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Dachabdichtung

Prosa-Definition

Eine Dachabdichtung ist die äußerste materielle Schicht eines Flachdaches oder eines genutzten geneigten Daches, gebildet aus einer durchgehenden, fugenlos oder durch werksgeprüfte Naht- und Anschluss- Systeme verbundenen Bahnen- oder Flüssigkunststoff-Schicht, die den Niederschlag wasserdicht gegen einen norm- oder produkt- spezifischen Wasserdruck zurückhält und nicht — wie die Eindeckung — die Regensicherheit aus dem schuppigen Ableiten über die Dachneigung gewinnt.

Mathematische Definition

Sei

  • D = (E, P, n_a) eine Dachfläche im Sinne von dachflaeche mit Trägerebene E, Umrisspolygon P und nach außen gerichteter Einheits-Normalen n_a ∈ S²,
  • α(D) = arccos(⟨n_a, e_z⟩) ∈ [0, π/2) die Dachneigung von D im Sinne von dachneigung,
  • A = (𝒟, 𝒮, H) ein Dachaufbau im Sinne von dachaufbau mit Trägerflächen-Familie 𝒟 = { D₁, …, D_m }, geordneter Schichtfolge 𝒮 = (S₁, …, S_k) von innen nach außen und abgeleiteter Dachhaut H im Sinne von dachhaut,
  • F := ⋃_{i=1..m} F(P_i) ⊂ ℝ³ der Trägerbereich des Aufbaus,
  • h_max ∈ ℝ_{≥0} ∪ { +∞ } (in mm) die zulässige Wasserdruck-Höhe der Abdichtungs-Bauart als frei wählbare Tupel-Komponente.

Eine Dachabdichtung ist die äußerste Schicht S_k ∈ 𝒮 eines Dachaufbaus A genau dann, wenn:

  1. Außenposition: S_k ist die nach außen weisende, am höchsten gelegene Schicht des Aufbaus; die obere Hüllfläche der Außenseite von S_k ist die Dachhaut H = H(A) im Sinne von dachhaut.
  2. Durchgehende Trägerschicht: Die Realisierung von S_k über dem Trägerbereich F ist eine flächig zusammenhängende, einfach überdeckende Punktmenge M_k ⊂ ℝ³, die für jeden Punkt q ∈ F die vertikale Halbgerade { q + t·e_z | t ≥ 0 } in genau einem zusammenhängenden Intervall trifft. (Geometrische Konsequenz: keine Überlappungs-Hierarchie aus diskreten Einzelelementen wie bei der Eindeckung; die Schicht ist topologisch eine Mannigfaltigkeit über F, ggf. unterteilt in Bahnen mit werksgeprüften Nähten N ⊂ M_k.)
  3. Wasserdichtheit gegen Druckwasser h: Für jede Wasserdruck-Höhe h ≤ h_max(S_k) hält S_k einer stehenden Wassersäule der Höhe h stand, ohne dass Wasser durch S_k in die darunterliegende Schicht S_{k−1} eindringt. Die Wasserdichtheit ist Eigenschaft der Schicht selbst, nicht Funktion der Dachneigung α(D_i).
  4. Neigungs-Unabhängigkeit der Funktion: Die Funktion „wasserdicht" ist erfüllt für jede zulässige Dachneigung α(D_i) ∈ [0, α_obergrenze] mit α_obergrenze norm- bzw. produktspezifisch (typisch: α_obergrenze entsprechend einer Steigung bis ca. 5 % bei nicht genutzten Dächern, deutlich höher bei genutzten geneigten Dachflächen wie Balkonen/Loggien/Laubengängen nach DIN 18531-5).

Die Dachabdichtung ist dann das Tripel

Dachabdichtung := (S_k, h_max, μ)

mit S_k als der Schicht-Funktionsklasse (im Sinne der Aufbau- Funktionsenumeration ABDICHTUNG), h_max als der norm-/produkt- spezifischen Druckwasser-Schwelle und μ als dem Material-System (Bitumen, Kunststoff/Elastomer, Flüssigkunststoff).

Wohldefiniertheit

  • Existenz. Für jeden Dachaufbau A = (𝒟, 𝒮, H) mit Außenabschluss S_k.funktion = ABDICHTUNG und vorgegebener Druckwasser-Schwelle h_max ∈ ℝ_{≥0} ∪ { +∞ } existiert genau eine Dachabdichtung als äußerste Schicht des Aufbaus.
  • Eindeutigkeit. S_k ist als letztes Element der geordneten Liste 𝒮 eindeutig bestimmt; die Wahl des Material-Systems μ und der Schwelle h_max ist Modellierungsentscheidung der Domänen-Schicht, die obigen Bedingungen sind invariant unter unterschiedlichen Realisierungen.
  • Trägerbezug. Die Dachabdichtung ist über demselben Trägerbereich F = ⋃_i F(P_i) definiert wie der zugrunde liegende Aufbau A; sie hat keine eigenständige geometrische Erstreckung jenseits des Aufbaus.
  • Konsistenz mit dachhaut. Die Dachhaut H ist die obere Hüllfläche der äußeren Punktmenge der Dachabdichtung; sie wird in dachhaut als Funktion der Punktwolke der äußersten Schicht konstruiert. Hier ist diese Punktwolke die äußere Seite von M_k. Anders als bei der Eindeckung ist M_k topologisch eine Mannigfaltigkeit (ohne Überlappungs-Diskontinuität); die Konstruktion ist konsistent und führt zu der Dachhaut des umfassenden Aufbaus.
  • Konsistenz mit dachneigung. Im Gegensatz zur Eindeckung (Bedingung α ≥ α_min(S_k) > 0) gibt es keine untere material-spezifische Mindestneigung; die Abdichtung funktioniert auch bei α = 0 (Flachdach). Eine obere Schranke α_obergrenze existiert nur in der Praxis (verarbeitungs- und ablauftechnisch), nicht in der Definition.
  • Grenzfall α = 0 (Flachdach). Bedingung 4 ist für α = 0 explizit erfüllt; die Dachabdichtung ist gerade die zentrale Schicht des Flachdaches.
  • Abgrenzungs-Konsistenz mit eindeckung. Die Eindeckung erfordert Bedingung 3 ihrer Definition (schuppige Struktur mit Überlappungs- relation ≻) und Bedingung 4 (Regensicherheit über Neigung, nicht flächige Wasserundurchlässigkeit). Die Dachabdichtung verlangt umgekehrt Bedingung 2 (durchgehende Mannigfaltigkeit ohne Überlappungs-Hierarchie) und Bedingung 3 (Wasserdichtheit gegen Druckwasser, nicht über Neigung). Eine Schicht S_k kann höchstens eine der beiden Definitionen erfüllen; Eindeckung und Dachabdichtung sind im Glossar exklusiv.
  • Nicht-Zirkularität. Die Definition verwendet die Primitive Punkt, Vektor, Halbgerade, Punktmenge sowie die bereits definierten Begriffe dachflaeche, dachneigung, dachaufbau, dachhaut. Sie verweist auf eindeckung, unterdach, dampfsperre, bauwerksabdichtung, dachbegruenung, flachdach, bekiesung und schicht nur erläuternd und abgrenzend, nicht definitorisch.

Erläuterung (nicht normativ)

Die Dachabdichtung ist im DACH-Korpus die Werkstoff-getragene äußerste Schicht eines Flachdaches oder eines genutzten Daches. Sie übernimmt allein — ohne Zwischenstufe einer wasserführenden zweiten Ebene wie beim geneigten Dach — die volle Wetterabwehr; sie leistet Wasserdichtheit gegen Druckwasser, nicht nur Regensicherheit. Diese normative Trennung zur Eindeckung ist seit der Ausgabe 2019 von VOB Teil C auf Norm-Titel-Ebene vollzogen: DIN 18336 trägt seither nur noch den Kurztitel „Abdichtungsarbeiten", DIN 18338 nur noch „Dachdeckungsarbeiten". In der Schweiz besteht die Trennung zwischen SIA 271 (Abdichtungen von Hochbauten) und SIA 232/1 (Geneigte Dächer) seit jeher, in Österreich entsprechend zwischen ÖNORM B 3691 (Dachabdichtung) und ÖNORM B 4119 (geneigtes Dach).

Subtypen (sealed-Hierarchie pro Material)

Die Dachabdichtung wird im Glossar als generischer Oberbegriff geführt; je Material existiert ein Subtyp mit material-spezifischen Bauart- Parametern (Lagigkeit, Befestigung, Harzsystem, Wurzelfestigkeit). Drei Subtypen sind durch DIN 18531-2, DIN 18336 und ÖNORM B 3691 stoffsystematisch belegt:

  • Bitumenabdichtung (Stoffnorm DIN EN 13707) — mehrlagig, geschweißt (Flammenschweißung) oder vollflächig geklebt; übliche Lagigkeit zwei Lagen, in Sondersituationen drei Lagen. Bituminöse Bahnen sind nicht naturwurzelfest; bei Begrünung Wurzelschutz separat erforderlich.
  • Kunststoff-/Elastomerabdichtung (Stoffnorm DIN EN 13956) mit Untergruppen:
  • PVC-P (weichmacherhaltiges PVC) — mechanisch befestigt oder vollflächig verklebt.
  • FPO / TPO (flexibles bzw. thermoplastisches Polyolefin) — weichmacherfrei, heiß verschweißt.
  • EPDM (Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk) — Elastomer, großformatige Bahnen, geklebt oder mechanisch befestigt.
  • ECB (Ethylencopolymerisat-Bitumen) — Polymer-modifizierte Bitumen-Hybride.

Bauart überwiegend einlagig; oft FLL-/EN-13948-wurzelfest in Werks-Spezifikation. - Flüssigkunststoffabdichtung — flüssig aufgetragenes Harzsystem PMMA (Polymethylmethacrylat), PUR (Polyurethan) oder UP (ungesättigte Polyester) mit Verstärkungs-Vlies. Im Geltungsbereich DIN 18531 zugelassen über ETA auf Basis ETAG 005; nahtlos ausgeführt, Mindest-Schichtdicke in der 2025er-Norm regelhaft 2,1 mm. Einsatz vorrangig Detail-Abdichtung (Durchdringungen, Anschlüsse), zunehmend flächige Sanierung.

Begrünung ist bewusst kein Subtyp. Eine Dachbegrünung (FLL-Richtlinie 2018) ist eine Schichtfolge oberhalb der Abdichtung (Schutzlage / Drainage / Filtervlies / Substrat / Vegetation) mit typologischer Unterscheidung extensiv (≤ 15 cm Substrat, Sedum/Moos) gegen intensiv (≥ 25 cm Substrat, Stauden/Sträucher/Bäume). Die unterliegende Abdichtung muss lediglich wurzel- und rhizomfest sein (FLL-Prüfzeugnis oder zusätzliche Wurzelschutzfolie nach DIN EN 13948). Im App-Modell ist Begrünung damit Aufbau-Schicht im dachaufbau oberhalb der Dachabdichtung, nicht Material-Subtyp.

Bauart-Topologie (Warmdach / Umkehrdach / Duodach / Plusdach)

ÖNORM B 3691 und die DACH-Branchenpraxis kennen orthogonal zur Material-Achse eine Bauart-Topologie, die durch die Anordnung von Dämmung und Abdichtung definiert ist:

Bauart Anordnung (von innen nach außen) Bemerkung
Warmdach Tragwerk → Dampfsperre → Dämmung → Abdichtung einschalig; häufigste Bauweise
Umkehrdach Tragwerk → Abdichtung → Dämmung (XPS) → Auflast Abdichtung unter der Dämmung, geschützt durch sie
Duodach Warmdach + zusätzliche XPS-Dämmung über der Abdichtung Misch-Bauart
Plusdach Umkehrdach + zusätzliche Dämmung unter der Abdichtung Verstärkungs-Variante

Diese Topologie ist nicht Subtyp der Dachabdichtung, sondern eine Eigenschaft des umfassenden dachaufbau. Im App-Modell wird sie über die Reihenfolge der Schicht-Funktionen im dachaufbau abgebildet und gegebenenfalls über eine Bauart-Sicht klassifiziert.

Anwendungs- und Einwirkungsklassen — historischer Status

Die in der 2017er-Ausgabe DIN 18531-1 geführten Anwendungsklassen K1 (Standard) / K2 (erhöhte Anforderungen) und Einwirkungsklassen I/II (mechanisch) bzw. A/B (thermisch) sind in der Neufassung DIN 18531-1:2025-08 ersatzlos entfallen (siehe Quellenkonflikt- Block, Sektion 2). Die App führt diese Klassen daher nicht als sealed-Hierarchie der Dachabdichtung; Bestands- und Sanierungsfälle, die noch in K1/K2- bzw. I/II/A/B-Terminologie dokumentiert sind, werden über eine parametrische Sicht klassifiziereNachAnwendungsklasse(abd, nutzung, neigung, norm) abgebildet, die für AbdichtungsNorm.DIN_18531_2017 die alte Klassifikation materialisiert und für AbdichtungsNorm.DIN_18531_2025 null zurückgibt.

IFC-Pendant

Im IFC-Schema entspricht der Dachabdichtung IfcCovering mit PredefinedType = ROOFING. Die App-Asymmetrie zur DACH-Normwelt ist, dass IFC auf der Enum-Ebene nicht zwischen schuppiger Eindeckung und durchgehender Abdichtung trennt — beide tragen denselben Enum-Wert ROOFING. Die Unterscheidung leitet die App aus dachneigung (Flachdach vs. geneigtes Dach) und Material-Topologie ab; das Material-System wird über IfcRelAssociatesMaterial und IfcMaterialLayerSet getragen. Eine MEMBRANE-Klassifikation der Dachabdichtung wäre eine abweichende Lesart, die im IFC-Definitions- Text nicht direkt belegt ist (dort ist MEMBRANE auf Sub-Eindeckungs- Membranen unterhalb einer schuppigen Eindeckung und auf Damp-Proof-Course-Membranen bezogen).

Beziehungen

  • Oberbegriff: schicht (gemeinsamer Sammelbegriff für die einzelnen Schichten des Dachaufbaus, im selben R-Schritt angelegt).
  • Bestandteil von: dachaufbau (als äußerste Schicht S_k einer geordneten Schichtfolge mit funktion = ABDICHTUNG); dach (mittelbar über den Dachaufbau).
  • Spezialisierungen (sealed, trigger-basiert):
  • Bitumenabdichtung (Stoffnorm DIN EN 13707).
  • Kunststoffabdichtung mit Subgruppen PVC-P, FPO/TPO, EPDM, ECB (Stoffnorm DIN EN 13956).
  • Flüssigkunststoffabdichtung mit Harzsystemen PMMA, PUR, UP (ETA auf Basis ETAG 005).
  • Abgrenzung:
  • schicht (Forward-Verweis A — gemeinsamer Oberbegriff, parallel entstehend): generischer Schicht-Wrapper im dachaufbau; die Dachabdichtung ist die spezielle Schicht mit funktion = ABDICHTUNG.
  • eindeckung: die schuppige, regensichere äußerste Schicht des geneigten Daches. Eindeckung wird gewählt, wenn α ≥ α_min(S_k) eines Eindeckungs-Materials und die Schicht aus diskreten Einzelelementen mit Überlappungs-Relation aufgebaut ist; Dachabdichtung wird gewählt, wenn die Schicht eine durchgehende Mannigfaltigkeit ist und Wasserdichtheit gegen Druckwasser leistet. Die beiden Definitionen sind exklusiv.
  • unterdach: die zweite wasserführende Ebene unterhalb der Eindeckung am geneigten Dach. Bauteilrechtlich getrennt: das Unterdach steht unter einer Eindeckung, die Dachabdichtung ist selbst äußerste Schicht. Funktions-Äquivalenz besteht zur CH-Klasse „ausserordentlich beanspruchtes Unterdach" (wasserdicht, verschweißte Bahnen), die der Material-Anforderung einer Dachabdichtung gleichkommt; die App führt beide Begriffe dennoch getrennt.
  • dachhaut: die geometrische, fiktive Hüllfläche über der Dachabdichtung. Die Dachhaut ist Geometrie (kein materielles Bauteil); die Dachabdichtung ist Material. Die Dachhaut wird aus der äußeren Punktmenge der Dachabdichtung konstruiert.
  • dachaufbau: die gesamte geordnete Schichtfolge oberhalb des Tragwerks. Die Dachabdichtung ist nur die äußerste Schicht dieses Aufbaus, nicht der Aufbau selbst.
  • dachflaeche: die geometrische, dickenlose Bezugsebene unter dem Dachaufbau. Die Dachabdichtung liegt über der Dachfläche im Halbraum der äußeren Normalen.
  • bauwerksabdichtung (Forward-Verweis A — eigene Begriffsfamilie, Trigger: erste erdberührte Schicht-Modellierung): die wasserdichte Schicht an erdberührten Bauteilen (Keller, Tiefgarage, Nassraum) nach DIN 18533 (DE), SIA 270 (CH). Bauteilrechtlich von der Dachabdichtung getrennt: andere Norm, anderer Lastfall (Erddruck, drückendes Wasser, Bodenfeuchte). Die Produktnorm DIN EN 13967 (Sperrbahnen gegen Bodenfeuchte/Wasser) gehört hierher, nicht zur Dachabdichtung.
  • dampfsperre (Forward-Verweis A — Trigger: detaillierte Schichtfolge im Dachaufbau): eine andere Schicht im selben Dachaufbau, die innenseitig vor der Dämmung liegt und den Wasserdampf-Transport aus dem Raumklima in die Dämmung begrenzt (Sd-Wert-gesteuert). Sie ist keine Abdichtung im Sinne der Wasserdichtheit gegen flüssiges Wasser; die Produktnorm DIN EN 13970 (Bitumen-Dampfsperrbahnen) ist gerade nicht Dachabdichtungs-Norm. Die Dampfsperre liegt im Aufbau unter der Dämmung und unter der Dachabdichtung.
  • dachbegruenung (Forward-Verweis A — Trigger: erstes Tool für genutzte Flachdächer): die Schichtfolge Schutzlage / Drainage / Filtervlies / Substrat / Vegetation oberhalb der Dachabdichtung (FLL-Richtlinie 2018, DIN EN 13948). Sie ist kein Material- Subtyp der Dachabdichtung, sondern Folge-Schicht. Die Wurzelfestigkeit der unterliegenden Abdichtung ist Eigenschaft (Boolean) am Bitumen-/Kunststoff-Subtyp.
  • flachdach (Forward-Verweis A — Trigger: eigenständige Flachdach-Modellierung): die Dachform mit α ≈ 0 (typisch < 5° Neigung). Die Dachabdichtung ist Schicht im Dachaufbau eines Flachdaches, aber auch eines genutzten geneigten Daches (Balkon, Loggia, Laubengang); die beiden Begriffe sind orthogonal.
  • bekiesung (Forward-Verweis A — Trigger: erste Aufbau- Schicht-Modellierung oberhalb der Abdichtung): die Kiesschüttung als Auflast oberhalb einer Dachabdichtung (Windsogsicherung, mechanischer Schutz, UV-Schutz bei Bitumenabdichtungen). Sie ist Folge-Schicht, kein Abdichtungs-Bestandteil.

Implementierungshinweis

Datentyp (Domänen-Schicht, Kotlin, Schicht domain.bauteil):

package domain.bauteil

import domain.geometrie.Polygon
import domain.Toleranzen
import kotlin.math.PI

/**
 * Dachabdichtung als äußerste, durchgehende, wasserdichte Schicht
 * eines Flachdaches oder eines genutzten Daches.
 * Glossar: hg_dachabdichtung.md
 *
 * Sealed mit Subtypen pro Material (Bitumen, Kunststoff/Elastomer,
 * Flüssigkunststoff); Begrünung ist bewusst kein Subtyp, sondern
 * Folge-Schicht im Dachaufbau (siehe FLL-Richtlinie 2018).
 *
 * Anders als Eindeckung trägt die Dachabdichtung KEINE
 * material-spezifische Mindestdachneigung (alpha_min); die Funktion
 * "wasserdicht" ist neigungsunabhängig (Bedingung 4 der mathematischen
 * Definition). Statt einer Neigungs-Schwelle trägt sie eine
 * Druckwasser-Schwelle (maxDruckwasserhoehe), die analog zur
 * h_max-Behandlung bei Unterdach normagnostisch geführt wird.
 */
sealed class Dachabdichtung {
    abstract val materialKennung: String        // Produkt-/Norm-Identifikator
    abstract val maxDruckwasserhoehe: Double    // mm; +Inf zulässig

    /** Test, ob die Abdichtung einer Wassersäule der gegebenen Höhe
     *  standhält. Normagnostisch — konkrete Norm-Schwellen leben in
     *  klassifiziereNachAnwendungsklasse(...). */
    fun haeltDruckwasserhoehe(h: Double): Boolean =
        h <= maxDruckwasserhoehe + Toleranzen.LAENGE_EPS
}

enum class Lagigkeit { EINLAGIG, ZWEILAGIG, DREILAGIG }

enum class Befestigung {
    GESCHWEISST, VOLLFLAECHIG_GEKLEBT, MECHANISCH_BEFESTIGT, LOSE_VERLEGT
}

enum class KunststoffSystem { PVC_P, FPO, TPO, EPDM, ECB }

enum class HarzSystem { PMMA, PUR, UP }

data class Bitumenabdichtung(
    val lagigkeit: Lagigkeit,
    val befestigung: Befestigung,
    val wurzelfest: Boolean,                   // FLL-/EN-13948-geprüft
    override val materialKennung: String,
    override val maxDruckwasserhoehe: Double
) : Dachabdichtung()

data class Kunststoffabdichtung(
    val kunststoffsystem: KunststoffSystem,
    val befestigung: Befestigung,
    val wurzelfest: Boolean,                   // FLL-/EN-13948-geprüft
    override val materialKennung: String,
    override val maxDruckwasserhoehe: Double
) : Dachabdichtung()

data class Fluessigkunststoffabdichtung(
    val harzsystem: HarzSystem,
    val schichtdickeMm: Double,                // Mindest 2.1 mm in DIN 18531:2025
    override val materialKennung: String,
    override val maxDruckwasserhoehe: Double
) : Dachabdichtung()

// Lokale Norm-Aufzählung für Dachabdichtungs-Klassifikation.
// Eindeutiger Klassenname, um Kollisionen mit lokalen Norm-Enums in
// hg_unterdach.md (UnterdachNorm) und hg_waermedaemmung.md
// (WaermedaemmungsNorm) zu vermeiden. Folgearbeit-Trigger: sobald
// mehrere Bauphysik-Module dieselbe Norm referenzieren, wird ein
// zentraler hg_norm.md angelegt und die lokalen Enums migriert.
enum class AbdichtungsNorm {
    SIA_232_1, SIA_271_2021,
    DIN_4108_3, ZVDH_FACHREGEL,
    DIN_18531_2017, DIN_18531_2025, DIN_18336_2023,
    OENORM_B_3691, OENORM_B_4119
}

enum class Nutzungsart { NICHT_GENUTZT, GENUTZT_BALKON_LOGGIA, GENUTZT_TERRASSE_BEFAHREN }

// Parametrische Klassifikation: bindet eine Abdichtungs-Bauart an
// eine konkrete Norm-Ausgabe. Hier — und nur hier — sind die
// normabhängigen Klassen materialisiert.
//
// Für DIN_18531_2017: alte K1/K2-Logik (Anwendungsklassen).
// Für DIN_18531_2025: keine Anwendungsklassen mehr (null);
//                     Auswahl rein über Nutzung × Neigung.
// Für SIA_271_2021:   andere Klassifikation (Warmdach/Umkehrdach/...).
fun klassifiziereNachAnwendungsklasse(
    abd: Dachabdichtung,
    nutzung: Nutzungsart,
    neigungRad: Double,
    norm: AbdichtungsNorm
): Anwendungsklasse? = when (norm) {
    AbdichtungsNorm.DIN_18531_2017 -> /* TODO: K1/K2-Logik aus 2017er-Ausgabe */ null
    AbdichtungsNorm.DIN_18531_2025 -> null   // Klassen existieren nicht mehr
    AbdichtungsNorm.SIA_271_2021   -> null   // andere Strukturierung
    AbdichtungsNorm.OENORM_B_3691  -> null   // Bauart-Klassifikation, nicht Anwendungsklasse
    else                -> error("AbdichtungsNorm $norm: Klassifikation nicht hinterlegt.")
}
  • Einheit: Druckwasser-Schwelle und Schichtdicke in mm (Double); Schicht-Funktion über Schicht.funktion = ABDICHTUNG referenziert.
  • Trennung Definition ↔ Norm-Schwellen: Die definitorische Bedingung ist allein die Wasserdichtheit gegen Druckwasser bis maxDruckwasserhoehe. Konkrete Werte (Mindestschichtdicken, K1/K2-Klassen-Zuordnung, ÖNORM-Bauart-Klassifikation) leben ausschließlich in der parametrischen Sicht klassifiziereNachAnwendungsklasse(...) und in produktspezifischen Default-Konstanten der Subtypen — analog zur Auslagerung in klassifiziereNachStauwasser(h, norm) an hg_unterdach.md. Damit bleibt die Dachabdichtung-Klasse normagnostisch.
  • Invarianten (in init jedes Subtyps prüfen, bei Verletzung Resultat.Fehler bzw. Entartet-Variante zurückgeben, niemals Exception werfen):
  • materialKennung.isNotBlank() ⇒ sonst Entartet.LeerMaterialKennung.
  • maxDruckwasserhoehe >= 0.0 (auch +∞ zulässig) ⇒ sonst Entartet.NegativeDruckwasserSchwelle.
  • Bei Bitumenabdichtung: lagigkeit != EINLAGIG || befestigung == VOLLFLAECHIG_GEKLEBT (einlagige Bitumen-Bahnen nur in Sonderfällen; Plausibilitäts-Hinweis, nicht harte Schranke).
  • Bei Fluessigkunststoffabdichtung: schichtdickeMm >= 1.8 - Toleranzen.LAENGE_EPS ⇒ sonst Entartet.UnterschritteneSchichtdicke (1,8 mm war die alte K1-Schwelle; 2,1 mm ist die heutige Regel).
  • Edge Cases:
  • Flachdach (α = 0): zentrale Anwendung der Dachabdichtung; keine Sonderfall-Behandlung erforderlich. Anders als bei der Eindeckung (Entartet.FlachdachMaterial) ist die Konstruktion Dachabdichtung(...) über einer Dachfläche mit α = 0 der Regelfall.
  • Genutztes geneigtes Dach (Balkon, Loggia, Laubengang): ebenfalls zulässig; DIN 18531-5 deckt diese Anwendung. Die App unterscheidet den Anwendungsfall über Nutzungsart, nicht über einen Subtyp.
  • Wurzelfestigkeit: Wenn das Aufbau-Modell oberhalb der Dachabdichtung eine dachbegruenung-Schicht enthält, muss entweder wurzelfest == true am Bitumen-/Kunststoff-Subtyp gelten, oder eine zusätzliche Wurzelschutz-Schicht (DIN EN 13948) ist im dachaufbau unmittelbar zwischen Abdichtung und Begrünungsaufbau geführt. Konsistenz-Prüfung in dachaufbau.validierePlausibilitaet().
  • K1/K2-Bestandsfälle: ein importierter Dachaufbau, der noch eine K1/K2-Klassifikation trägt, wird über klassifiziereNachAnwendungsklasse(..., AbdichtungsNorm.DIN_18531_2017) auf die alte Klasse abgebildet; ein Re-Mapping auf AbdichtungsNorm.DIN_18531_2025 liefert null und zwingt die App, die Klassen-Information als historische Annotation zu führen.
  • IFC-Mapping (am API-Rand des IFC-Exporters, nicht im Datentyp selbst): IfcCovering mit PredefinedType = ROOFING; Material- Schichtung über IfcRelAssociatesMaterial und IfcMaterialLayerSet; Verknüpfung zum IfcRoof-Aggregat über IfcRelCoversBldgElements. Die Trennung zur Eindeckung (gleicher Enum-Wert ROOFING) wird beim Export über dachneigung und das Material-System abgeleitet, nicht über einen unterschiedlichen Enum-Wert.
  • Beziehung zum dachaufbau-Datentyp: Die Dachabdichtung ist die schichten.last() eines Dachaufbau-Tupels, wenn dessen äußerste Schicht funktion = SchichtFunktion.ABDICHTUNG trägt; analog zur Beziehung Eindeckung ↔ Dachaufbau bei geneigten Dächern. Ein Dachaufbau hat entweder eine Eindeckung oder eine Dachabdichtung als äußerste Schicht, nicht beides (exklusiv durch die Funktions-Enumeration der Schicht).

Quellen

Primär (normativ):

  • DIN 18336:2023-09 „VOB Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen – Abdichtungsarbeiten".
  • DIN 18531-1:2025-08 „Abdichtung von Dächern sowie von Balkonen, Loggien und Laubengängen – Teil 1: Nicht genutzte und genutzte Dächer – Anforderungen, Planungs- und Ausführungsgrundsätze".
  • DIN 18531-2:2025-08 „… Teil 2: Stoffe".
  • DIN 18531-3:2025-08 „… Teil 3: Auswahl, Ausführung, Details".
  • DIN 18531-4:2025-08 „… Teil 4: Instandhaltung".
  • DIN 18531-5:2025-08 „… Teil 5: Abdichtungen für Balkone, Loggien und Laubengänge".
  • SIA 271:2021 „Abdichtungen von Hochbauten", Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein, Zürich.
  • ÖNORM B 3691:2019-05-01 „Planung und Ausführung von Dachabdichtungen", Austrian Standards International, Wien.
  • DIN EN 13707:2013-08 „Abdichtungsbahnen – Bitumen- Dachabdichtungsbahnen mit Trägereinlage".
  • DIN EN 13956:2013-02 „Abdichtungsbahnen – Kunststoff- und Elastomer-Dachabdichtungsbahnen".
  • ETAG 005 „Flüssig aufzubringende Dachabdichtungen", EOTA.
  • DIN EN 13948:2007-12 „Abdichtungsbahnen – Bitumen-, Kunststoff- und Elastomerbahnen für Dachabdichtungen – Bestimmung des Widerstandes gegen Durchwurzelung".
  • FLL-Dachbegrünungsrichtlinie 2018, Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V., Bonn.
  • ISO 6707-1:2020 „Buildings and civil engineering works – Vocabulary – Part 1: General terms".
  • buildingSMART IFC 4.3.2 (ISO 16739-1:2024), IfcCovering mit IfcCoveringTypeEnum.ROOFING.

Sekundär:

  • Lignum (Hrsg.): Lignatec — Flachdächer in Holzbauweise. Lignum, Zürich, aktuelle Auflage.
  • Gebäudehülle Schweiz, Technische Kommission Flachdach, Merkblätter zur SIA 271:2021.
  • suissetec, Wegleitung zur Norm SIA 271 „Abdichtungen von Hochbauten".
  • Mönck, W.; Rug, W.: Holzbau – Bemessung und Konstruktion.
  • Auflage, Beuth Verlag 2015, Kap. „Flachdach / Abdichtung".
  • BauNetz Wissen: „Dachabdichtungsnorm DIN 18531", „FLL-Prüfverfahren Wurzelfestigkeit", „Flüssigkunststoff im Detail".
  • Holzbau Deutschland, Merkblatt „Begriffe und Klassifizierungen für den Holzbau".
  • Bauder AG, Triflex GmbH, Sika Schweiz AG, Soprema GmbH: Produktdokumentationen Bitumen-, Kunststoff- und Flüssigabdichtungs- systeme.
  • ZinCo GmbH, Bundesverband GebäudeGrün (BuGG), Fachvereinigung Bauwerksbegrünung (FBB): Aufbaurichtlinien Dachbegrünung über Abdichtung.

Korpus (nicht autoritativ):

  • Recherche-Bericht docs/recherche/2026-05-14_hg_dachabdichtung.md.
  • magazin-quartier.de, dach-sachverstaendiger.de, derdichtebau.de: zum K1/K2-/Einwirkungsklassen-Wegfall in DIN 18531:2025-08.
  • Wikipedia, Lemmata „Dachabdichtung", „Flachdach", „Bitumenbahn", „Kunststoffbahn", „Flüssigkunststoff" (abgerufen 2026-05-14).

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