Sparren
Prosa-Definition¶
Ein Sparren ist ein Stab-Bauteil eines Dachtragwerks, dessen Bauteilachse in der Trägerebene einer zugeordneten Dachfläche entlang ihrer Falllinie verläuft, das die Lasten der Dachflächen-Konstruktion (Eigengewicht der Dachhaut, Schnee, Wind sowie Eigengewicht der Sparren-Lattung und gegebenenfalls Ausbau-Lasten) aufnimmt und entlang seiner Längsachse über seine Auflager (Pfetten oder, im Sparrendach, das Gegenstück-Sparrenpaar nebst Zugglied) abträgt.
Mathematische Definition¶
Sei
- B ein Bauteil im Sinne von
bauteilmit Stabgeometrie (geometrie ∈ 𝒢_stab), - a(B) = Bauteilachse.Gerade(p_a, p_e) die Bauteilachse von B im
geraden Fall (siehe
bauteilachse), mit d_hat := (p_e − p_a) / ‖p_e − p_a‖ ∈ S² ⊂ ℝ³, - D = (E, P, n_a) eine Dachfläche im Sinne von
dachflaechemit Trägerebene E, Polygon P und äußerer Normaler n_a, - e_hat_fall(E) ∈ S² die Falllinie der Trägerebene E (siehe
falllinie); d. h. ⟨e_hat_fall, e_z⟩ ≤ 0, - ε_W := Toleranzen.WINKEL_EPS, ε_L := Toleranzen.LAENGE_EPS.
Dann heißt B ein Sparren der Dachfläche D genau dann, wenn die folgenden Bedingungen erfüllt sind:
-
Stabgeometrie: B besitzt eine gerade Bauteilachse mit ‖p_e − p_a‖ > ε_L.
-
Lage in der Trägerebene: Beide Endpunkte der Bauteilachse liegen in E im Sinne von
wobei p₀ ein beliebiger Stützpunkt von E ist (Lage-Bedingung geerbt von|⟨n_a, p_a − p₀⟩| ≤ ε_L und |⟨n_a, p_e − p₀⟩| ≤ ε_L,dachflaeche.istInEbene). -
Falllinien-Kollinearität: Die Bauteilachsenrichtung ist kollinear zur Falllinie der Trägerebene,
d. h. der Winkel zwischen d_hat und e_hat_fall ist 0 oder π (modulo ε_W).|⟨d_hat, e_hat_fall(E)⟩| ≥ 1 − ε_W, -
Vorzeichenkonvention (Sparrenrichtung von Traufe zu First): Die Bauteilachse ist so gerichtet, dass d_hat entgegen e_hat_fall verläuft, also nach oben:
äquivalent ⟨d_hat, e_z⟩ ≥ 0. p_a ist damit der Sparrenfuß (an oder nahe der Traufe), p_e der Sparrenfirstpunkt (an oder nahe am First bzw. der Pultkante).⟨d_hat, e_hat_fall(E)⟩ ≤ −1 + ε_W,
Wesentliche abgeleitete Größen:
- Sparrenlänge: L_S := ‖p_e − p_a‖ (in mm), entlang der Bauteilachse zwischen Sparrenfuß und Sparrenfirstpunkt.
- Sparrenneigung (= Dachneigung der zugeordneten Dachfläche):
wobei e_hat_horiz := −(e_hat_fall − ⟨e_hat_fall, e_z⟩ · e_z) / ‖e_hat_fall − ⟨e_hat_fall, e_z⟩ · e_z‖ die in die Horizontalebene projizierte und nach oben in die Sparrenrichtung umgekehrte Falllinie ist.
α_S := arccos(⟨n_a, e_z⟩) = arccos(⟨d_hat, e_hat_horiz⟩), - Sparrenfuß und Sparrenfirstpunkt (als Punkte): F_fuß := p_a, F_first := p_e.
- Sparrenabstand: bei einer parallelen Sparrenschar S_1, …, S_k auf derselben Dachfläche der rechtwinklige Abstand benachbarter Bauteilachsen, gemessen in der Trägerebene orthogonal zu d_hat; der Sparrenabstand ist Bemessungs-Eingangsgröße und nicht Bestandteil der Sparren-Definition.
Wohldefiniertheit¶
- Existenz: Für jedes Stabbauteil mit positiver Achsenlänge, Endpunkten in der Trägerebene einer geneigten Dachfläche und Achsenrichtung kollinear zur Falllinie sind alle vier Bedingungen konstruktiv erfüllbar; ein typischer Sparren auf einer Satteldachhälfte ist das Standardbeispiel.
- Eindeutigkeit der Vorzeichenkonvention: Die Bedingung 4 fixiert eine der beiden Achsenorientierungen (d_hat oder −d_hat) eindeutig: für eine geneigte Dachfläche (Geneigtheits- Voraussetzung der Falllinie, α_S > 0) ist ⟨d_hat, e_hat_fall⟩ ≠ 0, und genau einer der beiden Werte ±1 (modulo ε_W) liegt im Bereich „nach oben".
- Konsistenz mit
hg_bauteilachse.md: Die inhg_bauteilachse.mdempfohlene Vorzeichenkonvention für Sparren („p_a an der Traufe, p_e am First, d_hat in Falllinien-Richtung, von Traufe zu First") wird hier formal übernommen. Achtung: „in Falllinien-Richtung von Traufe zu First" ist gegen e_hat_fall gerichtet, da e_hat_fall per Definition (siehehg_falllinie.md, Vorzeichenkonvention ⟨e_hat_fall, e_z⟩ ≤ 0) nach unten zeigt. Bedingung 4 löst diese Vorzeichen-Subtilität explizit auf. - Sparrenneigung = Dachneigung: Aus der Falllinien-
Kollinearität (Bed. 3) folgt, dass d_hat in der von e_z und n_a
aufgespannten Vertikalebene liegt; damit ist der Winkel α_S
zwischen d_hat und der Horizontalebene gleich dem Winkel zwischen
e_hat_fall und der Horizontalebene und nach
hg_dachneigung.mdgleich der Dachneigung der zugeordneten Dachfläche. - Mehrfachzuordnung: Ein Sparren ist Bauteil genau einer Dachfläche; bei Verschneidungs-Sparren (Gratsparren, Kehlsparren), die auf zwei Dachflächen liegen, ist die Falllinien- Kollinearitätsbedingung nicht zu beiden Dachflächen gleichzeitig erfüllbar, weshalb diese Sonderformen eigene Begriffsdefinitionen erhalten (siehe Abgrenzung).
- Nicht-Zirkularität: Die Definition stützt sich nur auf
bereits definierte Begriffe (
bauteil,bauteilachse,strecke,einheitsvektor,ebene,dachflaeche,falllinie,dachneigung,weltkoordinatensystem,toleranzen). Sie kommt nicht in ihrer eigenen Definition vor und verweist nicht auf Sparren-Spezialisierungen oder Pfetten. - Auflagerung (qualitativ, nicht Bestandteil der Definition):
Ein Sparren wird im Tragwerk durch ein oder mehrere Auflager
gestützt; in einem Pfettendach typischerweise durch eine
Fußpfette am Sparrenfuß und eine Firstpfette am Sparrenfirstpunkt,
ggf. eine zwischenliegende Mittelpfette; im Sparrendach durch
das Gegenstück-Sparrenpaar (Druck am First) und ein horizontales
Zugglied (Deckenbalken oder Kehlbalken) am Fuß. Die Auflagerung
ist Eigenschaft des Tragwerks (siehe
hg_tragwerk.md), nicht des Sparrens selbst. Die Drei-Schichten-Trennung Kerve / Auflage- fläche / Auflager (hg_auflager.mdQuellenkonflikt-Block) gilt am Sparrenfuß sinngemäss: die Kerve ist die Bearbeitung am Sparrenpolyeder, die Kerv-Sohle ist die Auflagefläche, das Auflager-Aggregat trägt Wertigkeit und Lagerreaktion.
Erläuterung (nicht normativ)¶
Der Sparren ist das prägende Stab-Bauteil eines Dachtragwerks: seine regelmäßige, parallele Anordnung entlang der Falllinie einer Dachfläche bestimmt das geometrische und statische Erscheinungsbild des Daches.
Sparrenlängen¶
In der Werkplan- und Abbund-Praxis treten am Sparren mehrere
Längsmasse auf, die sich auf unterschiedliche Endpunkte der
Bauteilachse beziehen. Die vorliegende Sektion fixiert die
glossarweit verbindliche Symbol- und Endpunkt-Konvention. Sie ist
so geschrieben, dass sie später leicht in einen eigenen
Glossareintrag sparrenlaenge.md ausgelagert werden kann; bis
dahin ist sie die normative Referenz für alle C4-Einträge.
Konvention: Alle hier eingeführten Längen werden entlang der
Bauteilachse A(B) zwischen zwei Punkten auf A(B) gemessen. Die
beiden Anker-Endpunkte sind der Sparrenfußpunkt p_a (an oder
nahe der Traufe; Anfangspunkt der Bauteilachse nach Bedingung 4
der mathematischen Definition) und der Sparrenfirstpunkt p_e
(an oder nahe dem First; Endpunkt der Bauteilachse). Ein dritter
ausgezeichneter Punkt auf A(B) ist der Bleischnitt-Punkt der
Fußpfettenkerve p_K nach hg_kerve.md Gleichungen (7a)/(7b);
er teilt die Bauteilachse in den traufseitigen Sparrenüberstand
[p_K, p_a] und das tragende Innenstück [p_K, p_e].
Symbol-Tabelle¶
| Symbol | Endpunkte auf A(B) | Bedeutung | Verwendet in |
|---|---|---|---|
L_S |
p_a (Sparrenfußpunkt) ↔ p_e (Sparrenfirstpunkt) | Sparrenlänge im engeren Sinn: volle Bauteilachsen-Länge des Sparrens; glossarweit normative Lesart von „Sparrenlänge" | hg_sparren.md (Definition), hg_bauteilachse.md (als Spezialfall von L), Werkplan-Hauptmaß |
s |
p_K ↔ Bleischnitt-Punkt der Firstpfettenkerve (analog p_K, aber an der Firstpfettenkerve) | Axialer Kervenabstand: Distanz der beiden Kervenmittelpunkte entlang der Bauteilachse; abgeleitet aus Firstpfetten- und Fußpfettenhöhe und der Dachneigung α via s = (firstpfetteHoehe − fusspfetteHoehe) / sin(α) |
hg_firstpfette.md, BTLx-Export |
ℓ_K-S |
p_K (Fußpfettenkerve) ↔ p_e (Sparrenfirstpunkt) | Sparrenlänge ohne Überstand / Tragspannweiten-Achsenlänge: Bauteilachsen-Strecke vom Bleischnitt-Punkt der Fußpfettenkerve bis zum Sparrenfirstpunkt; im Pfettendach das tragende Innenstück | hg_sparrenueberstand.md Gleichung (6) |
ℓ_üb |
p_K (Fußpfettenkerve) ↔ p_a (Sparrenfußpunkt) | Sparrenüberstand: Bauteilachsen-Strecke vom Bleischnitt-Punkt der Fußpfettenkerve bis zum Sparrenfußpunkt; traufseitig auskragender Abschnitt | hg_sparrenueberstand.md Gleichung (3) |
Beziehungen¶
Aus der Definition der drei Punkte p_a, p_K, p_e auf der Bauteilachse A(B) und der Vorzeichenkonvention (Bedingung 4 der mathematischen Definition: d_hat entgegen e_hat_fall, p_a unten, p_e oben) folgt die Anordnung
p_a −−−− p_K −−−− p_e (auf A(B), d_hat bergauf)
◄── ℓ_üb ──► ◄────── ℓ_K-S ──────►
◄──────────── L_S ────────────────►
und damit die Zerlegung
L_S = ℓ_üb + ℓ_K-S. (*)
Der axiale Kervenabstand s zwischen Fußpfetten- und
Firstpfettenkerve ist die Strecke zwischen den beiden p_K-
Punkten der beiden Kerven; bei Sparren ohne Firstpfettenkerve
(reine Auflagerung am First, Sparren-an-Sparren-Stoss) ist s
nicht definiert.
Empfohlene Lesart¶
- „Sparrenlänge" ohne weiteren Zusatz bezeichnet in dieser App und im Glossar die volle Bauteilachsen-Länge L_S zwischen Sparrenfußpunkt und Sparrenfirstpunkt; alle anderen Sparren-Längsmasse werden mit qualifiziertem Bezeichner („Sparrenüberstand", „Sparrenlänge ohne Überstand", „axialer Kervenabstand") geführt.
- Im einfachsten Werkmodell (Sparren ohne Kerve, ohne Anschnitt, ohne Überstand) reduziert sich die Differenzierung; L_S bleibt das einzige relevante Längsmass und p_K fällt mit p_a zusammen.
Folgearbeit (trigger-basiert)¶
Bei Werkplan-Beschriftungs-Tools werden weitere Längen-Begriffe relevant, etwa:
- Sparrenlänge inklusive Anschnitt (vom äussersten Punkt des Sparrenfuß-Anschnitts bis zum äussersten Punkt des First-Anschnitts, also die Roh-Bauteillänge vor Abbund); ergänzt die Tabelle um einen vierten Längs-Begriff.
- Abgewickelte Sparrenlänge (für die Werkplan-Bemassung der Lattenraster-Längen entlang der Sparren-Oberseite, falls Lattung modelliert wird).
Diese können dann als zusätzliche Zeilen der Symbol-Tabelle
nachgezogen oder gemeinsam mit den vier oben genannten in einen
eigenen Glossareintrag sparrenlaenge.md ausgelagert werden.
Trigger: erstes Werkplan-Beschriftungs-Tool, das explizite
Längen-Annotationen am Sparren erzeugt.
Querschnitt und Werkstoff¶
Sparren werden im Schweizer Wohnbau typisch als Vollholz in Festigkeitsklasse C24 (Fichte/Tanne, sortiert nach SIA 265 / DIN 4074-1) ausgeführt; im größeren Spannweitenbereich oder bei sichtbaren Dachstühlen auch als Brettschichtholz (BSH, GL24h). Übliche Querschnitte:
- 60/120 mm bis 80/160 mm bei kleinen Spannweiten,
- 80/200 mm bis 100/240 mm bei mittleren Spannweiten,
- größere Querschnitte bei großen Achsabständen oder hohen Lasten.
Die konkrete Querschnittsfindung ist Gegenstand der Bemessung nach SIA 265 / EN 1995-1-1 und liegt nicht im Definitionsbereich dieses Glossars.
Faserrichtung¶
Die Faserrichtung eines Sparrens ist im Regelfall parallel
zur Bauteilachse: das Bauteil wird so aus dem Stamm geschnitten,
dass die Längsfaser entlang der Bauteillänge verläuft. Die
Faserneigung (siehe faserrichtung) ist im prismatischen Idealfall
0; Abweichungen werden über die Sortierklasse begrenzt (DIN 4074-1).
In der Domänen-Schicht ist faserrichtung Annotation des Bauteils
und für Sparren als Default ‖ d_hat_Sparren zu setzen.
Sparren in den vier Hauptsystemen¶
- Sparrendach: Sparrenpaare bilden mit einem horizontalen Zugglied (Deckenbalken oder Kehlbalken) ein statisches Dreieck. Auflager sind das Gegenstück-Sparrenpaar (Druck am First) und das Zugglied (Aufnahme des Horizontalschubs am Fuß). Es gibt keine Firstpfette und keine Mittelpfette.
- Pfettendach: Sparren liegen auf horizontalen Pfetten (Fußpfette am Sparrenfuß, ggf. Mittelpfette in Sparrenmitte, Firstpfette am Sparrenfirstpunkt). Die Pfetten leiten die Sparrenlasten in Wände, Stützen oder Stuhlsäulen ab.
- Kehlbalkendach: Erweiterung des Sparrendachs um einen horizontalen Kehlbalken auf etwa halber Sparrenhöhe; halbiert die Knicklänge des Sparrens.
- Binderdach: Sparren als Sekundärtragwerk auf vorgefertigten Bindern (Nagelbinder, BSH-Binder), in regelmäßigem Achsabstand des Binders.
Typische Verbindungen am Sparren¶
Diese Verbindungen sind Geometrien an Sparren und/oder Pfetten; sie werden in eigenen Glossareinträgen definiert. Hier nur als Verortung:
- Versatz am Sparrenfuß auf der Fußpfette (Stirn-, Fersen-, doppelter Versatz);
- Kammverbindung am Übergang zur Mittelpfette;
- Anschnitt am Firstanschluss (Stirn-Anschnitt zweier gegenüberstehender Sparren oder Auflagerung auf Firstpfette);
- Sparrenanschlag an der Fußpfette (Querholz-Auflagerung ohne Versatz).
Sonderformen (eigene Folge-Einträge)¶
- Gratsparren (
gratsparren): Sparren entlang eines Grats (konvexe Schnittkante zweier Dachflächen, etwa an einer Walmdach-Ecke). Liegt nicht auf einer einzelnen Dachfläche, sondern auf der Schnittgeraden zweier Trägerebenen. Querschnitt meist größer als der Standardsparren. - Kehlsparren (
kehlsparren): Sparren entlang einer Kehle (konkave Schnittkante zweier Dachflächen, an einspringender Ecke). Geometrisch analog zum Gratsparren, statisch und konstruktiv anders (sammelt Wasser, höhere Auflasten durch Schneeansammlung). - Schiftsparren (
schiftsparren, regional auch „Verschneidungssparren", uneinheitlich auch als Sammelbegriff für Grat-/Kehlsparren verwendet — siehehg_gratsparren.md): verkürzte Sparren, die an einem Grat- oder Kehlsparren ansetzen statt am First.
Beziehungen¶
- Oberbegriff:
bauteil. Strukturell ist der Sparren ein Bauteil mit der zusätzlichen Rolle „Sparren" und den oben formalisierten geometrischen Constraints. - Bestandteile (partitiv):
- Bauteilachse (
bauteilachse.Gerade, vom Bauteil geerbt) mit Sparrenfuß als Anfangs- und Sparrenfirstpunkt als Endpunkt; - Querschnitt (vom Bauteil geerbt; rechteckig im Regelfall);
- Werkstoff (vom Bauteil geerbt; Vollholz oder BSH);
- Faserrichtung (Annotation, Default ‖ d_hat_Sparren);
- Sparrenfuß-Punkt und Sparrenfirstpunkt als abgeleitete Endpunkte der Bauteilachse.
- Spezialisierungen (eigene Folge-Einträge):
- Gratsparren (
gratsparren) - Kehlsparren (
kehlsparren) - Schiftsparren (
schiftsparren) - Verwendung / Beziehung zu anderen Bauteilen:
- Pfette (
pfette): Auflager des Sparrens im Pfettendach (Fuß-, Mittel-, Firstpfette). - Kehlbalken (
kehlbalken): Aussteifungs-Querholz zwischen Sparrenpaar im Kehlbalkendach. - Binder (
binder, bereits angelegt): mehrteiliges Trag-Aggregat (oberbegriff: bauteilgruppe); ein Sparren kann Bestandteil höchstens einer Bauteilgruppe sein (hg_bauteilgruppe.mdBed. 1 — exklusive Mitgliedschaft). Ein Sparrenbinder-Sparren gehört exklusiv zu diesem Binder. - Latte (
latte, bereits angelegt): liegt auf dem Sparren, quer zur Bauteilachse (rechtwinklig zur Sparrenachse, parallel zu einer Höhenlinie), als Auflage für die Eindeckung. - Konterlatte (
konterlatte, bereits angelegt): liegt zwischen Sparren und Latte, parallel zum Sparren entlang Falllinie, zur Hinterlüftung des Unterdachs. - Dachfläche (
dachflaeche): zugeordnete geometrische Fläche; die Sparrenachsen liegen in deren Trägerebene. - Abgrenzung:
- Pfette (
pfette): horizontaler Längsträger; quer zum Sparren. Ein Sparren ist geneigt entlang der Falllinie, eine Pfette ist horizontal entlang einer Höhenlinie der Dachfläche. - Kehlbalken (
kehlbalken): horizontaler Querbalken zwischen einem Sparrenpaar zur Aussteifung. Kein Sparren (anderer Lagebezug, andere Funktion). - Gratsparren / Kehlsparren: liegen auf der Schnittkante zweier Dachflächen, nicht in einer einzelnen Trägerebene entlang ihrer Falllinie. Erfüllen Bed. 3 nicht.
- Binder: vorgefertigtes, mehrteiliges Trag-Aggregat (Nagelbinder, BSH-Binder, Fachwerkbinder). Kein Stabbauteil im Sinne des Sparrens.
- Latte / Konterlatte: Sekundärbauteile mit kleinerem Querschnitt zur Auflage der Dachhaut bzw. Hinterlüftung; sie liegen quer (Latte) bzw. parallel (Konterlatte) zum Sparren, sind aber nicht selbst Sparren.
- Dachfläche: zweidimensionales geometrisches Bauteil; der Sparren ist ein Stab-Bauteil mit Achse in der Trägerebene der Dachfläche.
Implementierungshinweis¶
Datentyp (Domänen-Schicht, Kotlin, Schicht domain.bauteil):
package domain.bauteil
import domain.Toleranzen
import domain.bauteil.Bauteil
import domain.bauteil.Bauteilachse
import domain.bauteil.BauteilId
import domain.geometrie.Einheitsvektor
import domain.geometrie.Punkt
import domain.holzbau.Faserrichtung
/**
* Sparren als Bauteilrolle: Stab-Bauteil entlang der Falllinie einer
* Dachfläche.
*
* Glossar: hg_sparren.md
*
* Vorzeichenkonvention (normativ):
* p_a = Sparrenfuß (an/nahe der Traufe)
* p_e = Sparrenfirstpunkt (an/nahe dem First / der Pultkante)
* d_hat zeigt nach oben (⟨d_hat, e_z⟩ ≥ 0), entgegen der Falllinie e_hat_fall.
*
* Querschnitts- und Werkstoff-Annotationen werden vom umschlossenen
* Bauteil übernommen. Faserrichtung ist im Regelfall parallel zur
* Bauteilachse zu setzen.
*/
data class Sparren(
val bauteil: Bauteil,
val dachflaeche: Dachflaeche
) {
init {
require(bauteil.geometrie is Bauteilgeometrie.Stab) {
"Sparren erfordert Stabgeometrie"
}
// Lage- und Falllinien-Bedingungen werden in der Factory
// sparrenAusBauteil(...) geprüft und liefern bei Verletzung
// ein Resultat.Fehler mit SparrenEntartet-Variante (siehe unten).
}
val sparrenfuss: Punkt get() = achse().anfang
val sparrenfirstpunkt: Punkt get() = achse().ende
val laenge: Double get() = achse().laenge // mm
val sparrenneigung: Double // rad
get() = dachflaeche.dachneigung()
private fun achse(): Bauteilachse.Gerade =
(bauteil.geometrie as Bauteilgeometrie.Stab).achse as Bauteilachse.Gerade
}
sealed class SparrenEntartet {
object NichtInTraegerebene : SparrenEntartet()
object NichtAufFalllinie : SparrenEntartet()
object FalscheRichtung : SparrenEntartet() // d_hat zeigt nach unten
object Nullachse : SparrenEntartet()
object FlacheDachflaeche : SparrenEntartet() // α = 0, Falllinie undef.
}
- Einheit: Längen in mm (Double), Winkel intern in Radiant.
- Identität:
BauteilIdaus dem zugrunde liegenden Bauteil. - Invarianten (in der Factory
sparrenAusBauteil(...)prüfen, bei VerletzungResultat.Fehlermit der jeweiligenSparrenEntartet-Variante; niemals Exception): - Stabgeometrie und Bauteilachse vom Typ
Bauteilachse.Gerade. - Achsenlänge > Toleranzen.LAENGE_EPS — sonst
Nullachse. - p_a, p_e ∈ Trägerebene der Dachfläche bis ε_L — sonst
NichtInTraegerebene. - Dachfläche geneigt (α > 0) — sonst
FlacheDachflaeche. - |⟨d_hat, e_hat_fall⟩| ≥ 1 − ε_W — sonst
NichtAufFalllinie. - ⟨d_hat, e_hat_fall⟩ ≤ −1 + ε_W (d_hat zeigt nach oben) — sonst
FalscheRichtung(Konsumenten können hier durch Achsen- Umkehr automatisch korrigieren). - Edge Cases:
- Pultsparren: Pultdach mit nur einer Dachfläche; Sparren geht von der Traufe zur Pultkante. Definition unverändert anwendbar; p_e liegt dann auf der Pultkante statt am First.
- Sparren am Ortgang: identisch zum Standardsparren, aber
der Bauteilachse fällt mit einer Ortgangkante zusammen
(siehe
ortgang). Nicht zu verwechseln mit dem Sparren als Geometrie der Ortgangkante; der Ortgangsparren ist ein Sparren mit Achse = Ortgangstrecke. - Aufgekämmter Sparren (mit eingearbeitetem Versatz an der Fußpfette): die Bauteilachse bleibt die geometrische Schwerlinie; der Versatz ist eine separate Geometrie- Modifikation am Bauteil und nicht Bestandteil der Sparren-Definition.
- Sehr flache Dachfläche (α → 0): Falllinie wird entartet; in diesem Fall ist die App auf eine Pultdach- bzw. Flachdach- Modellierung ohne klassische Sparrenrichtung umzustellen.
- Abgeleitete Eigenschaften (als Funktionen):
sparrenneigung(): Double— = Dachneigung der zugeordneten Dachfläche, in Radiant.auflagerKandidaten(t: Tragwerk): List<Pfette>— Pfetten int, deren Bauteilachse die Sparrenbauteilachse innerhalb Toleranzen schneidet (Bemessungs-Hilfsfunktion).faserneigung(): Double?— falls Faserrichtung gesetzt: Winkel zwischen Faserrichtung und Sparrenachse; sonst null.- Bezeichner-Konvention (CLAUDE.md): Klasse heißt
Sparren(deutsch, Glossarbegriff); Spezialisierungen heißenGratsparren,Kehlsparren,Schiftsparren.
Quellen¶
Primär (normativ):
- SIA 265:2021, „Holzbau", Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein, Zürich.
- SIA 232/1:2020, „Geneigte Dächer", Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein, Zürich.
- DIN EN 1995-1-1:2010-12, „Eurocode 5: Bemessung und Konstruktion von Holzbauten – Teil 1-1: Allgemeines".
- DIN 1052:2008-12, „Entwurf, Berechnung und Bemessung von Holzbauwerken".
- DIN EN 14081-1:2019-10, „Holzbauwerke – Nach Festigkeit sortiertes Bauholz mit rechteckigem Querschnitt – Teil 1".
Sekundär:
- Lignum (Hrsg.): Holzbautabellen HBT. Lignum, Zürich, aktuelle Auflage.
- Lignum (Hrsg.): Lignatec — Geneigte Dächer in Holzbauweise. Lignum, Zürich, aktuelle Auflage.
- Mönck, W.; Rug, W.: Holzbau – Bemessung und Konstruktion.
- Auflage, Beuth, Berlin 2015.
- Blass, H. J.; Sandhaas, C.: Ingenieurholzbau – Grundlagen der Bemessung. KIT Scientific Publishing, Karlsruhe 2016.
- Natterer, J.; Herzog, T.; Volz, M.: Holzbau-Atlas. 4. Auflage, Birkhäuser, Basel 2003.
- Gerner, M.: Fachwerk – Instandsetzung, Sanierung, Neubau. DVA, 7. Auflage 2007.
Korpus (nicht autoritativ):
- Holzbau Deutschland, Merkblatt „Begriffe und Klassifizierungen für den Holzbau" (abgerufen 2026-05-08).
- Wikipedia, Lemma „Sparren" (abgerufen 2026-05-08).