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Andreaskreuz

Prosa-Definition

Ein Andreaskreuz ist eine Bauteilgruppe aus genau zwei sich kreuzenden Streben in einer gemeinsamen Wandebene, die in einem gemeinsamen Gefach zwischen denselben begrenzenden Holzbauteilen (zwei Ständern und gegebenenfalls Schwelle, Riegel oder Rähm) eingebaut sind und gemeinsam alle in der Wandebene wirkenden horizontalen Lasten als wechselseitiges Druck-Zug-Strebenpaar aufnehmen.

Mathematische Definition

Sei

  • W das Weltkoordinatensystem (siehe weltkoordinatensystem),
  • 𝓑 die Menge aller Bauteile im Sinne von bauteil,
  • 𝓢_Str ⊂ 𝓑 die Teilmenge mit Bauteilrolle strebe,
  • 𝒫 die Menge der Ebenen im Sinne von ebene,
  • 𝒰 der UUID-Raum nach uuid,
  • 𝒢_huelle die Menge der zulässigen Hüllgeometrie-Repräsentationen einer Bauteilgruppe,
  • e_z := (0, 0, 1)ᵀ die vertikale Welt-Achse,
  • ε_K := Toleranzen.KOLLINEAR_EPS, ε_L := Toleranzen.LAENGE_EPS, ε_W := Toleranzen.WINKEL_EPS.

Dann ist ein Andreaskreuz ein Tupel

A := (uuid, streben, wandebene, kreuzungspunkt,
      lage, huelle, funktion?, bezeichnung?)

mit

  • uuid ∈ 𝒰: technischer Surrogatschlüssel des Andreaskreuzes (Pflicht, persistent, RFC 9562 v7).
  • streben ⊂ 𝓢_Str, |streben| = 2: die genau zwei Streben des Kreuzes.
  • wandebene ∈ 𝒫: die gemeinsame Wandebene mit Normalenvektor n_hat_W ∈ S² horizontal (|⟨n_hat_W, e_z⟩| ≤ ε_K).
  • kreuzungspunkt ∈ ℝ³: der Schnittpunkt der beiden Streben-Bauteilachsen in der Wandebene; abgeleitete Grösse (siehe Bedingung 4).
  • lage ∈ SE(3): die Starrkörpertransformation des lokalen Andreaskreuz-Koordinatensystems nach W.
  • huelle ∈ 𝒢_huelle: die geometrische Hülle.
  • funktion?: optionale Klassifikation (AUSSTEIFEND, DEKORATIV); siehe Quellenkonflikt-Block (2).
  • bezeichnung?: optionaler Name (z. B. „Andreaskreuz Brüstungsfeld Süd").

und den Konsistenzbedingungen

  1. Bauteilgruppen-Konformität: das Tupel (uuid, bestandteile = streben, lage, huelle, funktion?, bezeichnung?) erfüllt alle Konsistenzbedingungen 1–4 von bauteilgruppe. Insbesondere |bestandteile| = |streben| = 2 ≥ 2.

  2. Beide Streben in der Wandebene: Für beide s ∈ streben liegen beide Endpunkte der Bauteilachse a(s) in der Wandebene (Punkt-Ebene-Abstand der Endpunkte ≤ ε_L).

  3. Beide Streben echt diagonal in der Wandebene: Für jede Strebe s ∈ streben ist der Winkel α(s) der Bauteilachse gegen die Lotachse e_z im Bereich ε_W < α(s) < π/2 − ε_W (weder lotrecht noch horizontal). Diese Bedingung erbt die Strebe-Definition (hg_strebe.md Bedingung 3).

  4. Streben kreuzen sich strikt im Inneren beider Bauteilachsen: Bezeichne mit s₁, s₂ ∈ streben die zwei Streben mit a(s_i) = (p_a^{i}, p_e^{i}), und mit L_i := {p_a^{i} + t · (p_e^{i} − p_a^{i}) : t ∈ [0, 1]} die abgeschlossene Strecke (innere Punktmenge der Bauteilachse). Es existiert ein Punkt k = kreuzungspunkt ∈ ℝ³ mit

    k ∈ relative_interior(L_1) ∩ relative_interior(L_2),
    
    d. h. die zwei Strecken schneiden sich strikt im Inneren (nicht an einem ihrer Endpunkte). Der Kreuzungspunkt ist eindeutig, weil die zwei Strecken in derselben Ebene liegen (Bedingung 2) und nicht parallel sind (Bedingung 5).

  5. Streben nicht parallel (X-Form, nicht II-Form): Die Richtungsvektoren d_hat_1, d_hat_2 der beiden Bauteilachsen erfüllen

    |⟨d_hat_1, d_hat_2⟩| ≤ 1 − ε_K,
    
    d. h. die zwei Streben sind echt nicht-parallel; der Kreuzungswinkel
    γ := arccos(|⟨d_hat_1, d_hat_2⟩|) ∈ (ε_W, π/2]
    
    ist positiv. Default-Wert im Korpus γ ≈ π/2 (rechtwinkliges X), praktische Range 60°–90°.

  6. Beide Streben überspannen dasselbe Gefach: Es existiert ein Gefach G_g (zwischen denselben begrenzenden Holzbauteilen — typisch zwei Ständer plus Schwelle/Rähm oder zwei Ständer plus zwei Riegel —), in dessen Berandung beide Strecken L_1, L_2 ihre Endpunkte haben:

    ∀ i ∈ {1, 2} : {p_a^{i}, p_e^{i}} ⊂ ∂G_g
    
    (bis auf Toleranz ε_L). Die Endpunkte liegen typisch diagonal gegenüber: p_a^{1} und p_e^{2} an einer Gefach-Ecke, p_e^{1} und p_a^{2} an der diagonal gegenüberliegenden. Forward-Verweis: der Gefach-Begriff ist Folgearbeit; bis dahin operationalisiert über die begrenzenden Bauteile (Ständer + Längsholz).

Die geometrische Punktmenge des Andreaskreuzes in W ist

G_W(A) := lage(G_lokal(huelle)) ⊂ ℝ³.

Wohldefiniertheit

  • Existenz: Für jedes Gefach mit zwei sich darin kreuzenden, in der gemeinsamen Wandebene liegenden Diagonal-Streben sind alle Bedingungen 1–6 erfüllbar.
  • Eindeutigkeit der Identität: Bedingung 1 erbt die Aggregat-Wurzel-Auflösung von bauteilgruppe.
  • Eindeutigkeit des Kreuzungspunkts: aus Bedingung 4 (Schnitt im inneren der beiden Strecken) und Bedingung 5 (Streben nicht parallel) folgt: in einer gemeinsamen Ebene mit nicht-parallelen Richtungen existiert genau ein Schnittpunkt; durch Inneres-Bedingung ist er eindeutig im inneren beider Strecken.
  • Trivial wohldefinierte Strebe-Menge: streben ist als Menge unsortiert (zwei Streben unbenannt); alle Aussagen sind invariant unter Tausch der beiden Streben.
  • Unabhängigkeit von der Wahl des lokalen Koordinatensystems: trivial; siehe bauteilgruppe.
  • Konsistenz mit bauteilgruppe: alle vier Bauteilgruppen-Bedingungen gelten; die Andreaskreuz- Bedingungen 2–6 treten additiv hinzu.
  • Konsistenz mit strebe: jede Strebe s ∈ streben trägt die in hg_strebe.md definierten Constraints (Bauteilachse, Diagonal-Lage in Wandebene, Anker- Bedingungen). Das Andreaskreuz fügt die wechselseitige Kreuzungs-Bedingung hinzu.
  • Nicht-Zirkularität: die Definition verwendet bauteilgruppe, bauteil, strebe, ebene, strecke, polyeder, uuid, lokales_koordinatensystem, weltkoordinatensystem, toleranzen — alle bereits definiert. gefach ist Forward-Verweis (Folgearbeit- Trigger); die Definition operationalisiert die Gefach- Bedingung über die Endpunkte der Streben und die begrenzenden Bauteile, ohne den gefach-Eintrag vorauszusetzen.
  • Eliminierbarkeit: Jede Verwendung von „Andreaskreuz" in der App lässt sich durch das obige Tupel mit den sechs Konsistenzbedingungen ersetzen.

Erläuterung (nicht normativ)

Das Andreaskreuz ist die ontologische Antwort auf die X-förmige Diagonalverstrebung im Fachwerk- und Riegelbau: zwei in einem Gefach diagonal gegenüberliegende Ecken durch zwei sich kreuzende Streben verbindende Bauteilgruppe.

Geometrische Erscheinung

Die zwei Streben sind in der Regel echt durchlaufende Bauteile (vom unteren zum oberen Gefach-Eck) und kreuzen sich frei im Inneren des Gefachs — sie sind nicht „zwei halbe Streben mit Schwert in der Mitte". Diese Geometrie- Setzung ist im Korpus belegt (Wikipedia/Andreaskreuz (Fachwerk)). Der Kreuzungspunkt der zwei Bauteilachsen ist typisch im geometrischen Zentrum des Gefachs (bei symmetrischer X-Form), aber nicht zwingend (asymmetrische Andreaskreuze, etwa bei Brüstungsfeldern mit ungleichmässiger Ausfachung, sind belegt).

Die Verbindung der zwei Streben am Kreuzungspunkt erfolgt typisch durch:

  • Blattung (Halb-Holz-Überschnitt): jede Strebe wird auf halbe Stärke abgeflacht, die zwei Flächen ineinander gelegt; oft mit Holznagel gesichert.
  • Holznagel-Verbindung: bei vollem Querschnitt der Streben werden sie am Kreuzungspunkt mit einem Holznagel (oder Bolzen) verbunden.
  • Einfacher Überschnitt (ohne Blattung): die zwei Streben kreuzen sich räumlich (eine vor der anderen) und sind nur an den Endpunkten gegen die Rahmenhölzer angeschlossen. Strukturell schwächer.

Statische Funktion

Die X-förmige Aussteifung leistet eine vollständige Aufnahme aller in der Wandebene wirkenden horizontalen Lasten (Wikipedia/Andreaskreuz (Fachwerk): „erlaubt es, alle horizontalen Kräfte in der Ebene des Elements aufzunehmen"). Bei wechselnder Windrichtung wirkt jeweils eine Strebe als Druck-Diagonale (knickfest, weil sie am Kreuzungspunkt eine Zwischenlagerung erhält), die andere als Zug-Diagonale (zugfest, kann ohne Knick-Sorge auf Zug arbeiten). Das Andreaskreuz ist damit die aussteifungs-effizienteste Bauteilgruppen-Konfiguration im Gefach und kompensiert die Schwäche der reinen Einzel-Strebe (die nur in einer Druck-Richtung wirkt).

Dekorative Funktion

In der mitteldeutschen, sächsischen und niedersächsischen Schmuck-Fachwerkbau-Tradition wird das Andreaskreuz auch als reines Ornament ohne statische Wirkung eingesetzt: an Brüstungsfeldern unterhalb von Fenstern, an Giebeln, an dekorativen Ausfachungen. In dieser Lesart sind die Strebe-Stäbe oft schwächer dimensioniert (weniger tragfähig) und die Anschlüsse einfacher; die Funktion ist visuell, nicht statisch.

Die App-Modellierung trennt die zwei Funktionen über das optionale funktion?-Feld (Werte AUSSTEIFEND, DEKORATIV). Beide tragen denselben strukturellen Aufbau (zwei sich kreuzende Streben), unterscheiden sich nur in der funktionalen Klassifikation.

Historische Verortung

Die frühesten Belege im DACH-Fachwerkbau sind nach Wikipedia/Andreaskreuz (Fachwerk) 1452 und 1457. Im 19. Jahrhundert wurde das Andreaskreuz teils in voller Geschosshöhe ausgeführt (mehrere Gefache überspannend), was im Default-Glossar-Modell die Sub-Lesart „geschossübergreifend" (Quellenkonflikt-Block (1)) darstellt. Regionale Schwerpunkte: Frankenwald, Vogtland, Niedersachsen, Mittelhessen.

CH/DE-Asymmetrie

Im CH-Riegelbau ist das Andreaskreuz belegt, aber weniger prominent als in DE-Fachwerk. Wikipedia/Fachwerkhaus (CH-Sektion) erwähnt „rote Balken und weisse Ausfachung" als CH-Riegelhaus-Charakteristikum, aber keine spezifische Andreaskreuz-Verbreitung. Im Erläuterungs-Block dieses Eintrags wird der DE-Schwerpunkt thematisiert; Eric als CH-Zimmermann kennt den Begriff als Bestandteil des Holzbau-Fachvokabulars, hat ihn aber in der CH-Praxis seltener im Bestand.

Abgrenzung zur Mann-Figur

Beide sind Wand-Aussteifungs-Aggregate; die Trennlinie ist geometrisch:

  • Andreaskreuz: zwei sich kreuzende Streben im Gefach (Wandfeld zwischen zwei Ständern und ggf. Schwelle/Rähm/Riegel). Die Anker-Punkte liegen an den Gefach-Ecken (Schnittpunkte der Rahmenhölzer).
  • Mann-Figur (mann): Bündel-Aussteifung am Pfosten (Ständer-Achse). Die Bauteile (Kopfband, Fussband, optional Strebe) sind alle an einem gemeinsamen Pfosten als zentraler Achse verankert.

Die Abgrenzung ist im Auftrag der Welle 12 explizit als „geometrisch sauber getrennt" formuliert: Andreaskreuz am Gefach, Mann am Pfosten. Keine geometrische Überlappung, auch wenn beide Aggregate in derselben Wand vorkommen können (in DE-Schmuckfachwerk z. B. ein Mann am Eckständer plus ein Andreaskreuz im Brüstungsfeld).

Andere Bedeutungen / Englisch

  • St. Andrew's Cross: englischer Standard-Anglizismus; als Synonym im Heraldik-/Flaggen-Korpus (X-förmiges Kreuz auf Schottland-Flagge); im Holzbau-Korpus als abgelehnter Anglizismus geführt.
  • X-bracing / cross bracing / saltire brace: generische Anglizismen aus dem US-Holzbau-Korpus; abgelehnt.

Beziehungen

  • Oberbegriff: bauteilgruppe. Das Andreaskreuz erfüllt alle Bauteilgruppen-Merkmale (exklusive Mitgliedschaft, kaskadische Lebenszyklus-Bindung, eigene Hülle, eigene Identität, konstruktive Funktionseinheit) und fügt andreaskreuz-spezifische Merkmale hinzu: genau zwei Streben als Pflicht-Bestandteile, ihre wechselseitige Kreuzungsbedingung in einer gemeinsamen Wandebene.
  • Bestandteile (partitiv):
  • Strebe (strebe, genau 2 Stück): die zwei sich kreuzenden Diagonal-Stab-Bauteile.
  • Geometrische Bezugsobjekte (nicht Mitglieder):
  • Wandebene (ebene): die gemeinsame lotrechte Trägerebene beider Streben.
  • Kreuzungspunkt (Punkt ∈ ℝ³): der Schnittpunkt der zwei Bauteilachsen; abgeleitete Grösse.
  • Gefach (gefach, Forward-Verweis, Folgearbeit): das umschliessende Wandfeld; geometrische Referenz, nicht Bestandteil.
  • Begrenzende Bauteile: zwei Ständer plus Schwelle/ Rähm oder Riegel; geometrische Referenz für die Anker-Endpunkte der Streben, nicht Mitglieder des Andreaskreuz-Aggregats.
  • Funktionale Sicht (über funktion?-Feld):
  • AUSSTEIFEND: tragwerks-aussteifende Konfiguration.
  • DEKORATIV: rein ornamentale Konfiguration ohne statische Wirkung.
  • Verwendung:
  • Bestandteil einer Wand (wand) — als geschwisterliches Aggregat innerhalb derselben Wandebene; die Wand-Bauteilgruppe enthält die zwei Streben nicht zusätzlich, weil exklusive Mitgliedschaft gilt (siehe hg_wand.md Erläuterungs- Block).
  • Abgrenzung:
  • Bauteilgruppe (bauteilgruppe): Oberbegriff.
  • Strebe (strebe): Bauteilrolle der zwei Mitglieder; eine Einzel-Strebe ist nicht ein Andreaskreuz.
  • Kopfband (kopfband), Fussband (fussband): diagonale Aussteifungs-Bauteile mit Pfosten-Kopf- bzw. Pfosten-Fuss-Anker; nicht Bestandteile des Andreaskreuzes (das Andreaskreuz verwendet ausschliesslich Streben, nicht Bänder).
  • Knagge (knagge): Konsole; keine Diagonal-Stab- Bauteile, nicht Bestandteil.
  • Mann (mann): geschwisterliches Bündel- Aussteifungs-Aggregat am Pfosten (nicht am Gefach); siehe Erläuterungs-Block.
  • Wand (wand): das übergeordnete Wand-Aggregat, in dessen Wandebene das Andreaskreuz liegt; die Wand enthält das Andreaskreuz als geschwisterliches Aggregat oder als verschachteltes Aggregat (Modell- Entscheidung).
  • Schwelle, Rähm, Ständer, Riegel: Bauteilrollen, die das umschliessende Gefach bilden; Anker-Bauteile für die Streben, nicht Bestandteile des Andreaskreuzes.
  • Verbindung (verbindung): das Andreaskreuz enthält Verbindungen zwischen seinen Bestandteilen (Strebe-Strebe-Blattung am Kreuzungspunkt, Strebe- Rahmen-Anker an den vier Eckpunkten); es ist selbst keine Verbindung.
  • Gefach (gefach, Forward-Verweis): das umschliessende Wand-Feld; geometrische Referenz, nicht Aggregat-Mitglied.
  • Fachwerk, Riegelbau: Bauweisen- Klassifikationen, in denen das Andreaskreuz primär auftritt.
  • Brueckmauer / Brueckschnurmauer (Folgearbeit- Trigger im historischen Korpus): regionale Sub-Lesarten von Fachwerk-Brüstungsfeldern.
  • Walm (walm), Binder (binder): strukturparallele Geschwister-Aggregate unter bauteilgruppe, mit anderer geometrischer Konfiguration.

Implementierungshinweis

Im aktuellen Glossarstand wird keine eigene Code-Klasse Andreaskreuz angelegt. Die ontologische Vorbereitung lebt zunächst nur im Glossar; eine Code-Klasse entsteht zusammen mit dem ersten konkreten Tool, das Andreaskreuze als Bauteilgruppe modelliert (zugleich Trigger für gefach).

// SKIZZE — nicht jetzt anlegen.
// Glossar: hg_andreaskreuz.md

package domain.bauteil

import domain.bauteil.Bauteilgruppe
import domain.bauteil.Strebe
import domain.geometrie.Ebene
import domain.geometrie.Punkt
import java.util.UUID

/**
 * Andreaskreuz: Bauteilgruppe aus genau zwei sich kreuzenden
 * Streben in einer gemeinsamen Wandebene innerhalb eines
 * Gefachs. Statisch wirksame Wandaussteifung und/oder Schmuck.
 *
 * Sealed unter Bauteilgruppe.
 */
sealed class Andreaskreuz : Bauteilgruppe() {
    abstract val streben: Set<Strebe>        // |streben| == 2
    abstract val wandebene: Ebene            // lotrecht
    abstract val funktion: AndreaskreuzFunktion?

    val kreuzungspunkt: Punkt
        get() = berechneKreuzungspunkt(streben)

    init {
        // 1. streben.size == 2          → sonst Entartet.FalscheStrebenAnzahl
        // 2. beide Streben in wandebene → sonst Entartet.StrebeAusserhalbWandebene
        // 3. beide Streben diagonal     → erbt Strebe.istDiagonal
        // 4. Streben kreuzen sich strikt im Inneren
        //                               → sonst Entartet.KeinKreuzungspunkt oder
        //                                 Entartet.SchnittAmEndpunkt
        // 5. Streben nicht parallel     → sonst Entartet.StrebenParallel
        // 6. beide Streben im selben Gefach
        //                               → sonst Entartet.NichtImSelbenGefach
        // 7. Bauteilgruppen-Bedingungen geerbt
    }
}

enum class AndreaskreuzFunktion {
    AUSSTEIFEND,
    DEKORATIV,
}
  • Einheit: Längen in mm (Double); Winkel intern in Radiant.
  • Identität: uuid ist Pflicht und persistent (RFC 9562 v7).
  • Invarianten (in init bzw. Fabrikfunktionen prüfen):
  • streben.size == 2 ⇒ sonst Entartet.FalscheStrebenAnzahl.
  • Wandebene lotrecht ⇒ sonst Entartet.WandebeneNichtLotrecht.
  • Beide Streben-Endpunkte in Wandebene (Punkt-Ebene-Abstand ≤ Toleranzen.LAENGE_EPS) ⇒ sonst Entartet.StrebeAusserhalbWandebene.
  • Beide Streben echt diagonal (Strebe-Constraint geerbt).
  • Kreuzungspunkt im inneren beider Bauteilachsen (Parameter t_i ∈ (ε_L/L_i, 1 − ε_L/L_i) im Geraden- Schnitt) ⇒ sonst Entartet.SchnittAmEndpunkt oder Entartet.KeinKreuzungspunkt.
  • Streben nicht parallel (|⟨d_hat_1, d_hat_2⟩| ≤ 1 − KOLLINEAR_EPS) ⇒ sonst Entartet.StrebenParallel.
  • Beide Streben im selben Gefach (gemeinsame begrenzende Bauteile) ⇒ sonst Entartet.NichtImSelbenGefach.
  • Edge Cases:
  • Asymmetrisches Andreaskreuz (Kreuzungspunkt nicht im Gefach-Zentrum): zulässig; Bedingungen 4–6 erfüllt.
  • Geschossübergreifendes Andreaskreuz (19.-Jh.- Variante, mehrere Gefache überspannend): zulässig, wenn Bedingung 6 entsprechend auf das übergeordnete Gefach bezogen wird.
  • Andreaskreuz mit Blatt-Verbindung am Kreuzungspunkt: die zwei Streben bleiben zwei distinct Mitglieder; die Blatt-Verbindung wird über ein eigenes Verbindung- Aggregat zwischen ihnen modelliert.
  • Dekoratives Andreaskreuz mit schwachen Streben: zulässig; funktion = DEKORATIV.
  • Andreaskreuz an Brüstungsfeld: typisch flacher, kleiner Gefach-Bereich unterhalb von Fenstern; geometrisch identisch zum Vollgefach-Andreaskreuz.
  • Abgeleitete Eigenschaften (als Funktionen):
  • kreuzungswinkel(): Double (rad) = γ aus Bedingung 5.
  • istRechtwinkliges_X(): Boolean = |kreuzungswinkel() − π/2|Toleranzen.WINKEL_EPS.
  • istSymmetrisch(): Boolean = wahr, wenn Kreuzungspunkt nahe dem geometrischen Zentrum des umschliessenden Gefachs.
  • aussteifungsRichtung(): Vektor = Hauptrichtung der Aussteifungswirkung in der Wandebene; aus den zwei Streben-Richtungen abgeleitet.

Quellen

Primär (normativ):

  • DIN EN 1995-1-1:2010-12, „Eurocode 5: Bemessung und Konstruktion von Holzbauten — Teil 1-1", Abschnitt 9.
  • DIN 1052:2008-12, „Entwurf, Berechnung und Bemessung von Holzbauwerken", Abschnitte 8 und 12.
  • SIA 265:2021, „Holzbau", Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein, §1.1 [via: Lignum-Pressemitteilung 2021].
  • Thesaurus Traditioneller Holzbau (TTH), RWTH Aachen, Hierarchie-Facette 1922 „Fachwerk-Bauteile".

Sekundär:

  • Wikipedia, Lemma „Andreaskreuz (Fachwerk)", de.wikipedia.org/ wiki/Andreaskreuz_(Fachwerk) (abgerufen 2026-05-16).
  • Wikipedia, Lemma „Fachwerkhaus" (abgerufen 2026-05-16).
  • Gerner, M.: Fachwerk – Instandsetzung, Sanierung, Neubau. DVA, 7. Aufl. 2007.
  • Mönck, W.; Rug, W.: Holzbau – Bemessung und Konstruktion.
  • Aufl., Beuth, Berlin 2015.
  • Natterer, J.; Herzog, T.; Volz, M.: Holzbau-Atlas.
  • Aufl., Birkhäuser, Basel 2003.
  • Großmann, R.: Konstruktionen des deutschen Fachwerkbaus. 1987.
  • BauNetz Wissen, Glossar-Holz, Lemma „Andreaskreuz".
  • Lignum (Hrsg.): Holzbautabellen HBT 1 (2024). Lignum, Zürich.

Korpus (nicht autoritativ):

  • Recherche-Bericht: docs/recherche/2026-05-16_wand_aggregat.md.
  • Recherche-Bericht (Vorgänger): docs/recherche/2026-05-15_strebe_kopfband_bug.md (Welle 10).

Folgearbeit (trigger-basiert)

  1. gefach — der das Andreaskreuz umschliessende Wandfeld-Begriff; geometrische Definition als Polygon-Innenbereich zwischen vier begrenzenden Bauteilen (Schwelle/Rähm + zwei Ständer, oder zwei Riegel + zwei Ständer). Trigger: erstes Tool, das Gefache als eigene Modell-Entität führt; bis dahin operationalisiert über die begrenzenden Bauteile.
  2. brueckmauer / brueckschnurmauer — historische regionale Sub-Lesarten von Fachwerk-Brüstungsfeldern; Folgearbeit-Trigger im historischen Korpus.
  3. Code-Klasse Andreaskreuz und Sealed-Hierarchie. Trigger: erstes Tool, das Andreaskreuze als Modell-Entität führt.
  4. SIA-265-Verifikation: bei Volltext-Zugriff (Eric) SIA 265:2021 §1.1 prüfen, ob „Andreaskreuz" oder „Kreuzstrebe" als Lemma geführt ist.
  5. Lignum HBT 1 (2024)-Verifikation: CH-Praxis-Status des Andreaskreuzes im Riegelbau-Korpus.

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