Auflager
Prosa-Definition¶
Ein Auflager ist ein Aggregat aus einer geometrischen Manifestation (Punkt-, Linien- oder Flächenort im Weltkoordinatensystem) und einer mechanischen Wertigkeit pro Freiheitsgrad, das genau ein gestütztes Bauteil mit dem Baugrund oder mit genau einem auflagernden weiteren tragenden Bauteil inzident verknüpft, eine eigene technische Identität trägt und die geometrische sowie kinematische Idealisierung der Stützungsstelle für die Tragwerksberechnung darstellt.
Mathematische Definition¶
Sei
- W das Weltkoordinatensystem (siehe
hg_weltkoordinatensystem.md), - 𝒰 der UUID-Raum nach
hg_uuid.md, - 𝓑 die Menge der Bauteile nach
hg_bauteil.md, - 𝓟 die Menge der Polygone nach
hg_polygon.md(Repräsentation einer Polygon-Fläche in ℝ³ mit Ebene und Eckpunktfolge), - 𝓓 := {0, 1, 2} die Menge der geometrischen Dimensionen (0 = Punkt, 1 = Linie, 2 = Fläche),
- 𝓜 die Menge der geometrischen Manifestationen
𝓜 := { (d, g) ∈ 𝓓 × (ℝ³ ∪ 𝓢 ∪ 𝓟)
| d = 0 ⇒ g ∈ ℝ³
d = 1 ⇒ g ∈ 𝓢 (Strecke nach `hg_strecke.md`)
d = 2 ⇒ g ∈ 𝓟 }
also ein Paar aus Dimension und dimensions-passendem
geometrischem Träger,
- 𝓕 := {fest, frei, federnd(k)} die Menge der Komponenten-
Wertigkeiten je Freiheitsgrad, wobei federnd(k) eine
lineare Federsteifigkeit k ∈ ℝ₊ trägt
(translatorisch in N/mm, rotatorisch in N·mm/rad),
- 𝓦 := 𝓕⁶ die Menge der Auflager-Wertigkeiten als
geordnetes 6-Tupel über den Freiheitsgraden
(Tx, Ty, Tz, Rx, Ry, Rz) im W-System,
- 𝓛𝓐 := {direkt, indirekt, ⊥} die Klassifikation der
Lagerungsart im Sinne der Baustatik-Konvention
direkt/indirekt; ⊥ für „nicht klassifiziert“,
- 𝓢𝓣 := {baugrund} ∪ 𝒰 die Menge der Stützungs-Gegenüber:
entweder der Baugrund (Welt-Rand) oder die UUID eines
weiteren tragenden Bauteils.
Dann ist ein Auflager das Tupel
A := (uuid, manifestation, gestuetztes_bauteil, gestuetzt_durch,
wertigkeit, lagerungsart, bezeichnung)
mit den Komponenten
- uuid ∈ 𝒰: technische Identität des Auflagers als Aggregat,
- manifestation = (d, g) ∈ 𝓜: geometrische Form und Träger in W (0D Punkt, 1D Linie, 2D Polygon),
- gestuetztes_bauteil ∈ 𝒰: UUID des durch das Auflager gestützten Bauteils b ∈ 𝓑,
- gestuetzt_durch ∈ 𝓢𝓣: Stützungs-Gegenüber (Baugrund oder UUID eines weiteren tragenden Bauteils),
- wertigkeit = (w_Tx, w_Ty, w_Tz, w_Rx, w_Ry, w_Rz) ∈ 𝓦: Komponenten-Wertigkeit pro Freiheitsgrad in W,
- lagerungsart ∈ 𝓛𝓐: Klassifikation direkt/indirekt (optional, ⊥ zulässig),
- bezeichnung ∈ String ∪ {⊥}: freier Anzeigename (optional).
Konsistenzbedingungen¶
(A1) Bauteil-Inzidenz: gestuetztes_bauteil ist die UUID
eines existierenden Bauteils im Modell; das Auflager ist
genau einem Bauteil zugeordnet (vgl. Tragwerks-Inzidenz-
Bedingung 2 in hg_tragwerk.md).
(A2) Geometrische Inzidenz: der geometrische Träger g der
Manifestation liegt auf dem Polyeder ∂P(b) des gestützten
Bauteils b oder auf einer ausgezeichneten Polygon-Fläche
desselben, im Toleranzbereich LAENGE_EPS. Für d = 0 heißt
das dist(g, ∂P(b)) ≤ LAENGE_EPS; für d = 1 muss die
Strecke vollständig auf ∂P(b) liegen; für d = 2 muss das
Polygon eine Teilfläche einer Polyeder-Face von b sein
(oder mit ihr im LAENGE_EPS-Sinn übereinstimmen).
(A3) Stützungs-Disjunktheit: falls
gestuetzt_durch ∈ 𝒰, gilt
gestuetzt_durch ≠ gestuetztes_bauteil (ein Bauteil stützt
sich nicht selbst).
(A4) Dimensionsverträglichkeit Wertigkeit ↔ Manifestation: die Wertigkeit muss mit der geometrischen Dimension d der Manifestation kompatibel sein in dem Sinne, dass mindestens ein translatorischer Freiheitsgrad gesperrt ist (sonst wäre das Auflager keine Stützung). Formal:
∃ i ∈ {Tx, Ty, Tz} : w_i ≠ frei.
Die rotatorischen Komponenten dürfen für d = 0 (Punkt- Auflager) konstruktiv nicht gleichzeitig alle gesperrt sein außer im Spezialfall einer expliziten 6-fachen Einspannung (z. B. eingespannter Stützenfuß im Beton-Köcher); für d ∈ {1, 2} sind weitere Sperrungen kinematisch zulässig.
(A5) Konsistenz mit Lagerungsart: falls
lagerungsart = direkt, muss die Manifestation auf einer
Druck-belasteten Bauteil-Fläche liegen (Polyeder-Face mit
ausgerichteter Innen-Normale gegen die Lasteinleitungsrichtung);
falls lagerungsart = indirekt, ist die Manifestation typisch
eine seitliche Anbindung mit Aufhängungs-Pfad. Diese Bedingung
ist zugesichert, nicht formal geprüft.
(A6) Toleranz-gestützte Identität: zwei Auflager a₁ ≠ a₂ am selben Bauteil dürfen identische geometrische Manifestationen tragen nur, wenn sich ihre Wertigkeiten unterscheiden; eine triviale Duplizierung (gleiche Manifestation und gleiche Wertigkeit) ist unzulässig.
Wohldefiniertheit¶
- Existenz: für jeden konkreten Stützungs-Ort eines Bauteils lässt sich das obige Tupel erfassen. Mindest- konfiguration: ein Sparrenfuß auf einer Fußpfette als Punktauflager (d = 0, g = Schwerpunkt der Kerv-Sohle in W, Wertigkeit = (fest, fest, fest, frei, frei, frei), lagerungsart = direkt, gestuetzt_durch = UUID der Fußpfette).
- Eindeutigkeit der Identität: die UUID des Auflagers ist unabhängig von der UUID seines gestützten Bauteils und von den UUIDs anderer beteiligter Bauteile. Mehrere Auflager können am selben Bauteil und am selben Stützungs-Gegenüber sitzen (Mehrfeld-Träger mit zwei Pfettenauflagern auf derselben Pfette).
- Mehrfach-Auflagerung eines Bauteils: zulässig — ein Sparren hat typisch zwei Auflager (Fuß- und Firstauflager bzw. Fuß- und Mittelpfettenauflager). Jedes Auflager ist eine eigene Aggregat-Instanz mit eigener UUID.
- Geometrische Repräsentanten: für d = 2 ist die Manifestation
durch ihr Polygon repräsentiert; verschiedene parametrisierte
Repräsentationen desselben geometrischen Polygons
(Eckpunktrotation, kombinatorisch äquivalent) führen auf
dasselbe Auflager. Die Wohldefiniertheit unter Eckpunkt-
Permutation folgt direkt aus der Polygon-Definition in
hg_polygon.md. - Wertigkeit als 6-Tupel im W-System: die Komponenten beziehen sich auf die Welt-Achsen (Tx ∥ e_x_W, …). Die Übersetzung in ein lokales Auflager-Koordinatensystem (z. B. mit Normalenrichtung der Manifestations-Fläche als ausgezeichneter Achse) ist eine abgeleitete Größe und nicht Teil der primären Definition.
- Federsteifigkeiten:
federnd(k)mitk ∈ ℝ₊;k = 0istfrei,k = ∞istfest. Die kontinuierliche Parametrisierung ist eine Verallgemeinerung der diskreten Klassifikation fest/frei und entspricht der IFC-Logik (IfcBoundaryConditionmitIfcLinearStiffness). - Geometrische und mechanische Lesart: die geometrische
Manifestation und die mechanische Wertigkeit sind getrennte
Felder des Aggregats; die App führt sie als zwei unabhängige
Achsen, konsistent mit der IFC-Trennung von
IfcStructuralConnection(Dimension) undIfcBoundaryCondition(Wertigkeit). Damit ist die in der Korpus-Sprache verwischte Drei-Schichtung Bearbeitung / Auflagefläche / Auflager im App-Modell durchsetzbar. - Nicht-Zirkularität: die Definition stützt sich auf die
bereits definierten Begriffe
bauteil,polyeder,polygon,punkt,vektor,einheitsvektor,uuid,weltkoordinatensystem,toleranzen. Sie verweist aufkerve,bearbeitung,verbindung,tragwerkausschließlich abgrenzend (Frontmatter-Feldabgrenzung_zu).
Erläuterung (nicht normativ)¶
Drei-Schichten-Trennung: Bearbeitung — Auflagefläche — Auflager¶
In der App werden drei begriffliche Schichten am selben physischen Sparrenfuß-Punkt sauber getrennt:
| Schicht | Glossarbegriff | Lebenszyklus | Beispiel am Sparrenfuß |
|---|---|---|---|
| Bearbeitung (geometrische Modifikation am Bauteil) | kerve (Spezialfall einer bearbeitung) |
Bauteil-gekoppelt (partitiv) | zweiflächiger Einschnitt am Sparren mit Sohle und Senkel |
| Auflagefläche (Polygon-Face am Bauteil-Polyeder, der nach Einbau auf der Trägerfläche liegt) | derzeit kein eigener Eintrag; im Auflager-Tupel als Polygon-Manifestation referenziert | Bauteil-gekoppelt (folgt aus Polyeder + Bearbeitung) | die Kerv-Sohle (Bleischnitt-Fläche) als Polygon-Face |
| Auflager (Idealisierung der Stützung) | dieser Eintrag | eigene UUID; Tragwerks-Bestandteil | Punkt- oder Flächenauflager mit Wertigkeit (fest, fest, fest, frei, frei, frei) am Schwerpunkt der Kerv-Sohle |
Die Korpus-Sprache („die Kerve ist das Auflager des Sparrens“) fasst diese drei Schichten zusammen; das App-Modell trennt sie, weil sie in unterschiedlichen Lebenszyklus-Klassen leben (die Kerve gehört zum Bauteil; das Auflager gehört zum Tragwerk) und unterschiedliche Information tragen (die Kerve trägt geometrische Form und Bemessungs-Bezug zur Querschnittsschwächung; das Auflager trägt Wertigkeit und Lastpfad-Ende).
Auflagerwertigkeits-Klassifikation¶
Die Klassifikation der Wertigkeit folgt der Statik-Lehrbuch- Tradition. Im ebenen Fall (zwei Translationen Tx, Ty plus eine Rotation Rz) ergeben sich drei Standard-Klassen:
| Bezeichnung | Wertigkeit (eben) | Gesperrte FHG | Reaktionen |
|---|---|---|---|
| Loslager / Gleitlager | 1 | 1 Translation | 1 Kraft |
| Festlager / Gelenklager | 2 | 2 Translationen | 2 Kräfte |
| Feste Einspannung | 3 | 2 Translationen + 1 Rotation | 2 Kräfte + 1 Moment |
Im räumlichen Fall (drei Translationen, drei Rotationen)
entsteht analog eine 6-stufige Skala bis zur 6-fachen
Einspannung. Die App-Wertigkeit ist als 6-Tupel
(Tx, Ty, Tz, Rx, Ry, Rz) modelliert; eine Komponente kann
fest, frei oder federnd(k) sein. Die Reduktion auf den
ebenen Fall ist eine abgeleitete Sicht und gehört in die
Bemessungs-Schicht (statisches_system).
Geometrische Dimension der Manifestation¶
Analog zur IFC-Familie IfcStructuralPointConnection /
CurveConnection / SurfaceConnection trägt das App-Auflager die
geometrische Dimension d ∈ {0, 1, 2} der Manifestation:
| Dimension | Beispiele im Holzbau |
|---|---|
| 0 — Punkt | Stützenfuß-Knoten, einzelner Sparrenfuß-Schwerpunkt, Pendelstützen-Auflager |
| 1 — Linie | Linienlager eines Trägers auf einer Mauerkrone, Auflager-Linie eines Plattenrandes |
| 2 — Fläche | Bodenplatte auf Erdreich, Brettsperrholz-Wand auf Streifenfundament, Sparrenauflage als Bleischnitt-Fläche |
Die Wahl der Dimension ist Modellierungs-Entscheidung; die App erlaubt für denselben Sparrenfuß sowohl die Punkt-Idealisierung (Schwerpunkt der Kerv-Sohle) als auch die Flächen-Idealisierung (die Kerv-Sohle selbst als 2D-Polygon). Beide sind valide geometrische Manifestationen desselben physischen Stützungs- Orts; sie unterscheiden sich in der Aussage zur Auflagerpressung (EC5 6.1.5: die Flächen-Idealisierung trägt die Auflagerlänge explizit, die Punkt-Idealisierung nicht).
Direkte vs. indirekte Lagerung¶
Die Baustatik-Konvention unterscheidet:
- Direkte Lagerung: die Auflagerkraft wird über Druckspannungen vom lastbringenden ins lasttragende Bauteil übertragen (Sparrenfuß auf Pfette als Druck rechtwinklig zur Faser). Im Holzbau die übliche und mechanisch vorteilhafte Variante.
- Indirekte Lagerung: das lastbringende Bauteil bindet seitlich in das lasttragende ein, ohne dass die vorteilhaften Druckspannungen entstehen; die Auflagerkraft muss in die Druckzone des tragenden Bauteils eingehängt werden (Aufhängungs-Pfad). Im Holzbau über Querzugverstärkung mit Vollgewindeschrauben realisiert; vermessungs- und bemessungs- technisch aufwendiger.
Die App führt diese Unterscheidung als optionales Klassifikations-
Merkmal lagerungsart. Bei lagerungsart = direkt muss die
geometrische Manifestation auf einer Polyeder-Face des gestützten
Bauteils liegen, deren Innen-Normale gegen die Lasteinleitungs-
Richtung zeigt (zugesicherte Konsistenzbedingung A5). Bei
lagerungsart = indirekt ist die Manifestation typisch eine
seitliche Linien- oder Flächen-Anbindung mit zusätzlich
verlangtem Aufhängungs-Nachweis in der Bemessungs-Schicht.
IFC-Mapping¶
| Aspekt | IFC 4.3 Pendant |
|---|---|
| Auflager als Aggregat | IfcStructuralConnection (abstrakt) mit GlobalId |
| Manifestation 0D | IfcStructuralPointConnection |
| Manifestation 1D | IfcStructuralCurveConnection |
| Manifestation 2D | IfcStructuralSurfaceConnection |
| Wertigkeit (6 Komponenten) | IfcBoundaryNodeCondition / IfcBoundaryEdgeCondition / IfcBoundaryFaceCondition (pro FHG fest/frei/federnd via IfcLinearStiffness) |
| Lagerreaktion | IfcStructuralReaction mit IfcStructuralLoadSingleForce (Fx, Fy, Fz, Mx, My, Mz) |
Die App-Aggregat-Struktur folgt damit eng dem IFC-4.3-Schema der Structural-Analysis-Domain. Die geometrische und die mechanische Achse sind in beiden Modellen orthogonal: das geometrische Subtyp-Trio Point/Curve/Surface trägt die Dimension; die Wertigkeit pro Freiheitsgrad trägt die Steifigkeits- Klassifikation. Das BTLx-Schema (design2machine) kennt keine eigene Auflager-Entität; Auflagerbezüge sind dort implizit über Processings und Part-Inzidenzen gegeben.
Auflager vs. Verbindung — verwandte, nicht-konkurrierende Sichten¶
Am Sparrenfuß-auf-Pfette-Punkt koexistieren zwei App- Aggregate, die denselben physischen Bauteil-Treffen aus verschiedenen Sichten erfassen:
- Verbindung (
hg_verbindung.md): das Aggregat aus beteiligten Bauteilen + Verbindungsmitteln (Sparrennägel, Sparren-Pfetten-Anker) + Nachweisverfahren auf der Anschluss-Bemessungs-Seite (EC5 Kap. 8, SIA 265 Anhang A). - Auflager (dieser Eintrag): das Aggregat aus geometrischer Manifestation + Wertigkeit auf der Tragwerks-Seite (EC5 Kap. 5, SIA 260 Lastpfad-Ende, IFC Structural Analysis Domain).
Beide Aggregate stehen an derselben Stelle in W und können sich
in ihrer Manifestation überlappen (die Kerv-Sohle als
Auflagefläche ist zugleich Teil der konstruktiv
verschraubten Verbindung). Sie sind aber nicht Synonyme;
die App führt sie als zwei getrennte UUIDs mit gegenseitiger
Referenz (Auflager.gestuetzt_durch kann auf ein Bauteil
zeigen, das zugleich Mitglied einer Verbindung ist).
Beziehungen¶
- Oberbegriff: derzeit
null(analogverbindung,tragwerk). Ein Oberbegriffbauteil_aggregatist ausdrücklich nicht mehr geplant; siehehg_tragwerk.md-Quellenkonflikt. - Bestandteile (partitiv):
- Geometrische Manifestation (Dimension d ∈ {0, 1, 2}
plus geometrischer Träger:
punkt,streckeoderpolygon). - Wertigkeit (6-Tupel über Freiheitsgraden, je {fest, frei, federnd(k)}).
- Lagerungsart (
{direkt, indirekt}, optional). - Stützungs-Gegenüber (Baugrund oder UUID eines weiteren tragenden Bauteils).
- Spezialisierungen nach Dimension (Folgearbeit, falls
benötigt; im aktuellen Glossar im
manifestation-Tupel aufgelöst): Punktauflager, Linienauflager, Flächenauflager. - Spezialisierungen nach Wertigkeit (Folgearbeit als Bemessungs-Schicht-Konzepte): Loslager, Festlager, feste Einspannung; sechs-Komponenten-Subklassen.
- Verwendung:
- Bestandteil eines Tragwerks (
tragwerk): in der Tupel-Repräsentation (B, V, A, L) ist A die Menge der Auflager. Die Tragwerks-Inzidenz-Bedingung 2 verlangt, dass jedes Auflager genau einem Bauteil zugeordnet ist. - Abgrenzung:
- Kerve (
kerve): Bearbeitung am Sparren-Polyeder (partitiv, Bauteil-gekoppelt). Die Kerv-Sohle kann geometrische Manifestation eines Auflagers sein, ist aber selbst kein Auflager. Bearbeitung und Auflager sind unterschiedliche Lebenszyklus-Schichten. - Bearbeitung (
bearbeitung): allgemeiner Oberbegriff der Kerve. Bearbeitungen sind subtraktive Modifikationen des Bauteil-Polyeders; sie sind nie selbst Auflager. - Verbindung (
verbindung): Aggregat auf der Anschluss-Bemessungs-Seite. Auflager und Verbindung koexistieren am selben physischen Bauteil-Treffen, sind aber unterschiedliche Sichten und unterschiedliche Aggregate mit eigener UUID. - Verbindungsmittel (
verbindungsmittel): einzelnes kraftübertragendes Element (Schraube, Nagel, Anker). Verbindungsmittel sind nicht Auflager; sie sind Bestandteil einer Verbindung. - Tragwerk (
tragwerk): das übergeordnete Aggregat, dessen A-Komponente die Menge der Auflager ist. Ein Auflager ist Bestandteil eines Tragwerks; es ist nicht selbst Tragwerk. - Bauteil (
bauteil): ein Auflager ist kein Bauteil, sondern ein Aggregat, das ein Bauteil mit dem Baugrund oder mit einem weiteren tragenden Bauteil verknüpft. - Auflagefläche (Korpus-Begriff, kein eigener Eintrag geplant): die geometrische Manifestation eines Flächenauflagers; nicht eigenständiges App-Begriff, sondern Manifestations-Komponente innerhalb des Auflager- Tupels (siehe Quellenkonflikt-Block, „Auflagefläche“).
- Lastfall (
lastfall, bereits angelegt): Aggregat aus Bemessungssituation, Leiteinwirkung und Begleiteinwirkungen. Auflager ist Lastpfad-Ende, Lastfall ist Lastpfad-Anfang; beide sind Bestandteile der Tragwerks-Tupel-Komponenten A und L. - Statisches System (
statisches_system, bereits angelegt): die bemessungstechnische Idealisierung des Tragwerks mit Punkt-Stab-Modell, Knoten und Auflagerklassen. Auflager ist die bauteilbezogene Idealisierung in W; das statische System ist eine darüber gelegte Bemessungs-Abstraktion. - Konstruktionsdetail (
konstruktionsdetail, bereits angelegt): plan-orientiertes Aggregat über Verbindung, Auflager und Bearbeitungen am selben Knotenpunkt. Auflager ist die statisch-mechanische Sicht, Konstruktionsdetail die werkplan-orientierte Sicht am selben Knoten.
Implementierungshinweis¶
Datentyp (Domänen-Schicht, Kotlin, Schicht
domain.aggregat.auflager):
package domain.aggregat.auflager
import domain.geometrie.Polygon
import domain.geometrie.Punkt
import domain.geometrie.Strecke
import java.util.UUID
/** Komponenten-Wertigkeit je Freiheitsgrad. */
sealed interface KomponentenWertigkeit {
data object Fest : KomponentenWertigkeit
data object Frei : KomponentenWertigkeit
/** Lineare Federsteifigkeit; translatorisch N/mm, rotatorisch N·mm/rad. */
data class Federnd(val steifigkeit: Double) : KomponentenWertigkeit
}
/** Wertigkeit als 6-Tupel über (Tx, Ty, Tz, Rx, Ry, Rz) im W-System. */
data class AuflagerWertigkeit(
val tx: KomponentenWertigkeit,
val ty: KomponentenWertigkeit,
val tz: KomponentenWertigkeit,
val rx: KomponentenWertigkeit,
val ry: KomponentenWertigkeit,
val rz: KomponentenWertigkeit
) {
/**
* Anzahl gesperrter Freiheitsgrade (alle nicht-`Frei` Komponenten).
* Wird vom statischen System (`hg_statisches_system.md` Abzählformel
* `n = a + s + z − 6·k`) als Summand `a` benötigt.
*/
fun gesperrteFhg(): Int =
listOf(tx, ty, tz, rx, ry, rz)
.count { it !is KomponentenWertigkeit.Frei }
}
/** Geometrische Manifestation mit Dimensions-typisiertem Träger. */
sealed interface AuflagerManifestation {
val dimension: Int // 0, 1 oder 2
data class Punktfoermig(val ort: Punkt) : AuflagerManifestation { override val dimension = 0 }
data class Linienfoermig(val linie: Strecke) : AuflagerManifestation { override val dimension = 1 }
data class Flaechenfoermig(val flaeche: Polygon): AuflagerManifestation { override val dimension = 2 }
}
/** Lagerungsart nach Baustatik-Konvention. */
sealed interface Lagerungsart {
data object Direkt : Lagerungsart
data object Indirekt : Lagerungsart
data object Unbekannt: Lagerungsart
}
/** Stützungs-Gegenüber: Baugrund oder weiteres tragendes Bauteil. */
sealed interface StuetzungsGegenueber {
data object Baugrund : StuetzungsGegenueber
data class TragendesBauteil(val bauteilUuid: UUID) : StuetzungsGegenueber
}
/**
* Auflager: Aggregat aus geometrischer Manifestation und mechanischer
* Wertigkeit, das genau ein Bauteil mit dem Baugrund oder mit genau
* einem weiteren tragenden Bauteil inzident verknüpft.
*
* Glossar: hg_auflager.md
*
* NICHT Subtyp von Element. Eigene Aggregat-Klasse, analog Verbindung
* und Tragwerk.
*
* IFC: IfcStructuralConnection (Point/Curve/SurfaceConnection) plus
* IfcBoundaryCondition (Node/Edge/Face) als AppliedCondition.
* BTLx: keine eigene Entität.
*/
data class Auflager(
val uuid: UUID, // eigene Identität als Aggregat
val manifestation: AuflagerManifestation, // 0D/1D/2D in W
val gestuetztesBauteil: UUID, // FK auf das gestützte Bauteil
val gestuetztDurch: StuetzungsGegenueber, // Baugrund oder FK auf tragendes Bauteil
val wertigkeit: AuflagerWertigkeit, // 6-Tupel pro FHG
val lagerungsart: Lagerungsart = Lagerungsart.Unbekannt,
val bezeichnung: String? = null
) {
init {
// A1. gestuetztesBauteil existiert im Modell (Modell-Validierung)
// A2. manifestation.traegerLiegtAuf(bauteil, eps) (Modell-Validierung)
// A3. gestuetztDurch != TragendesBauteil(gestuetztesBauteil)
// A4. mindestens ein translatorischer FHG ist nicht Frei
// A5. lagerungsart-Konsistenz (zugesichert, nicht hart)
// A6. Keine triviale Duplizierung mit anderem Auflager am selben Bauteil
}
}
- Einheit: Längen in mm (Double); Federsteifigkeiten translatorisch in N/mm, rotatorisch in N·mm/rad; geometrische Träger im W-System.
- Identität:
uuidist Pflicht und eigenständig (eigene UUID des Aggregats, nicht eine UUID eines Bauteils oder einer Bearbeitung). - Foreign-Key-Regel:
gestuetztesBauteilund ggf. das Bauteil inStuetzungsGegenueber.TragendesBauteilreferenzieren ausschließlich UUIDs (Memoryproject_bauteil_identifikation). - Invarianten (in der Aggregat-Fabrikfunktion
Auflager.bilde(modell: Modell, …)geprüft; bei VerletzungResultat.Fehler, niemals Exception): gestuetztesBauteilexistiert im Modell ⇒ sonstEntartet.BauteilUnbekannt.- Geometrische Inzidenz (A2) im Toleranzbereich
Toleranzen.LAENGE_EPS⇒ sonstEntartet.ManifestationNichtAmBauteil. - Stützungs-Disjunktheit (A3) ⇒ sonst
Entartet.SelbstStuetzung. - Mindestens ein translatorischer Freiheitsgrad
≠
Frei(A4) ⇒ sonstEntartet.OhneStuetzung. - Edge Cases:
- Punktauflager mit voller Einspannung (alle 6
Komponenten
Fest): zulässig (Köcherstütze, Sockel- Einspannung). - Flächenauflager mit nur einer translatorischen Sperrung (typisch Tz fest, Tx/Ty frei): zulässig als Loslager-Idealisierung einer durchlaufenden Bodenplatte.
- Indirekte Lagerung: zulässig;
lagerungsart = Indirekt; geometrische Manifestation typisch seitliche Linien- oder Flächen-Anbindung. - Mehrfach-Auflagerung eines Bauteils: zulässig; jedes Auflager ist eigene Aggregat-Instanz mit eigener UUID.
- Auflager auf demselben tragenden Bauteil mit
identischer Manifestation und Wertigkeit: nicht
erlaubt (A6);
Entartet.TrivialeDuplizierung. - Federsteifigkeit 0 / ∞:
Federnd(0.0)ist semantischFrei;Federnd(Double.POSITIVE_INFINITY)istFest. Beim Aggregat-Aufbau in die kanonische Form normalisieren. - Toleranz-Anwendung (siehe
hg_toleranzen.md§4): - Geometrische Inzidenz (A2):
LAENGE_EPS. - Polygon-Identität in der Manifestation:
LAENGE_EPSauf Eckpunkten. - Federsteifigkeits-Vergleich (für die Normalisierung
Federnd(0) → Frei):NORM_EPS-analog mit explizitem Default1e-12an der App-KonstanteAuflagerToleranzen.FEDER_EPS— Folgearbeit inhg_toleranzen.md, falls die Anwendung breit wird. - IFC-Export-Mapping:
manifestation.dimension = 0→IfcStructuralPointConnection.manifestation.dimension = 1→IfcStructuralCurveConnection.manifestation.dimension = 2→IfcStructuralSurfaceConnection.wertigkeit→AppliedConditionmitIfcBoundaryNodeCondition/IfcBoundaryEdgeCondition/IfcBoundaryFaceCondition(dimensions-passend).Fest→IfcBoolean(.TRUE.),Frei→IfcBoolean(.FALSE.),Federnd(k)→IfcLinearStiffness(k)mit passender Einheit.gestuetztesBauteil→IfcRelConnectsStructuralMember- Beziehung zwischenIfcStructuralConnectionund demIfcStructuralMemberdes Bauteils.- BTLx-Export: keine eigene Entität; das Auflager wird
beim BTLx-Export nicht ausgegeben. Optional kann es als
UserAttribute(SupportGuid) am beteiligten Bauteil-Part vermerkt werden. - Abgeleitete Eigenschaften (als Funktionen, keine Felder):
geometrieInWelt(): GeometrieInW— der geometrische Träger der Manifestation im W-System.dimensionalitaet(): Int—manifestation.dimension∈ {0, 1, 2}.istIdealFest(): Boolean— alle 6 Wertigkeits- Komponenten =Fest.istLoslager(): Boolean— genau ein translatorischer FHGFest, alle übrigenFrei.istFestlager(): Boolean— alle drei translatorischen FHGFest, alle drei rotatorischenFrei.auflagerlaenge(): Double?— für Flächen- und Linien- Auflager die Auflagerlänge ℓ (EC5 6.1.5) als Bemessungs- Größe; für Punktauflagernull.- Bezeichner-Konvention (siehe
docs/_CODE_KONVENTIONEN.md): Domänen-Klasse heißtAuflager(deutsch, Glossarbegriff). SynonymeLagerundStützungwerden im Code nicht als eigene Klassen geführt, sondern erscheinen ausschließlich als KDoc-Stichworte zuAuflager.
Quellen¶
Primär (normativ):
- ISO 16739-1:2024, „Industry Foundation Classes (IFC) for data
sharing in the construction and facility management industries
– Part 1: Data schema“ (IFC 4.3), Structural-Analysis-Domain-
Entitäten
IfcStructuralConnection,IfcStructuralPointConnection,IfcStructuralCurveConnection,IfcStructuralSurfaceConnection,IfcBoundaryCondition(SubtypenIfcBoundaryNodeCondition,IfcBoundaryEdgeCondition,IfcBoundaryFaceCondition),IfcStructuralReaction,IfcStructuralLoadSingleForce. - DIN EN 1990:2010-12, „Eurocode: Grundlagen der Tragwerksplanung“, Abschnitt 1.5.
- DIN EN 1995-1-1:2010-12, „Eurocode 5: Bemessung und Konstruktion von Holzbauten – Teil 1-1“, Abschnitte 6.1.5 und 6.5.
- SIA 260:2013, „Grundlagen der Projektierung von Tragwerken“, Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein, Zürich.
- SIA 265:2021, „Holzbau“, Abschnitt 5 und Anhang B.
- DIN 1052:2008-12, „Entwurf, Berechnung und Bemessung von Holzbauwerken“, Abschnitt 12.
Sekundär:
- Petersen, Chr.: Statik und Stabilität der Baukonstruktionen. Vieweg, Braunschweig (Lehrbuch-Klassifikation Loslager / Festlager / Einspannung).
- Schneider, K.-J.; Albert, A.: Bautabellen für Ingenieure.
- Aufl., Bundesanzeiger Verlag, Köln 2024.
- Mönck, W.; Rug, W.: Holzbau – Bemessung und Konstruktion.
- Aufl., Beuth, Berlin 2015, Kap. 11.
- Blass, H. J.; Sandhaas, C.: Ingenieurholzbau – Grundlagen der Bemessung. KIT Scientific Publishing, Karlsruhe 2016, Kap. 5 und 8.
- Natterer, J.; Herzog, T.; Volz, M.: Holzbau-Atlas. 4. Aufl., Birkhäuser, Basel 2003.
- Baustatik-Wiki Wismar: „Direkte und indirekte Lagerung“ (Hochschule Wismar, online).
- Wikipedia, Lemma „Lager (Statik)“ (abgerufen 2026-05-14).
Korpus (nicht autoritativ):
- Wikipedia, Lemma „Sparren“ (abgerufen 2026-05-14): geometrische Korpus-Lesart „Pfette als waagerechtes Auflager der Sparren“.
- holzbau-system.de, Lemma „Sparren“ (abgerufen 2026-05-14).
- baubeaver.de, Lemma „Pfetten“ und Lemma „Auflagerpressung“ (abgerufen 2026-05-14).
- zimmerer-treff.com, „Sparrenverbindungen“ (abgerufen 2026-05-14).
- D.I.E.-Statik, „Sparrenauflager Pfette genagelt“ (abgerufen 2026-05-14).
- Recherche-Bericht:
docs/recherche/2026-05-14_hg_auflager.md.