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Wand

Eine Wand ist die zusammengehörige Holz-Baugruppe aus unterer Schwelle, oberem Rähm und den senkrechten Ständern dazwischen — ergänzt um aussteifende Schräghölzer —, die einen Raum abschliesst und das Gewicht von Decke und Dach trägt.

Prosa-Definition

Eine Wand ist eine Bauteilgruppe aus mindestens einer Schwelle, einem Rähm und mindestens zwei Ständern, ergänzt um eine möglicherweise leere Menge von Riegeln und diagonalen Aussteifungs-Bauteilen (Strebe, Kopfband, Fussband, Knagge), deren Bauteilachsen alle in einer gemeinsamen lotrechten Wandebene liegen und die zusammen eine konstruktive Funktions- einheit zur raumabschliessenden und lastabtragenden Wand- Konstruktion eines Holz-Tragwerks bilden.

Mathematische Definition

Sei

  • W das Weltkoordinatensystem (siehe weltkoordinatensystem),
  • 𝓑 die Menge aller Bauteile im Sinne von bauteil,
  • 𝓢_Schw, 𝓢_Räh, 𝓢_Stä, 𝓢_Rie, 𝓢_Str, 𝓢_Kbd, 𝓢_Fbd, 𝓢_Kna ⊂ 𝓑 die Teilmengen mit den Bauteilrollen schwelle, raehm, staender, riegel, strebe, kopfband, fussband, knagge,
  • 𝒫 die Menge der Ebenen im Sinne von ebene,
  • 𝒰 der UUID-Raum nach uuid,
  • 𝒢_huelle die Menge der zulässigen Hüllgeometrie-Repräsentationen einer Bauteilgruppe (siehe bauteilgruppe),
  • e_z:= (0, 0, 1)ᵀ die vertikale Welt-Achse,
  • ε_K:= Toleranzen.KOLLINEAR_EPS, ε_L:= Toleranzen.LAENGE_EPS.

Dann ist eine Wand ein Tupel

W:= (uuid, schwellen, raehm, staender, riegel, streben,
      kopfbaender, fussbaender, knaggen, wandebene,
      lage, huelle, funktion?, bezeichnung?)

mit

  • uuid ∈ 𝒰: technischer Surrogatschlüssel der Wand (Pflicht, persistent, RFC 9562 v7); externe Referenzen auf die Wand gehen ausschliesslich auf diese UUID (Aggregat-Wurzel im Sinne von bauteilgruppe).
  • schwellen ⊂ 𝓢_Schw, |schwellen| ≥ 1: die endliche, nicht- leere Menge der Schwellen am unteren Wand-Rand. Im Regelfall |schwellen| = 1; bei mehrteiligem unterem Längsholz (z. B. Stockschwelle + Aufdoppelung) sind mehrere zulässig.
  • raehm ⊂ 𝓢_Räh, |raehm| ≥ 1: die endliche, nicht-leere Menge der Rähm-Bauteile am oberen Wand-Rand. Im Regelfall |raehm| = 1; bei Doppelrähm oder zweiteiligem oberem Längsholz mehrere.
  • staender ⊂ 𝓢_Stä, |staender| ≥ 2: die endliche Menge der lotrechten Ständer der Wand. Mindestens zwei (Eck-/Endständer beidseits), sonst kein Wandgefach.
  • riegel ⊂ 𝓢_Rie, |riegel| ≥ 0: optionale horizontale Zwischenhölzer zwischen den Ständern.
  • streben ⊂ 𝓢_Str, |streben| ≥ 0: optionale Diagonal- Aussteifungen.
  • kopfbaender ⊂ 𝓢_Kbd, |kopfbaender| ≥ 0: optionale Kopf- Diagonalbänder am Pfosten-Kopf.
  • fussbaender ⊂ 𝓢_Fbd, |fussbaender| ≥ 0: optionale Fuss- Diagonalbänder am Pfosten-Fuss.
  • knaggen ⊂ 𝓢_Kna, |knaggen| ≥ 0: optionale Knaggen am Wandgefüge.
  • wandebene ∈ 𝒫: die geometrische Bezugsebene der Wand (lotrechte Ebene), in der alle Bauteilachsen liegen. n_hat_W ∈ S² mit |⟨n_hat_W, e_z⟩| ≤ ε_K (lotrecht).
  • lage ∈ SE(3): die Starrkörpertransformation, die das lokale Wand-Koordinatensystem nach W überführt (siehe lokales_koordinatensystem).
  • huelle ∈ 𝒢_huelle: die geometrische Hülle der Wand im lokalen Koordinatensystem (Polyeder oder Bounding-Volume).
  • funktion?: optionale Klassifikation der konstruktiven Funktion (Werte z. B. AUSSTEIFEND, LASTTRAGEND_NICHT_AUSSTEIFEND, NICHT_TRAGEND); die Wandscheiben-Sub-Lesart entspricht dem Wert AUSSTEIFEND.
  • bezeichnung?: optionaler humanlesbarer Name (z. B. „Aussenwand Süd", „Innenwand A–B").

und den Konsistenzbedingungen

  1. Bauteilgruppen-Konformität: das Tupel (uuid, bestandteile, lage, huelle, funktion?, bezeichnung?) mit

    bestandteile:= schwellen ∪ raehm ∪ staender ∪ riegel ∪
                    streben ∪ kopfbaender ∪ fussbaender ∪ knaggen
    

    erfüllt alle Konsistenzbedingungen 1–4 von bauteilgruppe (exklusive Mitgliedschaft, kaskadische Lebenszyklus-Bindung, Hüllen-Inklusion, azyklische Verschachtelung). Insbesondere |bestandteile| ≥ 4 (mindestens 1 Schwelle + 1 Rähm + 2 Ständer).

  2. Wandebene lotrecht: Der Normalenvektor n_hat_W der Wandebene ist horizontal,

    |⟨n_hat_W, e_z⟩| ≤ ε_K.
    
  3. Schwellen horizontal in der Wandebene: Für jede Schwelle s ∈ schwellen liegt a(s) in der Wandebene (Punkt-Ebene-Abstand der Endpunkte ≤ ε_L), und der Richtungsvektor d_hat_s erfüllt |⟨d_hat_s, e_z⟩| ≤ ε_K (horizontal). Die z-Koordinate aller Schwellen-Endpunkte liegt nahe dem unteren Wand-Rand z_min^W.

  4. Rähm horizontal in der Wandebene am oberen Rand: Für jedes r ∈ raehm gilt analog zu (3), aber mit z-Koordinaten am oberen Wand-Rand z_max^W.

  5. Ständer lotrecht in der Wandebene: Für jeden Ständer p ∈ staender liegt a(p) in der Wandebene, und der Richtungsvektor d_hat_p ist kollinear zu e_z (||d_hat_p × e_z|| ≤ ε_K).

  6. Ständer zwischen Schwelle und Rähm: Für jeden Ständer p ∈ staender existieren s ∈ schwellen und r ∈ raehm, sodass ein Endpunkt von a(p) auf a(s) liegt (Punkt-Gerade-Abstand ≤ ε_L) und der andere Endpunkt auf a(r).

  7. Riegel horizontal zwischen Ständern: Für jeden Riegel q ∈ riegel liegt a(q) in der Wandebene, ist horizontal, und verbindet zwei Ständer aus staender (analog zu hg_riegel.md).

  8. Aussteifungs-Bauteile in der Wandebene: Für jedes b ∈ streben ∪ kopfbaender ∪ fussbaender liegen beide Endpunkte von a(b) in der Wandebene (Punkt-Ebene-Abstand ≤ ε_L). Die jeweiligen Anker-Bedingungen (Strebe, Kopfband, Fussband) ihrer Bauteilrolle gegen die Bauteile dieser Wand sind erfüllt (siehe hg_strebe.md Bedingung 5, hg_kopfband.md Bedingung 5, hg_fussband.md Bedingung 5). Knaggen werden ebenfalls in der Wandebene oder nahe daran (Knagge ragt aus der Wand heraus, ist aber in der Wand verankert) erfasst.

  9. Hüllen-Inklusion: Die geometrische Punktmenge aller Bestandteile liegt im Toleranzband um die Wandebene und in der Hülle huelle:

    ⋃_{b ∈ bestandteile} G_W(b) ⊆ G_W(W).
    

Die geometrische Punktmenge der Wand in W ist

G_W(W):= lage(G_lokal(huelle)) ⊂ ℝ³

(transformierte Hülle); die Vereinigung der Bestandteils- Punktmengen ist im Allgemeinen eine echte Teilmenge davon (siehe bauteilgruppe Bedingung 3).

Wohldefiniertheit

  • Existenz: Für jedes Wandgefüge mit mindestens einer Schwelle, einem Rähm und zwei Ständern in einer gemeinsamen lotrechten Wandebene lässt sich eine Wand als Tupel der angegebenen Form erfassen. Mindestkonfiguration: |schwellen| = 1, |raehm| = 1, |staender| = 2, alle anderen Mengen leer; Wandebene aus den drei Bauteilachsen abgeleitet.
  • Eindeutigkeit der Identität: Bedingung 1 (Bauteilgruppen- Konformität) erbt die Aggregat-Wurzel-Auflösung von bauteilgruppe; die Wand-UUID ist konstruktionsseitig zu vergeben und persistent.
  • Eindeutigkeit der Wandebene: aus zwei nicht-kollinearen lotrechten Ständer-Bauteilachsen plus einer horizontalen Schwelle ist die Wandebene eindeutig bestimmt (drei Punkte in allgemeiner Lage spannen die Ebene auf).
  • Trivial wohldefinierte Bestandteils-Mengen: alle Bauteil-Mengen sind unsortiert; alle Aussagen über die Wand sind invariant unter Permutation der Bestandteile innerhalb der jeweiligen Menge.
  • Unabhängigkeit von der Wahl des lokalen Koordinatensystems: für jede zulässige Wahl liefert die zugehörige Lage-Transformation dieselbe Punktmenge G_W(W); semantisch invariant.
  • Konsistenz mit bauteilgruppe: jede Konsistenzbedingung von bauteilgruppe (exklusive Mitgliedschaft, kaskadische Löschung, Hüllen-Inklusion, Azyklizität) gilt für die Wand, weil sie Subtyp von bauteilgruppe ist. Die Wand-spezifischen Bedingungen 2–9 treten additiv hinzu und schwächen keine Bauteilgruppen-Bedingung ab.
  • Konsistenz mit den Bauteilrollen: jedes Bauteil b ∈ bestandteile trägt die in seiner jeweiligen Rolle (hg_schwelle.md etc.) definierten Constraints; die Wand-Bedingungen fordern zusätzlich die gemeinsame Lage in der Wandebene und die wechselseitigen Anker-Beziehungen (Bedingungen 6–8).
  • Exklusivität gegenüber benachbarten Wänden: jeder Ständer und jedes Wand-Bauteil gehört zu höchstens einer Wand- Bauteilgruppe (Spezialisierung von Bauteilgruppen- Bedingung 1). Eck-Ständer, an denen zwei Wände aneinander- stossen, werden in der Regel einer der beiden Wände zugeordnet (Modell-Entscheidung beim Aufbau).
  • Nicht-Zirkularität: die Definition verwendet bauteilgruppe, bauteil, schwelle, raehm, staender, riegel, strebe, kopfband, fussband, knagge, verbindung, ebene, strecke, polyeder, uuid, lokales_koordinatensystem, weltkoordinatensystem, toleranzen — alle bereits definiert. Sie referenziert andreaskreuz und mann als geometrisch verwandte Aggregate (geschwisterlich unter bauteilgruppe) in abgrenzung_zu:, nicht in voraussetzungen:.
  • Eliminierbarkeit: jede Verwendung von „Wand" in der App-Tragwerks-Lesart lässt sich durch das obige Tupel mit den neun Konsistenzbedingungen ersetzen.

Erläuterung (nicht normativ)

Die Wand ist die ontologische Antwort auf das Wand-Bauteilgefüge im Holzbau: ein Bündel von Stab-Bauteilen in einer gemeinsamen lotrechten Ebene, das geometrisch räumliche Trennung leistet und statisch eine eigene Tragwerks-Einheit bildet — die Wandscheibe — mit eigener Auflagerung, eigenen Lastpfaden und eigener Aussteifungs-Konfiguration.

Geometrische Erscheinung

Die Default-Wand reicht von einer unteren Schwelle bis zu einem oberen Rähm, beidseitig von Eckständern begrenzt; Höhe typisch eine Geschosshöhe (2.4–3.0 m), Länge je nach Grundriss (1–10 m). Zwischen Eckständern stehen Zwischenständer (Achsabstand 60–120 cm im Holzrahmenbau; 80–150 cm im historischen Fachwerk). Zwischen den Ständern können horizontale Riegel die Wand in Gefache untergliedern. Diagonal-Aussteifung erfolgt durch Streben, Kopfbänder, Fussbänder oder ihre Komposite (Andreaskreuz im Gefach, Mann-Figur am Pfosten).

Bestandteile in der App-Modellierung

Konstitutiv sind eine Schwelle, ein Rähm und mindestens zwei Ständer (zusammen mindestens vier Bauteile). Variabel sind Riegel (Anzahl ≥ 0), Streben, Kopf-/Fussbänder und Knaggen (jeweils ≥ 0). Bauteilachsen aller Bestandteile liegen ausnahmslos in der gemeinsamen Wandebene (Toleranzband ε_L). Eine Wand mit Bauteilen ausserhalb der Wandebene ist kein Wand-Aggregat, sondern eine Wand-plus-Wand- oder Wand- plus-Riegel-Kombination.

Aussteifungs-Lesarten

Vier Aussteifungs-Typologien sind im DACH-Holzbau verbreitet:

  1. Riegelbau / Fachwerk (historisch, CH-Default): die Wand wird durch eingelassene diagonale Holzbauteile (Strebe, Kopfband, Fussband) ausgesteift. Die Wand- Bauteilgruppe enthält diese Bauteile. Mann-Figuren und Andreaskreuze sind eigene Aggregate, geschwisterlich unter bauteilgruppe, die ihre Bestandteile (Streben, Bänder) mit der Wand teilen können — aber exklusiv: ein bestimmter Strebe-Stab ist Mitglied entweder der Wand-Bauteilgruppe oder des Andreaskreuz-Aggregats, nicht beider. Die Aggregat-Aufteilung ist eine Modell-Entscheidung (typisch wird das Andreaskreuz- Aggregat als Bestandteil der Wand-Bauteilgruppe oder als Schwester-Aggregat geführt — die App folgt der Schwester-Lesart, Bauteilgruppe-Bedingung 4 Verschachtelung, weil Andreaskreuz-Aggregate auch geschossübergreifend modelliert werden können).

  2. Holzrahmenbau (modern): die Wand wird durch Beplankung (OSB, Dreischichtplatte, Gipsfaser) ausgesteift. Streben und Bänder können fehlen; die Aussteifung erfolgt über die Schicht-Aggregat-Familie (Folgearbeit), die orthogonal zur Wand-Bauteilgruppe geführt wird.

  3. Holztafelbau (modern, vorgefertigt): die Wand wird als Wandtafel vorgefertigt geliefert; Beplankung ist werkseitig montiert. Die Wand-Bauteilgruppe ist strukturell identisch zur Holzrahmenbau-Wand, hat aber eine eigene Spezialisierung als Aggregat-Subtyp vorgefertigtes_wandelement (Folgearbeit).

  4. Holzskelettbau (modern): die tragenden Stützen sind keine Ständer einer Wand, sondern eigenständige Säulen des Tragskeletts; die raumabschliessenden Wände sind primär Schicht-Konstruktionen ohne tragende Holzbauteile. Diese Lesart liegt ausserhalb des Wand-Aggregats; die Holzskelett-Stützen werden über staender mit Bauteilrolle oder über Folgearbeit stuetze modelliert.

Verhältnis zur Wandscheibe (tragwerks-funktional)

DIN EN 1995-1-1 §9.2 und Mönck/Rug 2015 verwenden „Wandscheibe" für die tragwerks-aussteifende Wand-Lesart. In der App-Modellierung ist die Wandscheibe funktionale Sicht auf das Wand-Aggregat (Wert AUSSTEIFEND im funktion?-Feld der Bauteilgruppe). Eine Wand kann aussteifend (Wandscheibe) oder nicht-aussteifend (rein raumabschliessend) wirken; die Aussteifungs-Funktion ist Ergebnis der Bauteil-Komposition und der Verbindungen, nicht eine separate Wand-Klasse.

Verhältnis zu Mann-Figur und Andreaskreuz

Die Wand-Bauteilgruppe enthält in der Riegelbau-Lesart einzelne Streben, Kopfbänder und Fussbänder. Wenn diese einzelnen Bauteile in einer übergeordneten Bündel- Konfiguration auftreten — zwei kreuzende Streben im gleichen Gefach, vier Bänder am gleichen Pfosten — wird die übergeordnete Konfiguration durch ein eigenes Geschwister-Aggregat unter bauteilgruppe modelliert:

  • Andreaskreuz (andreaskreuz): zwei sich kreuzende Streben im selben Gefach. Geschwister-Aggregat unter bauteilgruppe; nicht Bestandteil der Wand-Bauteilgruppe, sondern paralleles Aggregat.
  • Mann (mann) und Sub-Varianten (Halber, Wilder, Hessen, Schwäbisch): Bündel-Aussteifung am Pfosten aus Kopf-/Fussbändern und optional einer zentralen Strebe. Geschwister-Aggregat unter bauteilgruppe.

Die exklusive Mitgliedschaft (Bauteilgruppen-Bedingung 1) bedeutet: ein bestimmter Strebe-Stab gehört zu genau einem Aggregat — entweder zur Wand oder zum Andreaskreuz/Mann, nicht zu beiden. Die App-Entscheidung folgt der Schwester-Lesart: die Wand-Bauteilgruppe enthält die einzelnen Streben und Bänder; Andreaskreuze und Mann-Figuren sind eigenständige Geschwister-Aggregate und referenzieren die geteilten Bauteile nicht. Eine alternative Modellierung (Wand enthält das Andreaskreuz als verschachteltes Aggregat) ist zulässig, wenn das Andreaskreuz konstitutiv zur Wand gehört; die Entscheidung ist Modell-zeitlich.

CH/DE-Asymmetrie

Bauweise Wand-Aussteifung typisch Wand-Aggregat
Fachwerkbau (DE/AT, historisch) Strebe + Kopf-/Fussband + Mann/Andreaskreuz breit gefüllt
Riegelbau (CH, traditionell) Strebe + Kopf-/Fussband (Mann/Andreaskreuz seltener) breit gefüllt
Holzrahmenbau (modern) Beplankung (Schicht-Aggregat) nur Schwelle/Ständer/Rähm
Holztafelbau (modern, vorgef.) Beplankung werkseitig als Wandtafel-Subtyp
Holzskelettbau (modern) tragendes Skelett unabhängig Wand-Konzept entfällt

Die Default-Modellierung dieses Eintrags ist die Riegelbau-CH-Lesart mit allen Aussteifungs-Bauteilen optional. Anweiser als CH-Zimmermann arbeitet primär in dieser Lesart; die Welle-12-Setzung ist auf seinen CH-Berufskorpus zugeschnitten.

Beziehungen

  • Oberbegriff: bauteilgruppe. Die Wand erfüllt alle Bauteilgruppen-Merkmale (exklusive Mitgliedschaft, kaskadische Lebenszyklus-Bindung, eigene Hülle, eigene Identität, konstruktive Funktionseinheit) und fügt wand-spezifische Merkmale hinzu: gemeinsame lotrechte Wandebene, Schwelle-Ständer-Rähm-Grundstruktur, optionale Aussteifungs-Bauteile.
  • Bestandteile (partitiv):
  • Schwelle (schwelle, ≥ 1 Stück): unteres horizontales Längsholz; Auflagerung des Wandgefüges auf der Decke oder dem Fundament.
  • Rähm (raehm, ≥ 1 Stück): oberes horizontales Längsholz; trägt Geschossdecke, Sparren oder oberen Lastpfad.
  • Ständer (staender, ≥ 2 Stück): lotrechte Stab-Bauteile zwischen Schwelle und Rähm. Eck-, Bund-, Zwischenständer (siehe StaenderPosition- Annotation).
  • Riegel (riegel, ≥ 0): horizontale Zwischenhölzer.
  • Strebe (strebe, ≥ 0): diagonale Aussteifung mit Pfosten-Mittel- oder Doppel-Horizontal-Anker.
  • Kopfband (kopfband, ≥ 0): diagonale Aussteifung am Pfosten-Kopf.
  • Fussband (fussband, ≥ 0): diagonale Aussteifung am Pfosten-Fuss.
  • Knagge (knagge, ≥ 0): dreieckiges Vollholz als Konsole am Wandgefüge.
  • Geometrische Bezugsobjekte (nicht Mitglieder):
  • Wandebene (ebene): die lotrechte Bezugsebene; alle Bauteilachsen liegen in ihr.
  • Wand-Eckpunkte: geometrische Referenzpunkte am Schnitt von Schwelle, Rähm und Eckständern.
  • Funktionale Sicht (über funktion?-Feld):
  • AUSSTEIFEND (Wandscheibe): tragwerks-aussteifende Wand, DIN EN 1995-1-1 §9.2.
  • LASTTRAGEND_NICHT_AUSSTEIFEND: trägt vertikale Lasten, aber nicht horizontale Aussteifung.
  • NICHT_TRAGEND: rein raumabschliessend.
  • Spezialisierungen (eigene Einträge folgen, trigger-basiert):
  • Vorgefertigtes Wandelement (vorgefertigtes_wandelement, Folgearbeit, in hg_bauteilgruppe.md Z. 268–286 bereits als Spezialisierung gelistet): Holztafelbau-Wand als werkseitig vorgefertigte Liefereinheit.
  • Raumwand (raumwand, Cluster 40_architektur/, Folgearbeit): architektonische Wand-Lesart.
  • Verwendung:
  • Bestandteil eines Tragwerks (tragwerk) — als Bauteilgruppe des Wandsystems.
  • Bestandteil eines Bauwerks (bauwerk) — raumabschliessende und tragende Funktion.
  • Auflager-Träger für Decken, Dachflächen, Sparren über das obere Rähm.
  • Abgrenzung:
  • Bauteilgruppe (bauteilgruppe): Oberbegriff.
  • Tragwerk (tragwerk): das übergeordnete Aggregat, in dem die Wand als Bauteilgruppe geführt wird.
  • Dach (dach), Dachstuhl (dachstuhl): andere Aggregat-Familie (geneigte Bauteilgruppe auf dem oberen Rähm der Wand).
  • Decke (Folgearbeit): horizontale Bauteilgruppe, geschwisterlich zur Wand.
  • Binder (binder): strukturparalleles Geschwister- Aggregat (Tragebene, Spannweiten-Überbrückung).
  • Walm (walm): geschwisterliches Aggregat im Dachstuhl.
  • Andreaskreuz (andreaskreuz): geschwisterliches Aggregat innerhalb derselben Wandebene — Bündelung zweier sich kreuzender Streben in einem Gefach. Die Wand-Bauteilgruppe kann Streben einzeln enthalten; das Andreaskreuz-Aggregat führt sie als bündelnde Schwester- Komposition (siehe Erläuterung).
  • Mann (mann) und Sub-Varianten: geschwisterliche Aggregate innerhalb derselben Wandebene — Bündelung der Aussteifungs-Bauteile am Pfosten.
  • Schwelle, Rähm, Ständer, Riegel, Strebe, Kopfband, Fussband, Knagge: Bauteilrollen der Wand; sind Bestandteile, nicht die Wand selbst.
  • Wandtafel, Vorgefertigtes Wandelement: Synonyme bzw. Spezialisierungen (Vorfertigungs-Charakteristik).
  • Schicht, Beplankung, Wärmedämmung, Eindeckung: orthogonale Schicht-Aggregat-Familie (Folgearbeit); nicht Bestandteile der Wand- Bauteilgruppe.
  • Konstruktionsdetail (konstruktionsdetail): Detail-Begriff für Anschlüsse innerhalb der Wand; eigene Begriffsfamilie.
  • Bausystem (bausystem): orthogonaler funktionaler Aggregations-Mechanismus; die Wand kann Mitglied eines aussteifenden Bausystems sein, ist aber nicht selbst ein Bausystem.
  • Fachwerk, Riegelbau, Holzrahmenbau, Holzskelettbau, Holztafelbau: Bauweisen- Klassifikationen; eine Wand wird in einer dieser Bauweisen errichtet, ist aber nicht selbst eine Bauweise (Folgearbeit).
  • Raumwand, Brandwand, Trennwand: Architektur- bzw. brandschutztechnische Wand-Lesarten (Folgearbeit, ausserhalb der Tragwerks-Lesart B).
  • Verbindung (verbindung): die Wand enthält Verbindungen zwischen ihren Bestandteilen (Schwelle-Ständer-Zapfen, Rähm-Ständer-Zapfen, Strebe-Pfosten-Zapfen); sie ist selbst keine Verbindung.

Quellen

Primär (normativ):

  • ISO 16739-1:2024, „Industry Foundation Classes (IFC) for data sharing in the construction and facility management industries — Part 1: Data schema" (IFC 4.3.2), IfcWall, IfcWallStandardCase, IfcElementAssembly.
  • DIN EN 1995-1-1:2010-12, „Eurocode 5: Bemessung und Konstruktion von Holzbauten — Teil 1-1", insbesondere Abschnitt 9.2 (Aussteifende Wandscheiben).
  • DIN 1052:2008-12, „Entwurf, Berechnung und Bemessung von Holzbauwerken", Abschnitte 8 und 12.
  • SIA 265:2021, „Holzbau", Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein, Zürich, §1.1 Fachausdrücke / Anhang G (Volltext direkt eingesehen, 2026-06-14): „Wand" ist nicht als Fachausdruck geführt; §5.4.2 „Wandscheiben" behandelt die Wand nur als aussteifende Struktur, nicht als raumabschliessendes Bauteil (Negativ-Befund).

Sekundär:

  • Lignum, „Holz A–Z / Konstruktion", lignum.ch/holz_a_z/ konstruktion/ (abgerufen 2026-05-16).
  • Lignum (Hrsg.): Holzbautabellen HBT 1 (2024). Lignum, Zürich.
  • Lignum: Pressemitteilung 2021 — Anwendungshilfen für neue SIA-Norm Holzbau.
  • Mönck, W.; Rug, W.: Holzbau – Bemessung und Konstruktion.
  • Aufl., Beuth, Berlin 2015.
  • Natterer, J.; Herzog, T.; Volz, M.: Holzbau-Atlas.
  • Aufl., Birkhäuser, Basel 2003.
  • Gerner, M.: Fachwerk – Instandsetzung, Sanierung, Neubau. DVA, 7. Aufl. 2007.
  • Großmann, R.: Konstruktionen des deutschen Fachwerkbaus. 1987.
  • Thesaurus Traditioneller Holzbau (TTH), RWTH Aachen.

Korpus (nicht autoritativ):

  • Wikipedia, Lemma „Fachwerkhaus" (de.wikipedia.org/wiki/ Fachwerkhaus, abgerufen 2026-05-16).
  • Wikipedia, Lemma „Wand" (allgemeine Architektur-Lesart).
  • Wikipedia, Lemma „Riegelbau" / „Ständerbauweise".
  • Recherche-Bericht: [intern].
  • Recherche-Bericht (Vorgänger): [intern], [intern], [intern].

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