Dachform
Prosa-Definition¶
Die Dachform eines Daches ist sein klassifikatorisches geometrisches Merkmal nach Anzahl, Anordnung, Neigungsverteilung, Schnittkanten- Topologie und Krümmung der Dachflächen seiner Dachflächen-Familie, ohne Bezug auf den materiellen Dachaufbau und ohne Bezug auf den konstruktiven Typ seines Tragwerks.
Mathematische Definition¶
Sei
- d = (T, 𝒟, A) ein Dach im Sinne von
dachmit Dachflächen-Familie 𝒟 = { D₁, …, D_m }, m ≥ 1, D_i = (E_i, P_i, n_{a,i}), - α_i := α(D_i) ∈ [0, π/2) die Dachneigung jeder Dachfläche D_i
nach
dachneigung, - K(D_i, D_j) ⊂ ℝ³ der Schnitt der berandeten Dachflächen
F(P_i) ∩ F(P_j) für i ≠ j; dieser Schnitt ist entweder leer, ein
einzelner Punkt oder eine Strecke (gemeinsame Randstrecke) gemäß
der Selbstüberlapps-Bedingung in
dach, - 𝓚(d) := { K(D_i, D_j) | i ≠ j, K(D_i, D_j) ist eine Strecke } die Menge der gemeinsamen Randstrecken,
- klass: 𝓚(d) → {first, grat, kehle} die Klassifikation jeder
gemeinsamen Randstrecke gemäß den Einträgen
first,grat,kehle(First ≈ horizontal, beide n_a treffen sich bergauf; Grat geneigt und konvex ausspringend; Kehle geneigt und konkav einspringend), - κ_i ∈ {eben, gekrümmt} die Krümmungs-Klasse von E_i (eben für
alle Dachflächen im Sinne von
dachflaeche; gekrümmte Dachflächen sind ein App-spezifischer Erweiterungsfall, dessen Definition im Subglossar/Folgeeintraggekruemmte_dachflaecheausgearbeitet wird).
Dann ist die Dachform von d die Klassifikations-Funktion
form: Dach → 𝓕
form(d) := Φ( m, (α_i)_{i=1..m}, 𝓚(d), klass, (κ_i)_{i=1..m} )
wobei
-
𝓕 := { Flachdach, Pultdach, Satteldach, Walmdach, Krüppelwalmdach, Zeltdach, Mansarddach(s, β), Schmetterlingsdach, Sheddach(n), Tonnendach, Bogendach(r) } ∪ {Freiform} der endliche Werte-Katalog ist (zwölf etablierte Formen plus Freiform-Ausweichwert; einzelne Werte tragen Parameter: s ∈ {2, 4} und β ∈ (0, π/2) für das Mansarddach, n ≥ 2 für das Sheddach, r > 0 für das Bogendach), und
-
Φ die folgende stückweise Klassifikation ist (Hauptfälle; nicht exhaustiv für alle Mischformen; bei Mehrdeutigkeit gilt die spezifischere Form vor der allgemeineren):
Φ = Flachdach falls m = 1 und α_1 ≤ ε_α
Φ = Pultdach falls m = 1 und α_1 > ε_α
Φ = Satteldach falls m = 2 und |𝓚(d)| = 1
und klass(K_{12}) = first
Φ = Schmetterlingsdach falls m = 2 und |𝓚(d)| = 1
und klass(K_{12}) = kehle
Φ = Walmdach falls m = 4 und alle vier Dachflächen
treffen sich in einem First mit zwei
Walmen (vier Traufkanten, vier Grat-
kanten, ein First; klass-Multi-
menge: {first × 1, grat × 4})
Φ = Krüppelwalmdach falls m = 4 und Walm-Topologie,
aber die Walme erreichen nicht die
Traufe (zwei Krüppelwalm-Trapeze
statt zwei vollständiger Walme)
Φ = Zeltdach falls m ≥ 3 und alle Dachflächen treffen
sich in einem einzigen Punkt
(Spitze, kein First; alle Schnitt-
kanten sind Grate, |first| = 0)
Φ = Mansarddach(s, β) falls jede der s ∈ {2, 4} Dachseiten
durch zwei Dachflächen unterschied-
licher Neigung mit horizontalem
Knick zusammengesetzt ist; β ist der
Knickwinkel
Φ = Sheddach(n) falls m = 2n und die Dachflächen sich zu
n hintereinander gereihten Pult-
elementen mit lotrechten Zwischen-
flächen ordnen
Φ = Tonnendach falls 𝒟 eine einzige gekrümmte Dachfläche
mit Halbkreis-Querschnitt enthält
Φ = Bogendach(r) falls 𝒟 eine einzige gekrümmte Dachfläche
mit Kreissegment-Querschnitt mit
Radius r enthält und der Bogen
kleiner als ein Halbkreis ist
Φ = Freiform sonst (keine der obigen Klassen trifft zu)
Hinweis: „Trogdach" ist im DACH-Korpus eine berufssprachliche
Variante des Schmetterlingsdachs bei größeren Spannweiten oder
Industriebauten; geometrisch deckungsgleich (m = 2, eine Kehle,
beide Dachflächen nach innen geneigt) — Φ liefert in beiden
Fällen `Schmetterlingsdach`. „Trogdach" wird als Synonym von
Schmetterlingsdach geführt, nicht als eigener Φ-Wert.
ε_α := Toleranzen.WINKEL_EPS ist der Grenzwert, ab dem eine einzelne Dachfläche als „nicht horizontal" gilt; faktisch wird in der Praxis ein größerer Schwellenwert (etwa 7°/10° nach Lignum) verwendet, dieser ist aber nicht normativ und gehört in die Bemessungs-/Aufbau-Schicht (Eindeckungs-Mindestneigung), nicht in die geometrische Klassifikation.
Wohldefiniertheit¶
- Existenz: Für jedes Dach d mit nicht-leerer Dachflächen-
Familie 𝒟 ist Φ(d) wohldefiniert: die Argumente m, (α_i),
𝓚(d), klass und (κ_i) sind aus 𝒟 und den bereits definierten
Begriffen
dachflaeche,dachneigung,first,grat,kehlekonstruktiv ableitbar. Der AusweichwertFreiformgarantiert, dass die Klassifikation für jedes d ein Resultat liefert. - Eindeutigkeit der Klassifikation: Φ ist als Funktion definiert, d. h. liefert für jedes d einen eindeutigen Wert in 𝓕. Die Bedingungen der Hauptfälle schließen sich paarweise aus bis auf wohldefinierte Spezialisierungs-Hierarchien (Krüppelwalm vor Walm, Zeltdach vor Walm im Grenzfall verschwindender Firstlänge); die App-Implementierung führt die Prüfreihenfolge vom spezifischeren zum allgemeineren Fall.
- Invarianz unter Permutation: 𝒟 ist als Menge unsortiert
(siehe
dach); 𝓚(d) und klass hängen nur von der Inzidenz der Dachflächen ab, nicht von einer gewählten Indizierung. Φ(d) ist damit invariant unter jeder Permutation der Dachflächen. - Invarianz unter Modell-Skalierung und Translation: Die
Klassifikation hängt nur von Winkeln (α_i, Knickwinkel β) und
topologischen Inzidenzen ab, nicht von absoluten Längen. Sie ist
damit invariant unter isotroper Skalierung und Translation des
Modells, aber nicht invariant unter anisotroper Skalierung
(die das Welt-Koordinatensystem ohnehin verbietet, siehe
weltkoordinatensystem). - Eindeutigkeit der Parameter: Für
Mansarddach(s, β)ist β der Mittelwert der zwei vorkommenden Dachneigungen pro Seite — und durch die geometrische Konfiguration eindeutig bestimmt; Mansarddächer mit unterschiedlichen Knickwinkeln auf unterschiedlichen Seiten sind alsFreiformklassifiziert. FürSheddach(n)ist n die Anzahl der Pult-Elemente; fürBogendach(r)der Krümmungs-Radius der einzigen gekrümmten Dachfläche. - Grenzfälle:
- Walmdach mit Firstlänge → 0: kollabiert zum Zeltdach.
Die Klassifikation folgt der Längen-Klassifikation der
First-Strecke gegen
Toleranzen.LAENGE_EPS; bei First-Strecken-Länge ≤Toleranzen.LAENGE_EPSwird Zeltdach zurückgegeben. - Krüppelwalm mit verschwindender Krüppelhöhe: kollabiert
zum Walmdach. Auch hier entscheidet ein Längen-Vergleich
gegen
Toleranzen.LAENGE_EPS. - Mehrfach-Dach am selben Bauwerk (z. B. zwei Satteldach-
Flügel über separat verbundenen Trakten): wird laut
dachals zwei getrennte Dach-Instanzen modelliert und entsprechend pro Instanz klassifiziert. - Konservativität: Die Definition ist Abkürzung der konstruktiven
Klassifikation aus den bereits definierten Begriffen
dachflaeche,dachneigung,first,grat,kehle; sie führt kein zusätzliches Axiom ein. - Nicht-Zirkularität: Die Definition verwendet nur
dach,dachflaeche,dachneigung,first,grat,kehleundtoleranzen. Sie kommt nicht in ihrer eigenen Definition vor. Die Werte des Katalogs 𝓕 sind durch ihre topologischen Bedingungen definiert, nicht durch Selbstreferenz.
Erläuterung (nicht normativ)¶
Die Dachform abstrahiert von der Konstruktion und vom Material und beschreibt das Dach nur durch seine geometrische Erscheinung von außen: ein Satteldach mit Pfettendach und ein Satteldach mit Sparrendach haben dieselbe Dachform, aber unterschiedliche Tragwerks- Konstruktionen; ein Walmdach mit Tonziegeln und ein Walmdach mit Blecheindeckung haben dieselbe Dachform, aber unterschiedliche Dachaufbauten.
Zwölf-Form-Katalog des DACH-Holzbau-Korpus¶
Im DACH-Holzbau sind die folgenden zwölf Dachformen berufssprachlich etabliert (Mönck/Rug, Natterer, Lignum, BauNetz Wissen). Die Tafel ist deskriptiv, nicht normativ; sie zeigt Geometrie-Kern und IFC-Mapping pro Form.
| Dachform | Geometrie-Kern | IFC 4.3 (IfcRoofTypeEnum) |
|---|---|---|
| Flachdach | m = 1, α ≤ ε_α (faktisch < 7°–10°) | FLAT_ROOF |
| Pultdach | m = 1, α > ε_α | SHED_ROOF |
| Satteldach | m = 2, zwei gegeneinander geneigte Dachflächen mit horizontalem First | GABLE_ROOF |
| Walmdach | m = 4, vier geneigte Dachflächen, ein First, zwei Walmflächen statt Giebel | HIP_ROOF |
| Krüppelwalmdach | wie Walmdach, Walme reichen nicht bis zur Traufe (Giebel-Trapez bleibt) | HIPPED_GABLE_ROOF |
| Zeltdach | m ≥ 3, alle Dachflächen treffen in einer Spitze (kein First) | PAVILION_ROOF |
| Mansarddach | pro Dachseite zwei Neigungs-Segmente mit horizontalem Knick; s ∈ | GAMBREL_ROOF / MANSARD_ROOF (siehe Quellenkonflikt) |
| Schmetterlingsdach | umgekehrtes Satteldach: zwei V-förmig nach innen geneigte Dachflächen | BUTTERFLY_ROOF |
| Sheddach (Sägezahn) | n ≥ 2 hintereinander gereihte Pultflächen mit lotrechten Zwischenflächen | kein eigener IFC-Wert (siehe Quellenkonflikt) |
| Tonnendach | gekrümmte Dachfläche, Querschnitt Halbkreis | BARREL_ROOF |
| Bogendach | gekrümmte Dachfläche, Querschnitt Kreissegment (kleiner als Halbkreis) | RAINBOW_ROOF |
PAVILION_ROOF schließt den Spezialfall Pyramidendach ein
(vier gleiche Flächen über quadratischem Grundriss); im DACH-
Korpus wird Pyramidendach teils synonym mit Zeltdach, teils enger
verwendet (Wikipedia „Zeltdach"). Die App führt nur Zeltdach als
eigenen Wert; die Pyramiden-Eigenschaft ist eine
abgeleitete Eigenschaft der Symmetrie der Dachflächen.
Dachform ↔ Dachstuhl-Typ als orthogonale Achsen¶
Die App-Modellierung trennt drei orthogonale Klassifikations- Achsen am Dach:
- Dachform (diese Datei): rein geometrisch, abgeleitet aus 𝒟.
- Dachstuhl-Typ (
hg_dachstuhl.mdfolgt): konstruktiv, abgeleitet aus dem Tragwerk T (Sparren-/Pfetten-/Kehlbalken-/ Binderdach). Im Korpus auch „Dachtyp" — diese Mehrdeutigkeit ist der Grund, warum „Dachtyp" hier kein eigenständiges Synonym ist. - Dachaufbau-Typ (
hg_dachaufbau.md): materialschichtig, Kaltdach/Warmdach/Umkehrdach.
Eine Dachform schränkt mögliche Dachstuhl-Typen ein, legt sie aber nicht eindeutig fest. Walmdächer erfordern typischerweise ein Pfettendach (Gratsparren liegen quer zur Sparrenebene), aber dasselbe Satteldach kann als Sparrendach, Pfettendach oder Kehlbalkendach ausgeführt werden.
Verhältnis zu IfcRoofTypeEnum¶
Das App-Pendant zu dach ist IfcRoof; die Dachform-Klassifikation
hängt als PredefinedType: IfcRoofTypeEnum an dieser Entität. Das
ist strukturell identisch zur App-Empfehlung: Dachform als Wert
am Dach, nicht als Subtyp des Dachs. Die zwei dokumentierten
Reibungsstellen — Mansard/Gambrel-Asymmetrie und Sheddach-Lücke —
sind im Quellenkonflikt-Block beschrieben.
Beziehungen¶
- Oberbegriff:
null. Dachform ist ein klassifikatorisches Merkmal des Daches; ein generischer Oberbegriff (etwa „bauwerks_klassifikationsmerkmal") existiert im Glossar nicht und ist auch nicht geplant. - Träger:
dach. Die Dachform ist eine abgeleitete Eigenschaft einerdach-Instanz und wird nicht freistehend modelliert. - Voraussetzungen:
dach: das Aggregat, dessen Dachflächen-Familie 𝒟 die Klassifikation trägt.dachflaeche: die elementare ebene Komponente von 𝒟.dachneigung: das Winkel-Merkmal, das in die Klassifikation eingeht (Flach- vs. Pultdach, Mansard-Knick).first,traufe,grat,kehle: die Kantentypen, die in der Klassifikation der gemeinsamen Randstrecken aufgerufen werden.toleranzen: für die Längen- und Winkel-Schwellen der Grenzfälle (First → 0, α → 0, Krüppel-Höhe → 0).- Werte des Katalogs 𝓕 (eigene Einträge folgen, nicht alle notwendig — Mansarddach und Sheddach werden über parametrische sealed-Subtypen des Code-Pendants abgedeckt; eigenständige Glossareinträge für jede Dachform sind nicht automatisch vorgesehen, sondern werden trigger-basiert je nach erstem Tool-Bedarf angelegt):
flachdach,pultdach,satteldach,walmdach,krueppelwalmdach,zeltdach,mansarddach,schmetterlingsdach,sheddach,tonnendach,bogendach,trogdach.- Abgrenzung:
dach: das Aggregat als Ganzes; Dachform ist eines seiner Merkmale, nicht das Dach selbst.dachstuhl(eigener Eintrag folgt): die konstruktive Tragwerks-Klassifikation (Sparrendach/Pfettendach/ Kehlbalkendach/Binderdach). Orthogonale Achse zur Dachform; eine Dachform legt den Dachstuhl-Typ nicht eindeutig fest.dachflaeche: die elementare Komponente, deren Familie klassifiziert wird; Dachform ist eine Eigenschaft der Familie, nicht der einzelnen Dachfläche.dachneigung: ein Winkel-Merkmal einer einzelnen Dachfläche; Dachform ist ein Topologie-Merkmal der ganzen Familie.dachtragwerk(eigener Eintrag folgt untertragwerk): das lastabtragende Aggregat unter dem Dach; trägt den Dachstuhl- Typ, nicht die Dachform.dachseite: eine Dachfläche mit Orientierungs-Annotation (Wetterseite, Sonnenseite); nicht synonym mit Dachform.dachaufbau: die materielle Schichtfolge; orthogonal zur Dachform (jede Dachform kann mit unterschiedlichen Aufbauten realisiert werden).gaube(Forward-Verweis): ein Dachaufbau-Element auf einer Dachfläche; verändert die Dachform der Hauptdachfläche nicht, sondern wird als eigene Subgeometrie geführt.dachoeffnung(Forward-Verweis): lokale Aussparung in Dachfläche und Dachaufbau (Schornstein, Dachflächenfenster); kein Form-Merkmal.bauwerk(Forward-Verweis): die übergeordnete Einheit; ein Bauwerk kann mehrere Dächer unterschiedlicher Dachform tragen.
Implementierungshinweis¶
Die Dachform wird im Code als sealed class Dachform modelliert,
weil einige Form-Werte parametrisch sind (Mansarddach: Seitenzahl
und Knickwinkel; Sheddach: Anzahl Pult-Elemente; Krüppelwalmdach:
Krüppel-Höhe oder -Anteil; Bogendach: Krümmungsradius). Ein reines
enum class reicht für diese Werte nicht aus.
Datentyp (Domänen-Schicht, Kotlin, Schicht domain.bauteil):
package domain.bauteil
/**
* Dachform: klassifikatorisches geometrisches Merkmal eines Daches.
* Glossar: hg_dachform.md
*
* Strukturell ein Wert am `Dach`, keine eigene Identität. Wird über
* `Dach.dachform()` aus der Topologie der Dachflächen-Familie 𝒟
* abgeleitet.
*
* Sealed-Hierarchie (nicht Enum), weil einige Werte parametrisch
* sind (Mansarddach, Sheddach, Krüppelwalmdach, Bogendach).
*/
sealed class Dachform {
/** m = 1, α ≤ Toleranzen.WINKEL_EPS. */
data object Flachdach : Dachform()
/** m = 1, α > Toleranzen.WINKEL_EPS. */
data object Pultdach : Dachform()
/** m = 2, ein horizontaler First. */
data object Satteldach : Dachform()
/** m = 4, ein First plus zwei Walme bis zur Traufe. */
data object Walmdach : Dachform()
/**
* Wie Walmdach, Walme erreichen nicht die Traufe.
* @param kruppelHoeheAnteil h_k / h_g ∈ (0, 1) — Verhältnis
* der Krüppelwalm-Höhe zur Giebelhöhe.
*/
data class Krueppelwalmdach(val kruppelHoeheAnteil: Double) : Dachform()
/** m ≥ 3, alle Dachflächen treffen in einer Spitze. */
data object Zeltdach : Dachform()
/**
* Pro Dachseite zwei Neigungs-Segmente mit horizontalem Knick.
* @param seiten 2 (entspricht IFC GAMBREL_ROOF, Sattel-Variante)
* oder 4 (entspricht IFC MANSARD_ROOF, Walm-Variante).
* @param knickwinkel β ∈ (0, π/2) — Knickwinkel zwischen oberem
* und unterem Segment, in Radiant.
*/
data class Mansarddach(val seiten: Int, val knickwinkel: Double) : Dachform()
/** m = 2, ein zentrale Kehle (V-förmig). */
data object Schmetterlingsdach : Dachform()
/**
* n hintereinander gereihte Pult-Elemente mit lotrechten
* Zwischenflächen.
* @param anzahlSheds n ≥ 2.
*/
data class Sheddach(val anzahlSheds: Int) : Dachform()
/** Halbkreis-Querschnitt. */
data object Tonnendach : Dachform()
/**
* Kreissegment-Querschnitt kleiner als Halbkreis.
* @param kruemmungsradius r > 0 in mm.
*/
data class Bogendach(val kruemmungsradius: Double) : Dachform()
/** Ausweichwert für nicht klassifizierbare Geometrien. */
data object Freiform : Dachform()
}
/**
* Klassifikations-Funktion form: Dach → 𝓕.
* Glossar: hg_dachform.md, Mathematische Definition.
*/
fun Dach.dachform(): Dachform = TODO("Implementierung folgt in Etappe Walmdach-Tool")
- Einheit: Knickwinkel β intern in Radiant (Double); Krümmungsradius in mm (Double); Krüppelwalm-Anteil dimensionslos (Double in (0, 1)). Anzeige in Grad ausschließlich am API-Rand.
- Identität: keine. Dachform ist ein Wert am Dach, kein Objekt mit eigener UUID.
- Invarianten:
Krueppelwalmdach.kruppelHoeheAnteil∈ (0, 1); 0 entspricht Walmdach, 1 entspricht Satteldach mit beidseitigem Giebel.Mansarddach.seiten∈ {2, 4}; andere Werte sind unzulässig.Mansarddach.knickwinkel∈ (Toleranzen.WINKEL_EPS, π/2 − Toleranzen.WINKEL_EPS).Sheddach.anzahlSheds≥ 2; n = 1 ist Pultdach.Bogendach.kruemmungsradius> 0 mm.- Edge Cases:
- Mehrfach-Klassifikation: bei Mischformen (z. B.
Mansard-Sattel mit unterschiedlichen Knickwinkeln auf den
zwei Seiten) liefert
Dach.dachform()Dachform.Freiform. - Grenzfälle Walm ↔ Zelt: First-Länge ≤
Toleranzen.LAENGE_EPS⇒ Zeltdach. - Grenzfälle Walm ↔ Krüppelwalm: Krüppel-Höhen-Anteil ≤
Toleranzen.LAENGE_EPS-relativ ⇒ Walmdach. - Pyramidendach: spezifischer Subfall des Zeltdachs mit
vier gleichen Dachflächen über quadratischem Grundriss; im
Code als Eigenschaft
Zeltdach.istPyramide()(Folgearbeit), nicht als eigener Wert. - IFC-Mapping (Folgearbeit im IFC-Export-Modul):
Flachdach→FLAT_ROOFPultdach→SHED_ROOFSatteldach→GABLE_ROOFWalmdach→HIP_ROOFKrueppelwalmdach→HIPPED_GABLE_ROOFZeltdach→PAVILION_ROOFMansarddach(2, β)→GAMBREL_ROOFMansarddach(4, β)→MANSARD_ROOFSchmetterlingsdach→BUTTERFLY_ROOFSheddach(n)→ Komposition von n ×SHED_ROOFoderFREEFORMmitObjectType = "Sheddach"; Behandlung im IFC-Export entscheiden (siehe Quellenkonflikt).Tonnendach→BARREL_ROOFBogendach(r)→RAINBOW_ROOFFreiform→FREEFORMmitObjectType-String.- Verwendungsregel: Funktionen der Last-Eingabe (Schneelast, Windlast) nehmen die Dachform als Klassifikations-Eingang, um die passenden Formbeiwerte aus EN 1991-1-3 bzw. EN 1991-1-4 auszuwählen. Die Geometrie selbst (α_i, Stützweiten) bleibt unabhängig führend.
Quellen¶
Primär (normativ):
- SIA 232/1:2020, „Geneigte Dächer", Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein, Zürich, Abschnitt 1.
- DIN EN 1991-1-3:2010-12, „Eurocode 1: Einwirkungen auf Tragwerke – Teil 1-3: Schneelasten", Abschnitt 5.3, Tab. 5.2, Bilder 5.1/5.2, Anhang B.
- DIN EN 1991-1-4:2010-12, „Eurocode 1: Einwirkungen auf Tragwerke – Teil 1-4: Windlasten", Abschnitt 7.2.
- DIN 1356-1:1995-02 / :2024-04, „Bauzeichnungen – Teil 1: Arten, Inhalte und Grundregeln der Darstellung", Abschnitt 5 (Volltext nicht verifiziert).
Primär (externes Pendant):
- buildingSMART, IFC 4.3,
IfcRoofTypeEnum, https://ifc43-docs.standards.buildingsmart.org/IFC/RELEASE/IFC4x3/HTML/lexical/IfcRoofTypeEnum.htm. - buildingSMART, IFC4 ADD2,
IfcRoofTypeEnum, https://standards.buildingsmart.org/IFC/RELEASE/IFC4/ADD2/HTML/schema/ifcsharedbldgelements/lexical/ifcrooftypeenum.htm.
Sekundär:
- Mönck, W.; Rug, W.: Holzbau – Bemessung und Konstruktion.
- Auflage, Beuth Verlag 2015, Kap. „Dachformen".
- Natterer, J.; Herzog, T.; Volz, M.: Holzbau-Atlas.
- Auflage, Birkhäuser, Basel 2003.
- Lignum (Hrsg.): Lignatec — Geneigte Dächer in Holzbauweise. Lignum, Zürich, aktuelle Auflage.
- Lignum (Hrsg.): Holzbautabellen HBT. Lignum, Zürich, aktuelle Auflage.
- Koepf, H.; Binding, G.: Bildwörterbuch der Architektur. Kröner, Stuttgart, jeweilige Auflage.
- Holzbau Deutschland, Merkblatt „Begriffe und Klassifizierungen für den Holzbau".
- BauNetz Wissen, „Dachformen", https://www.baunetzwissen.de/geneigtes-dach/fachwissen/dachformen (abgerufen 2026-05-14).
Korpus (nicht autoritativ):
- Wikipedia, Lemmata „Dachform“, „Walmdach", „Krüppelwalmdach", „Mansarddach", „Zeltdach", „Pyramidendach", „Sparrendach", „Pfettendach", „Dachstuhl" (deutsch); „List of roof shapes", „Hip roof", „Mansard roof", „Gambrel" (englisch); abgerufen 2026-05-14.
- Sanier.de, „Fachbegriffe rund ums Dach"; baucheck.io; energie-experten.org; holzbau-system.de; woodipedia.de — Korpusbelege zum Sprachgebrauch von „Dachform“ und „Dachtyp".
Negativer Befund: kein konsultiertes Normwerk (SIA 232/1, SIA 265, DIN 1356-1, DIN 18531, DIN 18338, DIN EN 1991-1-3, DIN EN 1991-1-4, DIN EN 1995-1-1) führt einen geschlossenen Begriffseintrag „Dachform“; die Klassifikation existiert operativ als bekannt vorausgesetzte Aufzählung. Die hier gewählte formale Definition über die Topologie der Dachflächen-Familie ist eigene Festlegung, konsistent mit allen konsultierten Quellen.