nicht definiert; die Bedingung wird im Tragwerks-Kontext geprüft, nicht im Einzel-Bauteil-Kontext.
Wesentliche abgeleitete Größen:
- Schwellen-Oberkante (lokale Bezugskote): z_OK(B) := z_B + h_B / 2; übliche Werkplan-Bezugskote für Wandhöhen und Pfosten-Längen.
- Vertikalabstand zur Auflagerebene: Δz := z_B − h_B / 2 − z_E ≥ 0 (Unterkante über Auflager; meist Dicke der Trennlage / Sperrlage, typisch 1–3 mm).
- Abstand zur OK Gelände (Holzschutz-Größe nach DIN 68800-2): z_B − h_B / 2 − z_OKG, vorzeichenbehaftet, zu prüfen gegen 30 cm / 15 cm / 5 cm je nach Zusatzmaßnahmen; siehe Erläuterung.
Wohldefiniertheit¶
- Existenz: In jeder Holzwand mit definierter Wand-Längsachse und mineralischem Auflager existiert eine Schwelle als unterster Längsträger; die Bedingungen 1–3 sind konstruktiv erfüllbar. Bedingung 4 wird im Tragwerks-Kontext geprüft.
- Eindeutigkeit: Bedingung 3 stellt sicher, dass nur das unterste horizontale Längsbauteil entlang der Wandachse als Schwelle qualifiziert. Bei Doppel-Schwellen (zwei übereinanderliegende Bretter als Schwellen-Paket im Holztafelbau) qualifiziert das untere als Schwelle im Sinne dieses Eintrags; das obere ist ein konstruktives Doppel und wird als separates Bauteil mit Rolle Schwelle oder als Bestandteil der Schwellen- Konstruktion modelliert (Implementierungs-Entscheidung).
- Konsistenz mit
hg_bauteil.md: Alle Bedingungen ausbauteil(eindeutige Identität, Geometrie, Werkstoff, Lage in W) sind erfüllt; die Bauteilrolle „Schwelle" ergänzt die Lage-Constraints 1–4. - Geschoss-Unabhängigkeit: Die Definition macht keine Aussage
über das Geschoss. Eine Schwelle im Erdgeschoss auf Fundament/
Sockel und eine Schwelle im Obergeschoss auf der darunterliegenden
Decke (im Fachwerk-Vokabular: Grundschwelle vs. Stockschwelle)
unterscheiden sich nur durch die Wahl der Auflagerebene E_⊥.
Die Default-Lesart dieses Eintrags ist die Grundschwelle (E_⊥ =
Oberkante Sockel/Bodenplatte); für die obergeschossige Lesart
folgt ein eigener Eintrag
hg_stockschwelle.mdbei Mehrgeschoss-Bedarf. - Schwellen-Lesart ohne Bezugsebene: Eine isolierte Schwelle ohne zugeordnete Auflagerebene ist im Sinne dieser Definition nicht qualifiziert; die Auflagernähe (Bedingung 2) setzt E_⊥ voraus. Im Modell wird E_⊥ aus dem Bauwerks-Kontext (Sockel-Oberkante, Decken-Oberkante) abgeleitet.
- Nicht-Zirkularität: Die Definition stützt sich nur auf
bereits definierte Begriffe (
bauteil,bauteilachse,querschnitt,bezugsebene,weltkoordinatensystem,einheitsvektor,punkt,toleranzen). Der Begriffpfostenaus Bedingung 4 ist Forward-Verweis und wird im Tragwerks-Kontext geprüft, nicht zur Definition der Schwelle selbst benötigt.
Erläuterung (nicht normativ)¶
Die Schwelle ist im Holzbau die erste Holzschicht über dem mineralischen Untergrund und zugleich die konstruktive Anschlussfuge zwischen Bauwerks-Sockel und Wand. Sie erfüllt drei Funktionen gleichzeitig:
- statisch: nimmt die Vertikallasten der Pfosten / Ständer auf und leitet sie kontinuierlich entlang der Wandlinie in das Fundament ein; verteilt Punktlasten zu einer Streckenlast und reduziert dadurch die Auflagerpressung auf das mineralische Auflager;
- konstruktiv: bildet die gerade, horizontale Anschluss- Linie, an der die Pfosten / Ständer aufstehen und gegen die die Riegel und Streben angeschlossen werden;
- bauphysikalisch / holzschutz-konstruktiv: stellt zusammen mit der Sperrlage die kapillare Trennung zwischen Sockel und Wandholz her und definiert die Höhenkote, oberhalb derer das Wandholz dauerhaft trocken bleiben soll.
Wand-oben-Pendant: Rähm¶
Geometrisch und konstruktiv ist die Schwelle symmetrisch zum
Rähm (raehm): das Rähm schließt die Wand
oben ab, die Schwelle unten. Beide Bauteile haben üblicherweise
denselben Querschnitt und denselben Werkstoff; sie unterscheiden
sich nur durch Lage (oben/unten) und Funktion (Lasteinleitung in
Decke/Dach vs. Lasteinleitung in Sockel/Fundament). Ein Bauteil
kann nicht gleichzeitig Schwelle und Rähm sein, sondern ist
durch seine Wand-Vertikallage genau einer der beiden Rollen
zugeordnet.
Holzschutz nach DIN 68800-2:2022-02¶
Die Schwelle ist das holzschutz-konstruktiv kritischste Wandbauteil, weil sie der Spritzwasserzone am nächsten liegt. Aus DIN 68800-2:2022-02 (Sektion §5.2.1.3, nach Sekundär-Referaten — Norm-Volltext nicht direkt eingesehen) folgen drei Regelmaße für den Mindestabstand der Schwellen- Unterkante zur Oberkante Gelände:
| Maß | Anforderung |
|---|---|
| ≥ 30 cm | Regelmaß ohne weitere Maßnahmen. |
| ≥ 15 cm | Abminderung zulässig bei umlaufendem Kiesbett (Korn 16/32 mm, Bett-Breite ≥ 15 cm, Bett-Außenkante ≥ 30 cm zur Schwellen-Außenkante) oder wasserableitende Oberfläche mit ≥ 2 % Gefälle. |
| ≥ 5 cm | Abminderung zulässig nur bei zusätzlicher Abdichtung nach DIN 18533. |
Die Gebrauchsklasse (GK 2, GK 3.1, GK 3.2 nach EN 335 / DIN 68800-1) der konkreten Schwellen-Einbausituation hängt von der konstruktiven Einbettung (Bewitterung, Trocknungsbedingungen, Vordach) ab und ist eine Instanz-Eigenschaft des konkreten Schwellen-Einbaus, keine Typ-Eigenschaft der Bauteilrolle. Im Modell wird die GK als Annotation am konkreten Schwellen- Bauteil geführt, nicht als Eigenschaft der Schwellen-Klasse.
Sperrlage / Trennlage zwischen Schwelle und mineralischem Auflager¶
Zwischen Schwelle und mineralischem Auflager (Mauerwerk, Stahlbeton-Sockel, Bodenplatte) ist eine horizontale Trenn- bzw. Sperrlage erforderlich (Bitumenbahn oder dampfdiffusionsoffene Spezial-Folie). Funktionen: kapillare Trennung gegen aufsteigende Feuchte; Spritzwasserschutz an der seitlichen Schwellen-Flanke. Verankerungen (Schwellenanker, Schwerlastdübel, Klebeanker) durchdringen die Sperrlage; die Durchdringungen sind konstruktiv abzudichten.
Schweizer Praxis¶
In der Schweiz wird im Holzrahmen- und Holztafelbau „Grundschwelle" für die Wand-Unterkante auf Bodenplatte/Sockel üblicher verwendet als das alleinstehende „Schwelle"; im traditionellen Strick-/Blockbau ist historisch „Sohlbank" oder „Schwellbalken" belegt — „Sohlbank" kollidiert aber mit dem Fenster-Bauteil (siehe Quellenkonflikt (4)) und wird in diesem Glossar nicht als Synonym geführt. „Mauerschwelle" ist in der CH-Praxis praktisch nicht etabliert und nur als abgelehnte Benennung geführt. Die maßgebliche Schweizer Holzschutz- Publikation ist Lignatec 35/2023 „Holzschutz im Bauwesen" (Empa/Lignum); die 30-cm-Spritzwasserzone wird dort deckungsgleich mit DIN 68800-2 angegeben, mit SIA-265-Verweis statt DIN.
Andere Bedeutungen (Homonyme in anderen Domänen)¶
„Schwelle" ist außerhalb des Holzbau-Wand-Kontexts in weiteren Bauteil- und Sach-Domänen einschlägig. Diese Bedeutungen sind keine Varianten der hier definierten Wand-Schwelle und gehören in eigene Begriffsfelder:
- Türschwelle / Bodenschwelle (Forward-Verweis
tuerschwelleinabgrenzung_zu:): das untere Querholz oder Profil eines Türrahmens. Funktionen: Abdichtung gegen Wasser und Zugluft, Schallschutz, Bodenbelags-Übergang, Barrierefreiheit. Tür- Bauteil, nicht Wand-Bauteil; die etymologische Verbindung zur Fachwerk-Schwelle („Schwelle, über die man hinwegsteigt") ist heute nicht mehr begriffstragend. - Bahnschwelle (Forward-Verweis
bahnschwelleinabgrenzung_zu:, Klasse D — keine eigene HG-Anlage geplant): Querbalken aus Holz, Stahlbeton oder Stahl im Eisenbahn- Oberbau, der die Schienen quer zur Fahrtrichtung trägt und Lasten in den Schotterkörper verteilt. Außerhalb der Holzbau-Domäne. - Englisch:
sill plate/mudsillvs.sole plate/bottom plate. Die US-Praxis trennt schärfer als das Deutsche: sill plate/mudsill: unterste Schwelle direkt auf dem Fundament (entspricht der hier definierten Schwellen-Lesart, Grundschwelle).sole plate/bottom plate: unterste Schwelle einer Wandtafel auf einer Decke (im Mehrgeschoss-Holztafelbau auf der Geschossdecke; entspricht der Stockschwelle). Im DACH-Vokabular fallen beide unter „Schwelle"; die Unterscheidung wird über die Auflagerebene E_⊥ (Fundament vs. Decke) modelliert, nicht über die Bezeichnung. Daher sind alle vier englischen Begriffe in diesem Eintrag als Synonyme der Schwellen-Rolle geführt; in der App-Anzeige ist „Schwelle" bevorzugt.
Schwellwert und weitere Bedeutungen¶
„Schwelle" im mathematisch-physikalischen Sinne (Schwellwert,
englisch threshold) und in der Wahrnehmungspsychologie
(Reizschwelle) sind außerhalb der Holzbau-Domäne; sie werden
nicht weiter behandelt.
Beziehungen¶
- Oberbegriff:
bauteil. Die Schwelle ist eine Bauteilrolle mit Lagebedingungen entlang einer Wand am untersten Niveau. - Bestandteile (partitiv): geerbt von
bauteil(Bauteilachse, Querschnitt, Werkstoff, Faserrichtung); Faserrichtung axial entlang der Bauteilachse (Vollholz, BSH, ggf. LVL). - Verwendung / Beziehung zu anderen Bauteilen:
- Pfosten / Ständer (
pfosten, Forward-Verweis): stehen auf der Schwelle und übertragen ihre Vertikallasten in die Schwelle. Die Schwelle ist deren unteres Auflager. - Rähm (
raehm): geometrisches und konstruktives Pendant der Schwelle am Wand-Oberen-Niveau. Schwelle und Rähm schließen zusammen die Wand vertikal ab. - Riegel (zwischen zwei Pfosten in der Wandfläche, nicht durchlaufend): durch die Schwelle und ggf. Riegelreihen gehalten.
- Fundament / Sockel / Bodenplatte (
fundament, Forward-Verweis): mineralisches Auflager der Schwelle; durch die Sperrlage von der Schwelle getrennt und durch Schwellenanker mit ihr kraftschlüssig verbunden. - Decke (im Mehrgeschoss): bildet das Auflager für die Stockschwelle des darüberliegenden Geschosses.
- Abgrenzung:
- Rähm (
raehm): Welle-8-Geschwister; Wand-oben-Pendant. Geometrisch ähnlich (horizontaler Längsträger derselben Wandfluchten), aber an der Wand- Oberkante statt -Unterkante; trägt das Geschoss/Dach über sich, nicht das Wandgerippe selbst. Funktionen-Wechsel Schwelle ↔ Rähm ist nicht möglich am selben Bauteil; die Wand-Vertikallage entscheidet eindeutig. - Fußpfette (
fusspfette): Dach-Bauteil unten im Dachtragwerk, parallel zur Traufe, trägt die Sparrenfüße. Trotz formaler Ähnlichkeit (horizontaler Stab auf einer Auflagerung) gehört die Fußpfette zum Dachtragwerk, nicht zur Wand. Im Tafelbau kann das oberste Rähm zugleich als Fußpfette wirken, aber die Schwelle hat kein Pendant am Dach: die Dach-Unterkante ist Fußpfette und Sparrenfuß, nicht „Schwelle". - Pfette (
pfette): Pfetten gehören grundsätzlich zum Dachtragwerk und liegen parallel zu Dachkanten; Schwellen gehören zum Wandtragwerk und liegen parallel zu Wand- Achsen. Die regional und historisch belegte „Schwellpfette" (siehehg_fusspfette.md) ist eine Fußpfette mit Schwellen-artiger Auflagerung, nicht eine Schwelle mit Pfetten-Funktion; die Bezeichnung steht trotz des Bestandteils „Schwelle" für eine Pfette. - Pfosten (
pfosten, Forward-Verweis): lotrechtes Wand- Bauteil; steht auf der Schwelle. Pfosten und Schwelle sind komplementär (vertikal vs. horizontal an derselben Wand-Unterkante), nicht alternativ. - Fundament (
fundament, Forward-Verweis): mineralisches Bauteil unterhalb der Schwelle; die Schwelle ist das Holz-Bauteil unmittelbar über dem Fundament. Schwelle und Fundament sind durch die Sperrlage räumlich getrennt; die kraftschlüssige Verbindung erfolgt über Schwellenanker. - Bauteil (
bauteil): Schwelle ist Bauteilrolle, also ein konstruktiv spezialisierter Bauteil-Subtyp; die allgemeinen Bauteil-Eigenschaften (Identität, Geometrie, Werkstoff, Lage in W) bleiben erhalten. - Stockschwelle (
stockschwelle, Forward-Verweis): im Fachwerk-Vokabular die unterste Schwelle eines Obergeschosses, auf der Decke des Untergeschosses; bei Mehrgeschoss-Bedarf eigener HG-Eintrag, geometrisch Spezialisierung dieses Eintrags mit anderer Auflagerebene E_⊥. - Türschwelle (
tuerschwelle, Forward-Verweis): homonymes Tür-Bauteil, nicht Variante der Wand-Schwelle. - Bahnschwelle (
bahnschwelle, Forward-Verweis, Klasse D — keine eigene HG-Anlage geplant): homonymes Eisenbahn-Bauteil, außerhalb der Holzbau-Domäne. - Sohlbank am Fenster (
sohlbank_fenster, Forward-Verweis, Klasse D — keine eigene HG-Anlage geplant): unteres Querholz/-profil am Fensterstock; im Schweizer Strick-/Blockbau historisch zugleich Synonym zur Grundschwelle, in der modernen Bauweise ausschließlich Fenster-Bauteil.
Implementierungshinweis¶
Datentyp (Domänen-Schicht, Kotlin, Schicht domain.bauteil):
package domain.bauteil
import domain.Toleranzen
import domain.bauteil.Bauteil
import domain.geometrie.Bezugsebene
/** Auflagerart der Schwelle; relevant für die Holzschutz-Bewertung. */
enum class SchwelleAuflager {
BODENPLATTE_STAHLBETON, // Stahlbeton-Bodenplatte direkt
SOCKEL_MAUERWERK, // gemauerter Sockel auf Fundament
SOCKEL_STAHLBETON, // Stahlbeton-Sockel
GESCHOSSDECKE_HOLZ, // im Mehrgeschoss-Holztafelbau (Stockschwellen-Konfiguration)
GESCHOSSDECKE_STAHLBETON, // Mehrgeschoss mit Stahlbeton-Decke
UNBEKANNT
}
/** Gebrauchsklasse nach EN 335 / DIN 68800-1, Instanz-Eigenschaft. */
enum class Gebrauchsklasse {
GK_0, GK_1, GK_2, GK_3_1, GK_3_2, GK_4, GK_5,
UNBEKANNT
}
/**
* Schwelle: unterster horizontaler Längsträger einer Wand,
* unmittelbar auf einer Auflagerebene (Fundament, Sockel,
* Bodenplatte, oder Geschossdecke).
*
* Glossar: hg_schwelle.md
*
* Synonyme: Grundschwelle (enges Synonym, CH und Fachwerk),
* Schwellholz, Schwellbalken, Grundbalken; englisch sill plate /
* sole plate / mudsill / bottom plate (US-Praxis-Disambiguation
* im Erläuterungsblock).
*/
data class Schwelle(
override val bauteil: Bauteil,
val auflagerebene: Bezugsebene,
val auflager: SchwelleAuflager = SchwelleAuflager.UNBEKANNT,
val gebrauchsklasse: Gebrauchsklasse = Gebrauchsklasse.UNBEKANNT,
val abstandZuOKGelaende: Double? = null // mm, vorzeichenbehaftet, optional
) : Bauteil.Schwelle() {
init {
// 1. Horizontalität (Bedingung 1 aus hg_schwelle.md):
// |d_hat_B · e_hat_z| ≤ Toleranzen.KOLLINEAR_EPS — sonst
// Resultat.Fehler(SchwelleEntartet.NichtHorizontal).
// Sinus-Test; siehe HG_KONVENTIONEN.md Sektion 4.
// 2. Auflagernähe (Bedingung 2): Unterkante des
// Schwellen-Querschnitts ≤ Toleranzen.LAENGE_EPS
// oberhalb der Auflagerebene — sonst
// SchwelleEntartet.NichtAufAuflager.
// 3. Unterste Wand-Längslage (Bedingung 3) und
// 4. Pfosten-Auflager (Bedingung 4) werden im
// Tragwerks-Kontext geprüft.
}
/**
* Schwellen-Oberkante als lokale Bezugskote für Wandhöhen
* und Pfosten-Längen.
*/
fun oberkante(): Double =
bauteil.bauteilachse.mittlereHoehe() + bauteil.querschnitt.hoehe / 2.0
/**
* Prüfung der DIN-68800-2-Mindestabstände zur OK Gelände.
* Liefert true, wenn der Abstand für die gegebene
* Zusatzmaßnahme zulässig ist.
*/
fun erfuelltMindestabstand(
zusatz: HolzschutzZusatzmassnahme
): Boolean? {
val abstand = abstandZuOKGelaende ?: return null
return when (zusatz) {
HolzschutzZusatzmassnahme.KEINE -> abstand >= 300.0
HolzschutzZusatzmassnahme.KIESBETT -> abstand >= 150.0
HolzschutzZusatzmassnahme.ABDICHTUNG_18533 -> abstand >= 50.0
}
}
/**
* Anzeigename: bevorzugt „Schwelle"; bei Auflagerung auf
* Geschossdecke darf zusätzlich „(Stockschwelle)" annotiert
* werden, sobald hg_stockschwelle.md existiert.
*/
fun anzeigeName(): String = "Schwelle"
}
enum class HolzschutzZusatzmassnahme {
KEINE,
KIESBETT, // 16/32 mm, ≥ 15 cm Breite, ≥ 30 cm Abstand
ABDICHTUNG_18533 // Bauwerksabdichtung nach DIN 18533
}
sealed class SchwelleEntartet {
object NichtHorizontal : SchwelleEntartet()
object NichtAufAuflager : SchwelleEntartet()
object NichtUnterstesLaengsbauteil : SchwelleEntartet()
object KeinPfostenAufgesetzt: SchwelleEntartet()
}
- Einheit: Längen in mm; Winkel intern in Radiant.
- Identität:
BauteilIdaus dem zugrunde liegenden Bauteil. - Invarianten (zusätzlich zu denen von
Bauteil): - Horizontalität der Bauteilachse — sonst
NichtHorizontal. - Auflagernähe zu einer horizontalen Auflagerebene — sonst
NichtAufAuflager. - Unterstes Längsbauteil entlang der Wandlinie — sonst
NichtUnterstesLaengsbauteil(Tragwerks-Cross-Cutting). - Mindestens ein aufgesetzter Pfosten / Ständer — sonst
KeinPfostenAufgesetzt(Tragwerks-Cross-Cutting). - Edge Cases:
- Doppel-Schwelle (zwei übereinanderliegende Bretter im Holztafelbau): das untere Bauteil qualifiziert; das obere wird als separates Bauteil mit eigener Rolle oder als Schwellen-Paket-Komponente modelliert.
- Eckverbindung zweier Schwellen verschiedener Wände: je Wandlinie eine Schwelle; die Eckverbindung (Blattung, Zapfen, Stoss) ist eigene Bearbeitung an beiden Schwellen.
- Schwelle in Wandöffnung (Türstock): die Schwelle ist in der Wandöffnung unterbrochen; die Türschwelle des Türrahmens ist eigenes Bauteil und nicht Bestandteil der Wand-Schwelle.
- Eingelassene Schwelle: bei sehr geringer Aufbauhöhe sitzt die Schwelle in einer Aussparung des Sockels; Bedingung 2 mit δ_z um die Einlasstiefe erweitern.
- Stockschwelle (Mehrgeschoss): Auflagerebene E_⊥ ist die Geschossdecke statt Sockel/Bodenplatte; geometrisch qualifiziert nach denselben Bedingungen 1–4.
- Abgeleitete Eigenschaften:
getrageneStaenderIn(t: Tragwerk): List<Pfosten>— Pfosten int, deren unterer Endpunkt auf der Schwellen-Bauteilachse innerhalb Toleranzen liegt.holzschutzNachweis(): NachweisErgebnis— AuswertungabstandZuOKGelaendegegen DIN-68800-2-Maße in Kombination mitHolzschutzZusatzmassnahme.gebrauchsklasseAusEinbau(): Gebrauchsklasse— Ableitung der GK aus konstruktiver Einbettung (Bewitterung, Vordach, Trocknung).
Quellen¶
Primär (normativ):
- DIN 68800-2:2022-02, „Holzschutz – Teil 2: Vorbeugende bauliche Maßnahmen im Hochbau".
- DIN EN 1995-1-1:2010-12, „Eurocode 5".
- DIN 1052:2008-12.
- DIN 18533-1:2017-07, „Abdichtung von erdberührten Bauteilen".
- EN 335:2013 / DIN 68800-1:2011-10, „Gebrauchsklassen".
Sekundär:
- Lignum (Hrsg.): Lignatec 35/2023 – Holzschutz im Bauwesen. Empa/Lignum, Zürich 2023.
- Mönck, W.; Rug, W.: Holzbau – Bemessung und Konstruktion.
- Auflage, Beuth, Berlin 2015.
- Gerner, M.: Fachwerk – Instandsetzung, Sanierung, Neubau. DVA, 7. Auflage 2007.
- Natterer, J.; Herzog, T.; Volz, M.: Holzbau-Atlas. 4. Auflage, Birkhäuser, Basel 2003.
- Informationsdienst Holz: Reihe 5 Teil 2 Folge 2 – Holzschutz – Bauliche Maßnahmen.
- Holzfaser-Verband: Merkblatt Anschlüsse und Fugen – Details für Holzmassivbau.
Korpus (nicht autoritativ):
- Wikipedia, Lemmata „Fachwerkschwelle", „Rähm", „Sill plate", „Gebrauchsklasse (Holzschutz)" (abgerufen 2026-05-14).
- Baukobox, „Schwelle, Schwellenholz" (abgerufen 2026-05-14).
- BILP, FH Finnholz Lexikon, Bohnholzbau Lexikon (abgerufen 2026-05-14).
- Recherche-Bericht:
docs/recherche/2026-05-14_hg_schwelle.md.