Latte
Prosa-Definition¶
Eine Latte ist ein stabförmiges Sekundärbauteil eines Daches, dessen Bauteilachse rechtwinklig zur Sparrenachse einer zugeordneten Dachfläche und parallel-versetzt zur Trägerebene dieser Dachfläche horizontal verläuft, das die Lasten der Eindeckung (Ziegel, Schindeln, Blech) sowie die Verkehrs-, Schnee- und Windlasten flächig sammelt und über seine Auflager (die quer zur Latte verlaufenden Sparren oder eine zwischengelegte Konterlatte) als Streckenlast in das Sparrentragwerk einträgt.
Mathematische Definition¶
Sei
- B ein Bauteil im Sinne von
bauteilmit Stabgeometrie (geometrie ∈ 𝒢_stab), - a(B) = Bauteilachse.Gerade(p_a, p_e) die Bauteilachse von B im
geraden Fall (siehe
bauteilachse), mit d_hat := (p_e − p_a) / ‖p_e − p_a‖ ∈ S² ⊂ ℝ³, - D = (E, P, n_a) eine Dachfläche im Sinne von
dachflaechemit Trägerebene E (Stützpunkt p₀, Normalenvektor n_a), Polygon P und äußerer Normaler n_a, - S ein Sparren der Dachfläche D im Sinne von
sparren, mit Richtungs-Einheitsvektor d_hat_S der Sparrenachse, - e_z := (0, 0, 1)ᵀ die vertikale Achse,
- ε_K := Toleranzen.KOLLINEAR_EPS, ε_W := Toleranzen.WINKEL_EPS, ε_L := Toleranzen.LAENGE_EPS.
Dann heißt B eine Latte der Dachfläche D genau dann, wenn die folgenden Bedingungen erfüllt sind:
-
Stabgeometrie: B besitzt eine gerade Bauteilachse mit ‖p_e − p_a‖ > ε_L.
-
Parallelität zur Trägerebene: Die Bauteilachsenrichtung d_hat liegt parallel zur Trägerebene E,
Die Achse selbst liegt typischerweise nicht in E, sondern in einer zu E parallel-versetzten Ebene E' mit Versatz ≈ Sparrenhöhe (bzw. Sparrenhöhe + Konterlattenhöhe) entlang n_a; der Versatz selbst ist nicht Bestandteil dieser Definition, sondern Eigenschaft des|⟨n_a, d_hat⟩| ≤ ε_K.dachaufbau. -
Horizontalität: Die Bauteilachsenrichtung steht rechtwinklig zur Welt-Lotachse,
Die Form des Tests ist ein Sinus-Test gegen e_z-Parallelität (Lot-Prädikat); nach|⟨d_hat, e_z⟩| ≤ ε_K._KONVENTIONEN.mdSektion 4 istKOLLINEAR_EPSdie einschlägige Toleranzkonstante. -
Rechtwinkligkeit zur Sparrenachse: Es existiert mindestens ein Sparren S der zugeordneten Dachfläche D mit
Die Lattenachse steht damit rechtwinklig zur Sparrenachse; nach Bedingungen 2–4 zusammen liegt sie parallel zu einer Höhenlinie der Trägerebene E (Höhenlinie der Trägerebene = horizontale Gerade in einer Ebene parallel zu E; siehe|⟨d_hat, d_hat_S⟩| ≤ ε_K.abgrenzung_zuForward-Verweishoehenlinie).
Wesentliche abgeleitete Größen:
- Lattenlänge: L_L := ‖p_e − p_a‖ (in mm), entlang der Bauteilachse zwischen den Lattenenden.
- Lattenrichtung: d_hat ∈ S² mit |⟨d_hat, e_z⟩| ≤ ε_K und |⟨d_hat, d_hat_S⟩| ≤ ε_K.
- Latten-Höhenlage: z_L := (p_a.z + p_e.z) / 2; bei einer exakt horizontalen Latte gilt p_a.z = p_e.z = z_L.
- Lattenachsabstand (Lattenweite): bei einer parallelen
Lattenschar L_1, …, L_n auf derselben Dachfläche der
Abstand benachbarter Bauteilachsen, gemessen entlang d_hat_S
in der parallel-versetzten Ebene E'. Der Lattenachsabstand
ist Eigenschaft des
dachaufbau(eindeckungsabhängig) und nicht Bestandteil der Latten-Definition.
Wohldefiniertheit¶
- Existenz: Für jedes Stabbauteil mit positiver Achsenlänge, Achsenrichtung parallel zur Trägerebene und rechtwinklig sowohl zur Welt-Lotachse als auch zur Sparrenachse einer zugeordneten Dachfläche sind alle vier Bedingungen konstruktiv erfüllbar; jede Standard-Dachlatte auf einer Satteldachhälfte ist das Standardbeispiel.
- Eindeutigkeit der Lattenrichtung: Bedingungen 3 und 4 zusammen fixieren d_hat bis auf das Vorzeichen: für eine geneigte Dachfläche mit gegebener Sparrenrichtung d_hat_S existiert (bis auf Vorzeichen) genau ein Einheitsvektor d_hat, der sowohl rechtwinklig zu e_z als auch rechtwinklig zu d_hat_S steht — nämlich d_hat = ±(d_hat_S × e_z) / ‖d_hat_S × e_z‖. Auf einer horizontalen Dachfläche (α = 0) ist d_hat_S undefiniert, sodass die Latten- Definition keine Anwendung findet; dies ist der Flachdach- Sonderfall (siehe Edge Cases).
- Vorzeichenkonvention: Die Bauteilachse einer Latte ist
gerichtet (
Bauteilachse.Gerade), aber welcher Endpunkt p_a bzw. p_e ist, ist auf der Ebene des Begriffs „Latte" nicht durch eine geometrische Bedingung festgelegt (analog zur Pfette). Empfehlung gemäßhg_bauteilachse.md: p_a nach lokaler Bezeichnungskonvention (z. B. niedrigeres x in Welt-Koordinaten oder gemäß Achsplan). Konsumenten dürfen sich nicht auf eine geometrisch zwingende Orientierung verlassen. - Konsistenz mit
sparrenundpfette: Die Lattenrichtung ist nach Bedingung 4 rechtwinklig zur Sparrenrichtung; nach Bedingung 3 ist sie horizontal. Sie ist damit parallel zu einer Pfettenrichtung desselben Dachs (pfetteBedingung 2 Horizontalität + Bedingung 3 Parallelität zu einer Dachkante Traufe/First/Höhenlinie). Latte und Pfette unterscheiden sich geometrisch nur durch Höhenlage und Querschnitt-Größenordnung (siehe Beziehungen: Abgrenzung Latte ↔ Pfette). - Konsistenz mit
dachaufbau: Die Latten bilden in der geordneten Schichtfolge desdachaufbaudie FunktionsklasseTRAGLATTUNG(zweitäußerste Schicht des geneigten Dachs, unmittelbar unter der Eindeckung). Der Versatz der Latten- achse gegenüber der Trägerebene E der Dachfläche entspricht der summarischen Dicke der darunterliegenden Schichten (Sparren- Oberseite zu Lattenachse = Sparrenhöhe + ggf. Konterlattenhöhe + halbe Lattenhöhe). - Nicht-Zirkularität: Die Definition stützt sich nur auf
bereits definierte Begriffe (
bauteil,bauteilachse,strecke,einheitsvektor,ebene,dachflaeche,sparren,weltkoordinatensystem,toleranzen). Sie kommt nicht in ihrer eigenen Definition vor und verweist nicht auf Latten- Spezialisierungen. - Mindestens-ein-Sparren-Bedingung: Bedingung 4 fordert die
Existenz mindestens eines rechtwinklig zur Lattenachse
stehenden Sparrens. In der Praxis liegt jede Latte auf
mindestens zwei Sparren auf; die Bemessung als Mehrfeldträger
und die Auflagerung sind Eigenschaften des Tragwerks
(
tragwerk), nicht der Latte selbst. - Auflagerung (qualitativ, nicht Bestandteil der Definition): Eine Latte wird im Dachaufbau durch zwei oder mehr Sparren (bzw. Konterlatten) als Auflager gestützt; die Auflagerung ist Eigenschaft des Tragwerks bzw. des Dachaufbaus, nicht der Latte selbst.
Erläuterung (nicht normativ)¶
Die Latte ist das prägende Sekundärbauteil eines geneigten Daches: ihre regelmäßige, parallele Anordnung quer zum Sparren in der äußersten oder zweitäußersten Lattungsebene des Dachaufbaus erzeugt das Raster, das die Eindeckung aufnimmt. Geometrisch ist die Latte das horizontale Gegenstück zur Sparrenrichtung, materiell ist sie ein Sekundärbauteil mit deutlich kleinerem Querschnitt als jede Pfette.
Querschnitt und Sortierung¶
Die drei Standard-Querschnitte für Dachlatten in der DACH-Region gehen auf DIN 4070-1 (1958) zurück und werden in DIN EN 14081-1 und DIN 4074-1 fortgeführt:
| Querschnitt (h × b) | typische Verwendung | Sortierklasse |
|---|---|---|
| 24 × 48 mm | Sparrenabstand ≤ ca. 70 cm, leichte Eindeckung | S13 |
| 30 × 50 mm | Standard bei Ziegel-Eindeckung, Sparrenabstand bis ca. 80 cm | S10 |
| 40 × 60 mm | Sparrenabstand > 80 cm, schwere Eindeckung, hohe Schneelast | S10 oder S13 |
Sortier-Konvention (DIN 4074-1, in der Schweiz nach SIA 265/2:2023 identisch): S10 entspricht der Festigkeitsklasse C24, S13 entspricht C30 (nach DIN EN 338).
Verlegerichtung: Die Latte wird liegend verlegt (Breite parallel zur Sparrenoberseite, kürzere Kante als Höhe), Biegung um die starke Achse rechtwinklig zur Sparrenoberseite. Diese Verlegung ist die bewusste Umkehrung zur Pfette, die hochkant gestellt wird.
Lattenachsabstand (Lattenweite)¶
Der Achsabstand benachbarter Latten ist eindeckungsabhängig und damit Eigenschaft des Dachaufbaus, nicht des Tragwerks:
| Eindeckung | Lattenabstand (Achsmaß) |
|---|---|
| Tondachziegel (Falzziegel) | 32–36 cm |
| Betondachstein | 31–34 cm |
| Biberschwanz-Doppeldeckung | 16–18 cm |
| Naturschiefer | 12–18 cm |
| Holzschindel | ≈ 1/3 der Schindellänge |
| Blechprofil | 30–40 cm |
Diese Werte sind aus dem Branchen-Korpus zusammengetragen und nicht als normative Vorgaben zu verstehen; die konkrete Lattenweite ergibt sich aus dem Format der Eindeckungselemente und der vom Hersteller vorgegebenen Decklänge.
Faserrichtung¶
Die Faserrichtung einer Latte ist im Regelfall parallel zur
Bauteilachse: das Bauteil wird so aus dem Stamm geschnitten,
dass die Längsfaser entlang der Lattenlänge verläuft. Die
Faserneigung ist im prismatischen Idealfall 0; Abweichungen
werden über die Sortierklasse begrenzt (DIN 4074-1). In der
Domänen-Schicht ist faserrichtung Annotation des Bauteils und
für Latten als Default ‖ d_hat_Latte zu setzen.
Statisches System und Bemessung¶
Die Latte wird typischerweise als Mehrfeldträger über zwei oder mehr Sparrenauflager bemessen; maßgeblich sind:
- Biegung um die starke Achse unter Eindeckungs- und Verkehrslast (1,0 kN Mannlast als Punktlast für Begehbarkeit nach DIN EN 1991-1 / SIA 261),
- Durchbiegungs-Begrenzung (Gebrauchstauglichkeit, typisch L/200).
Schub und Auflagerpressung sind selten maßgeblich. Die konkrete Bemessung erfolgt nach SIA 265 / DIN EN 1995-1-1 und liegt nicht im Definitionsbereich dieses Glossars.
Latte ≠ Konterlatte ≠ Pfette¶
Aus zimmermannssprachlicher Sicht ist die saubere Trennung dieser drei Begriffe wichtig (siehe Abgrenzung):
- Latte (Traglatte): rechtwinklig zum Sparren, obere Lattenebene, trägt Eindeckung. Querschnitt 24/48 bis 40/60 mm.
- Konterlatte: parallel zum Sparren, untere Lattenebene,
schafft die Hinterlüftungsebene zwischen Unterdach und
Traglattung. Eigener Glossareintrag (
konterlatte). - Pfette: horizontaler Hauptträger des Dachtragwerks, Querschnitt ab 100/200 mm, trägt die Sparren. Geometrisch parallel zur Latte (beide horizontal, rechtwinklig zum Sparren), aber statisch und dimensional ein anderer Bauteiltyp.
Hinweis zu Marketingvarianten¶
„Solarlatte" und „Stahllatte" sind Produktbezeichnungen ohne normative Verankerung. Die „Solarlatte" ist eine in der Eindeckungs-Ebene installierte Halterung für Solarmodule, oft als Aluminiumprofil mit Lattenquerschnitt; sie ist kein Holzbauteil und in diesem Glossar nicht als Latte zu modellieren. Die „Stahllatte" ist ein Stahlprofil als Lattenersatz, ebenfalls außerhalb der Holzbau-Modellierung dieses Glossars.
Beziehungen¶
- Oberbegriff:
bauteil. Strukturell ist die Latte ein Bauteil mit der zusätzlichen Rolle „Latte" und den oben formalisierten geometrischen Constraints. - Bestandteile (partitiv, vom Bauteil geerbt):
- Bauteilachse (
bauteilachse.Gerade); - Querschnitt (rechteckig, liegend verlegt; Standardquerschnitte 24/48, 30/50, 40/60 mm);
- Werkstoff (Vollholz, Festigkeitsklasse C24 bzw. C30 entsprechend Sortierklasse S10/S13);
- Faserrichtung (Annotation, Default ‖ d_hat_Latte).
- Verwendung / Beziehung zu anderen Bauteilen:
- Sparren (
sparren): Auflager der Latte; die Latte liegt auf dem Sparren (ggf. über eine zwischengelegte Konterlatte), rechtwinklig zur Sparrenachse. - Konterlatte (Forward-Verweis, eigener Eintrag folgt): liegt parallel zum Sparren zwischen Sparrenoberseite und Latte; trägt die Latte, sofern eine Hinterlüftungsebene vorgesehen ist.
- Dachfläche (
dachflaeche): zugeordnete geometrische Bezugsebene; die Lattenachsen liegen in einer zu deren Trägerebene parallel-versetzten Ebene E'. - Dachaufbau (
dachaufbau): die Latte ist Bestandteil der FunktionsklasseTRAGLATTUNGdes Dachaufbaus. - Eindeckung (Forward-Verweis, eigener Eintrag folgt): liegt auf der Latte und überträgt ihre Lasten als Flächenlast in die Latte; das konkrete Eindeckungsmaterial (Ziegel, Schiefer, Blechprofil) bestimmt den Lattenabstand.
- Abgrenzung:
- Sparren (
sparren): geneigtes Stab-Bauteil entlang der Falllinie. Die Latte ist horizontal entlang einer Höhenlinie. Sparren und Latte sind rechtwinklig zueinander angeordnet (in der parallel-versetzten Ebene zur Trägerebene der Dachfläche). - Pfette (
pfette): horizontaler Hauptträger des Dachtragwerks; trägt Sparren (nicht die Eindeckung). Geometrisch parallel zur Latte (horizontal, rechtwinklig zum Sparren), aber Primärbauteil mit deutlich größerem Querschnitt (ab 100/200 mm) und größerem Achsabstand (1–5 m statt 16–40 cm). Die Latte liegt im Dachaufbau über der Sparrenoberseite, die Pfette unter dem Sparren als sein Auflager. - Konterlatte (
konterlatte, eigener Eintrag folgt): parallel zum Sparren statt rechtwinklig; andere Funktion (Hinterlüftung statt Eindeckungs-Auflage). Eigene Bauteilrolle. - Schalung / Brett (Forward-Verweise, eigene Einträge folgen): flächige Holzschalung (Bretter mit Querschnitt typisch h ≤ 40 mm, b ≥ 80 mm nach DIN 4070-1) als vollflächige Unterkonstruktion; die Latte hat nach DIN 4070-1 eine Breite < 80 mm und ist damit geometrisch kein Brett. Funktional ist die Schalung eine flächige Auflage, die Latte eine punktuell-lineare Auflage.
- Eindeckung (Forward-Verweis, eigener Eintrag folgt): die äußerste materielle Schicht des Dachaufbaus (Ziegel, Schindel, Blech), die auf der Latte aufliegt. Die Latte ist Auflager der Eindeckung, nicht selbst Eindeckung.
- Ziegel (Forward-Verweis, eigener Eintrag folgt): Einzelelement der Eindeckung; die Latte trägt eine Reihe von Ziegeln und definiert über ihren Achsabstand die Decklänge.
- Dachaufbau (
dachaufbau): die Latte ist Bestandteil einer Schicht (FunktionsklasseTRAGLATTUNG), nicht der gesamte Schichtaufbau. Der Dachaufbau ist das Schicht- Aggregat, die Latte ist das Einzelbauteil innerhalb der Lattungsschicht. - Dachfläche (
dachflaeche): zweidimensionales geometrisches Bauteil (Bezugsebene); die Latte ist ein Stab-Bauteil parallel-versetzt zu deren Trägerebene. - Dachhaut (
dachhaut): geometrische Hüllfläche über der Eindeckung. Die Latte liegt unter der Eindeckung und damit deutlich unterhalb der Dachhaut. - Höhenlinie (Forward-Verweis): mathematisches Korpus- Konzept (horizontale Schnittlinie einer geneigten Ebene mit einer Horizontalebene); die Lattenachse fällt mit einer Höhenlinie der parallel-versetzten Ebene E' zusammen.
- Bauteil (
bauteil): die Latte ist eine Spezialisierung von Bauteil mit zusätzlichen geometrischen Constraints; ein Bauteil ohne Bauteilrolle ist keine Latte.
Implementierungshinweis¶
Datentyp (Domänen-Schicht, Kotlin, Schicht domain.bauteil):
package domain.bauteil
import domain.Toleranzen
import domain.bauteil.Bauteil
import domain.bauteil.Bauteilachse
import domain.geometrie.Einheitsvektor
import domain.geometrie.Punkt
import kotlin.math.abs
/**
* Latte als Bauteilrolle: stabförmiges Sekundärbauteil quer auf
* Sparren als Auflage der Eindeckung.
*
* Glossar: hg_latte.md
*
* Vorzeichenkonvention: Die Bauteilachse ist gerichtet, aber welcher
* Endpunkt p_a bzw. p_e ist, ist nicht durch eine geometrische
* Bedingung festgelegt (analog zur Pfette). Empfehlung gemäß
* hg_bauteilachse.md: p_a nach lokaler Bezeichnungskonvention.
*/
data class Latte(
val bauteil: Bauteil,
val dachflaeche: Dachflaeche
) {
init {
require(bauteil.geometrie is Bauteilgeometrie.Stab) {
"Latte erfordert Stabgeometrie"
}
// Lage-, Horizontalitäts- und Orthogonalitäts-Bedingungen
// werden in der Factory latteAusBauteil(...) geprüft und
// liefern bei Verletzung ein Resultat.Fehler mit
// LatteEntartet-Variante (siehe unten).
}
val achse: Bauteilachse.Gerade
get() = (bauteil.geometrie as Bauteilgeometrie.Stab).achse
as Bauteilachse.Gerade
val laenge: Double get() = achse.laenge // mm
val richtung: Einheitsvektor get() = achse.richtung
val hoehe: Double // mm, mittlere z-Lage
get() = (achse.anfang.z + achse.ende.z) / 2.0
/**
* Horizontalitätsprädikat: |⟨d_hat, e_z⟩| ≤ KOLLINEAR_EPS.
*
* Sinus-Test gegen e_z-Parallelität; KOLLINEAR_EPS ist
* bevorzugt für Lot- und Parallelitäts-Prädikate
* (siehe hauptglossar/HG_KONVENTIONEN.md Sektion 4).
*/
fun istHorizontal(eps: Double = Toleranzen.KOLLINEAR_EPS): Boolean =
abs(richtung.z) <= eps
/**
* Rechtwinkligkeitsprädikat zur Sparrenachse:
* |⟨d_hat, d_hat_S⟩| ≤ KOLLINEAR_EPS.
*/
fun stehtRechtwinkligZuSparren(
sparren: Sparren,
eps: Double = Toleranzen.KOLLINEAR_EPS
): Boolean = abs(richtung.dot(sparren.richtung)) <= eps
}
sealed class LatteEntartet {
object Nullachse : LatteEntartet()
object NichtParallelZurDachflaeche: LatteEntartet()
object NichtHorizontal : LatteEntartet()
object NichtOrthogonalZumSparren : LatteEntartet()
object AusserStandardquerschnitt : LatteEntartet() // Warnung
object FlacheDachflaeche : LatteEntartet() // α = 0
}
- Einheit: Längen in mm (Double), Winkel intern in Radiant.
- Identität:
BauteilIdaus dem zugrunde liegenden Bauteil. - Invarianten (in der Factory
latteAusBauteil(...)prüfen, bei VerletzungResultat.FehlermitLatteEntartet-Variante; niemals Exception): - Stabgeometrie und Bauteilachse vom Typ
Bauteilachse.Gerade. - Achsenlänge > Toleranzen.LAENGE_EPS — sonst
Nullachse. - |⟨n_a, d_hat⟩| ≤ Toleranzen.KOLLINEAR_EPS — sonst
NichtParallelZurDachflaeche(Sinus-Test gegen Normalen- Parallelität). - |⟨d_hat, e_z⟩| ≤ Toleranzen.KOLLINEAR_EPS — sonst
NichtHorizontal(Sinus-Test gegen e_z-Parallelität). - |⟨d_hat, d_hat_S⟩| ≤ Toleranzen.KOLLINEAR_EPS für mindestens einen
Sparren S der Dachfläche — sonst
NichtOrthogonalZumSparren. - Dachfläche geneigt (α > 0) — sonst
FlacheDachflaeche(Sparrenrichtung undefiniert). - Optional/Warnung: Querschnitt ∈ { 24/48, 30/50, 40/60 mm }
— sonst
AusserStandardquerschnittals Hinweis, nicht als harter Fehler. - Edge Cases:
- Pultlatte am Pultdach: die zugeordnete Dachfläche besitzt nur eine einzige Sparrenrichtung (entlang der Falllinie der einzigen Dachfläche); Bedingung 4 wird gegen diese Sparrenrichtung geprüft. Definition unverändert anwendbar.
- Sehr flache Dachfläche (α → 0): Falllinie und damit
Sparrenrichtung werden entartet; in diesem Fall ist die
Latten-Modellierung nicht anwendbar (Flachdach hat keine
Lattung; siehe
dachaufbauEdge Case Flachdach mit FunktionsklasseABDICHTUNG). - Latte am Walm / am Grat: Latten enden an Grat- bzw. Kehlsparren auf Gehrung. Die geometrische Latten-Definition bleibt anwendbar; die Endpunkte p_a, p_e liegen auf der Schnittlinie der parallel-versetzten Ebene E' mit der benachbarten parallel-versetzten Ebene E''.
- Geschiftete Latte (Latte zwischen Schiftsparren auf einer Walmfläche): geometrisch identisch zur Standardlatte, nur kürzer.
- Ausser-Standard-Querschnitt (z. B. 50/30 mm hochkant statt liegend): Bedingung 7 schlägt mit Warnung an; die Latten-Definition bleibt geometrisch erfüllt.
- Abgeleitete Eigenschaften (als Funktionen):
getrageneSparrenIn(t: Tragwerk): List<Sparren>— Sparren int, deren Bauteilachse die Lattenbauteilachse innerhalb Toleranzen schneidet (Bemessungs-Hilfsfunktion).lattenabstandZuNachbar(l: Latte): Double?— Achsabstand zur Nachbarlatte entlang d_hat_S, falls beide auf derselben Dachfläche und parallel.faserneigung(): Double?— falls Faserrichtung gesetzt: Winkel zwischen Faserrichtung und Lattenachse; sonst null.- Bezeichner-Konvention (CLAUDE.md): Klasse heißt
Latte(deutsch, Glossarbegriff). Spezialisierungen sind nicht vorgesehen; „Traglatte" und „Dachlatte" sind Synonyme, keine Subtypen.
Quellen¶
Primär (normativ):
- SIA 232/1:2020, „Geneigte Dächer", Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein, Zürich.
- SIA 265:2021, „Holzbau", Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein, Zürich.
- SIA 265/2:2023, „Sortierung von Holz nach der Tragfähigkeit — Nadelschnittholz gemäss DIN 4074-1", Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein, Zürich.
- DIN EN 1995-1-1:2010-12, „Eurocode 5: Bemessung und Konstruktion von Holzbauten – Teil 1-1".
- DIN EN 14081-1:2019-10, „Holzbauwerke — Nach Festigkeit sortiertes Bauholz mit rechteckigem Querschnitt — Teil 1: Allgemeine Anforderungen".
- DIN 4074-1, „Sortierung von Holz nach der Tragfähigkeit — Teil 1: Nadelschnittholz".
- DIN 4070-1:1958-01, „Nadelholz; Querschnittsmaße und statische Werte für Schnittholz, Vorratskantholz und Dachlatten".
Sekundär:
- Lignum (Hrsg.): Lignatec — Geneigte Dächer in Holzbauweise. Lignum, Zürich, aktuelle Auflage.
- Lignum (Hrsg.): Holzbautabellen HBT. Lignum, Zürich, aktuelle Auflage.
- Mönck, W.; Rug, W.: Holzbau – Bemessung und Konstruktion.
- Auflage, Beuth, Berlin 2015.
- Natterer, J.; Herzog, T.; Volz, M.: Holzbau-Atlas. 4. Auflage, Birkhäuser, Basel 2003.
- Gerner, M.: Fachwerk – Instandsetzung, Sanierung, Neubau. DVA, 7. Auflage 2007.
Korpus (nicht autoritativ):
- Holzbau Deutschland, Merkblatt „Begriffe und Klassifizierungen für den Holzbau" (abgerufen 2026-05-14).
- Wikipedia, Lemma „Dachlatte" und „Konterlattung" (abgerufen 2026-05-14).
- DWDS, Duden, Lemma „Dachlatte".
- Adelung 1793, Lemma „Ziegellatte" (sprachhistorischer Beleg).