Anschnitt¶
Ein Anschnitt ist ein schräg statt gerade abgesägtes Balkenende, damit es sauber an ein anderes Bauteil anschliesst — ähnlich dem schrägen Anspitzen eines Bleistifts.
Prosa-Definition¶
Ein Anschnitt ist eine subtraktive Bearbeitung am Endpunkt eines Stab-Bauteils, die durch eine einzige Anschnittebene am Bauteil- Endpunkt vollständig festgelegt ist, deren Normale gegen die Bauteilachsen-Tangente am Endpunkt einen von π/2 verschiedenen Anschnittwinkel einschließt, und die als Resultat eine zur Bauteilachse geneigte Stirnseite des Bauteils erzeugt.
Mathematische Definition¶
Sei
-
F eine Bearbeitung nach
bearbeitungmit Typ τ = Anschnitt ∈ 𝓣, -
B ∈ 𝓑 das zugehörige Stab-Bauteil mit Bauteilachse A(B), die Tangentenrichtung d_hat(s) ∈ S² an der Stelle s ∈ [0, L], Anfangs- punkt p_a:= A(B)(0) und Endpunkt p_e:= A(B)(L) (siehe
bauteilachse), -
σ ∈ {ANFANG, ENDE} die Anschnittseite (analog zu
Endpositioninhg_stirnseite.md); setzep_σ:= { p_a, falls σ = ANFANG; p_e, falls σ = ENDE } (1a) d_hat_σ:= { −d_hat(0), falls σ = ANFANG; +d_hat(L), falls σ = ENDE } (1b)(d_hat_σ ist die nach außen gerichtete Tangentenrichtung am Anschnittendpunkt),
-
E_AS ⊂ ℝ³ die Anschnittebene, Ebene nach
ebenedurch p_σ mit Einheitsnormaler n_hat_AS ∈ S², -
α_AS:= arcsin|⟨n_hat_AS, d_hat_σ⟩| ∈ (ε_W, π/2 − ε_W) der Anschnitt- winkel (Winkel zwischen der Anschnittebene E_AS und der Bauteilachse d_hat_σ; α_AS = π/2 für den rechtwinkligen End- schnitt, α_AS → 0 für die tangentiale Lage) mit ε_W:=
Toleranzen.WINKEL_EPS, -
𝓡 ⊂ ℝ³ ein abgeschlossener, beschränkter „Schnitt-Bereichs- Polyeder" am Bauteil-Endpunkt, gross genug, dass er das gesamte Material des Bauteils auf der Außenseite der Anschnittebene umschließt (Bounding-Box des Bauteilkörpers am Endpunkt p_σ).
Die Anschnittebene zerlegt ℝ³ in zwei abgeschlossene Halbräume
H_+(E_AS):= { x ∈ ℝ³ | ⟨n_hat_AS, x − p_σ⟩ ≥ 0 }, (2a)
H_−(E_AS):= { x ∈ ℝ³ | ⟨n_hat_AS, x − p_σ⟩ ≤ 0 }. (2b)
Per Konvention zeigt n_hat_AS aus dem Bauteil heraus:
⟨n_hat_AS, d_hat_σ⟩ > 0. (3)
Damit ist H_+(E_AS) der Halbraum auf der Außenseite des Bauteilendpunktes (Werkzeug-Halbraum) und H_−(E_AS) der Halbraum auf der Bauteilseite.
Der Werkzeugkörper der Anschnitt-Bearbeitung ist die Begrenzung des Außenseiten-Halbraums auf den Schnitt-Bereichs-Polyeder 𝓡:
K_Anschnitt(p_τ):= H_+(E_AS) ∩ 𝓡 ⊂ ℝ³. (4)
K_Anschnitt(p_τ) ist ein abgeschlossener, beschränkter Polyeder
im Sinne von polyeder (Schnitt zweier konvexer abgeschlossener
beschränkter Mengen ist konvex, abgeschlossen, beschränkt).
Damit ist eine Anschnitt-Bearbeitung im Sinne von
hg_bearbeitung.md das Tupel
F_AS:= (uuid, Anschnitt, p_τ = (σ, E_AS), T_F, bezeichnung?), (5)
mit
- σ ∈ {ANFANG, ENDE}: Anschnittseite,
- E_AS: Anschnittebene durch p_σ mit Einheitsnormaler n_hat_AS unter Bedingungen (3) und α_AS ∈ (ε_W, π/2 − ε_W),
- T_F ∈ SE(3): lokale Platzierung des typeigenen Bezugs- Koordinatensystems im Bauteil-Lokal-System (per Konvention Identität in SE(3), wenn p_τ direkt im Bauteil-Lokal-System parametrisiert ist).
Die Wirkung des Anschnitts auf das Bauteil ist die Boole'sche
Differenz nach hg_bearbeitung.md (1):
G_B'(F_AS) = G_B^lokal \ T_F(K_Anschnitt(p_τ)). (6)
Geometrisch entspricht (6) dem Abschneiden des Bauteilmaterials, das auf der Außenseite der Anschnittebene liegt.
Das Resultat des Anschnitts ist eine geneigte Stirnseite
nach hg_stirnseite.md an der Anschnittseite σ:
S_σ(B; F_AS):= (∂F_S, E_AS, n_hat_AS, p_σ) (7)
mit
- Trägerebene der Stirnseite ist die Anschnittebene E_AS,
- Aussennormale der Stirnseite ist n_hat_AS (kanonisch aus Bauteil heraus, siehe (3)),
- Bezugspunkt der Stirnseite ist p_σ,
- Berandung ∂F_S ist das durch E_AS am bearbeiteten Bauteilkörper G_B'(F_AS) entstehende Schnittpolygon.
Es gilt nach Konstruktion
|⟨n_hat_AS, d_hat_σ⟩| = sin(α_AS) < 1 − ε_W, (8)
also α_AS ≠ π/2; die Stirnseite ist damit nicht rechtwinklig
zur Bauteilachse und im Sinne von hg_stirnseite.md (4) eine
geneigte (Anschnitt-)Stirnseite.
Wohldefiniertheit¶
- Existenz: Für jeden Anschnittwinkel α_AS ∈ (ε_W, π/2 − ε_W) und jede Anschnittseite σ existiert eine Anschnittebene E_AS durch p_σ mit n_hat_AS unter (3) und mit dem entsprechenden α_AS. Mindestkonfiguration: σ = ENDE, n_hat_AS in der durch d_hat(L) und einer beliebigen zweiten Welt-Richtung aufgespannten Ebene mit Winkel π/2 − α_AS zu d_hat(L) (die Anschnittebene schließt dann α_AS mit der Bauteilachse ein). Damit existiert F_AS.
- Eindeutigkeit der Identität: Wie in
hg_bearbeitung.mdüber UUID v7 nach RFC 9562. - Wohldefiniertheit des Werkzeugkörpers: Aus E_AS und der
Vorzeichenkonvention (3) folgt H_+(E_AS) eindeutig. Der
Schnitt H_+(E_AS) ∩ 𝓡 ist eindeutig, sobald 𝓡 als
Schnitt-Bereichs-Polyeder festgelegt ist. Die Wahl von 𝓡 wirkt
sich auf die geometrische Repräsentation des Werkzeugkörpers
aus, nicht auf die Wirkung (6): zwei verschiedene Wahlen
𝓡, 𝓡' mit (G_B^lokal ∩ H_+(E_AS)) ⊆ 𝓡 ∩ 𝓡' liefern dasselbe
G_B'(F_AS), weil die Differenz nur den Bauteil-internen
Schnitt H_+(E_AS) ∩ G_B^lokal entfernt. Konkrete App-Konvention:
𝓡 wird als minimale axenparallele Bounding-Box um G_B^lokal mit
einem
LAENGE_EPS-grossen Sicherheitsabstand gewählt; diese Wahl ist semantisch invariant. - Wohldefiniertheit der Wirkung: Die Boole'sche Differenz
(6) ist nach
hg_bearbeitung.mdWohldefiniertheits-Block stets wohldefiniert (abgeschlossene beschränkte Polyeder); das Ergebnis ist eine messbare, beschränkte Punktmenge. - Wohldefiniertheit der resultierenden Stirnseite: Die
Polygonberandung ∂F_S nach (7) ist als Schnitt der
Anschnittebene E_AS mit dem bearbeiteten Bauteilkörper
G_B'(F_AS) wohldefiniert; sie ist im Standardfall (konvexer
Stab-Querschnitt) ein konvexes Polygon im Sinne von
hg_polygon.md. Die Existenz und Eindeutigkeit der resultierenden Stirnseite folgt aushg_stirnseite.mdWohldefiniertheits-Block, angewandt auf die Trägerebene E_AS. - Eindeutigkeit der Anschnittebene gegeben (σ, n_hat_AS): Aus der Wahl der Anschnittseite σ folgt p_σ; aus n_hat_AS und (3) folgt die Orientierung von E_AS; aus dem Inzidenzpunkt p_σ ∈ E_AS folgt die Lage der Ebene. Damit ist E_AS eindeutig.
- Vorzeichen-Invarianz: Die Hesse-Normalform von E_AS ist durch (3) ohne Vorzeichenmehrdeutigkeit festgelegt; in der Code-Repräsentation wird die Aussennormale-Konvention durch (3) erzwungen.
- Reihenfolge-Unabhängigkeit bei mehreren Bearbeitungen:
Wie in
hg_bearbeitung.md(kommutative Vereinigung); zwei Anschnitte am gleichen Bauteilendpunkt (Doppelanschnitt- Sonderfall, Folgearbeit) werden als zwei separate Bearbeitungen geführt, ihre Wirkungen kombinieren sich reihenfolge-invariant. - Konsistenz Werkzeugkörper ↔ Bauteilgeometrie: Im
Standardfall ragt K_Anschnitt(p_τ) per Konstruktion (4)
vollständig in den Außenseiten-Halbraum H_+(E_AS); der
bauteil-interne Anteil ist H_+(E_AS) ∩ G_B^lokal, was genau
der zu entfernende Materialteil ist. Die in
hg_bearbeitung.mdEdge-Case-Bedingung „Werkzeugkörper teilweise außerhalb des Bauteils" ist hier strukturell der Standard und keine Verletzung. - Plausibilität der Resultats-Stirnseite (weiche Invariante): α_AS-Grenzwerte nahe ε_W oder π/2 − ε_W liefern numerisch schwierige Resultate (extrem schmale Anschnittfläche bei α_AS → 0 bzw. fast rechtwinkliger Endschnitt bei α_AS → π/2). Die App warnt — typisiert in der Bemessungs-/ Validierungs-Schicht — bei Werten ausserhalb eines praxisüblichen Korridors (z. B. α_AS ∈ [π/12, π/2 − π/180]). Diese Warnung ist keine Definitionsbedingung.
- Nicht-Zirkularität: Die Definition stützt sich nur auf
bearbeitung,bauteil,bauteilachse,ebene,stirnseite,polyeder,lokales_koordinatensystemundtoleranzen. Sie kommt nicht in ihrer eigenen Definition vor und verweist nicht auf konkrete Anschnitt-Folgearbeiten (schmiege,hexenschnitt,laengsanschnitt).
Erläuterung (nicht normativ)¶
Was ein Anschnitt ist und was nicht¶
Der Anschnitt ist die Bearbeitung, die am Endpunkt eines Stab-Bauteils einen geneigten Endschnitt herstellt. Anschnitt ist:
- kein Lage-Prädikat wie
senkeloderbleischnitt(die beschreiben die Welt-Ausrichtung einer Ebene); - keine Endfläche wie
stirnseite(die ist die Resultat- Fläche am Bauteilendpunkt); - keine Längsseiten-Auskerbung wie
kerve(die liegt an der Längsseite, nicht am Ende);
sondern ein Bearbeitungs-Subtyp unter bearbeitung,
parallel zu bohrung, versatz, zapfenloch, schlitz,
blatt, kamm, fase. Die Resultat-Sicht (die geneigte
Stirnseite) wird über hg_stirnseite.md adressiert; der
Anschnitt selbst trägt die Werkzeug-Parametrisierung.
Typologie der App-Anwendungsfälle¶
Der App-Begriff Anschnitt deckt im Erstentwurfs-Umfang einfache End-Anschnitte mit einer Anschnittebene am Bauteilendpunkt ab. Innerhalb dieses Umfangs treten in der zimmermannssprachlichen Praxis mehrere Anwendungstypen auf, deren Klassifikation rein welt-bezogen ist (also über die Prädikate auf der Anschnittebene, nicht über zusätzliche Anschnitt-Parameter):
- Senkelschnitt am Sparrenfuß (oder am Sparrenfirstpunkt):
die Anschnittebene ist ein
senkel, also parallel zur Welt-Lotachse. Resultat-Stirnseite zeigt vertikal nach unten (Sparrenfuß) bzw. firstwärts vertikal (Sparrenfirstpunkt). Klassifikation:E_AS.istSenkel()lieferttrue. - Bleischnitt am Sparrenfuß (oder am Sparrenfirstpunkt):
die Anschnittebene ist ein
bleischnitt, also rechtwinklig zur Welt-Lotachse. Resultat-Stirnseite zeigt waagerecht (Sparrenfuß-Bleischnitt). Klassifikation:E_AS.istBleischnitt()lieferttrue. - Stirnanschnitt allgemein: jeder Anschnitt am Bauteilende fällt unter diese Anwendungsbenennung (synonym mit Anschnitt im Erstentwurfs-Umfang); die Anschnittebene ist weder Senkel noch Bleischnitt im scharfen Sinne, sondern eine beliebige geneigte Ebene am Endpunkt.
Die folgenden Anwendungsfälle gehen über den Erstentwurfs- Umfang hinaus und sind Folgearbeit-Einträge mit eigenen Geometriebeschreibungen:
- Schmiege (Folgearbeit
schmiege): Anschnitt- Spezialisierung an einer Schifter-Grat- oder -Kehl-Verschneidung. Die Anschnittebene trägt eine zusätzliche Bezugsrolle (Anfallfläche an Grat-/Kehlachse). Drei Sub-Spezialisierungen aus dem Korpus (Lueger 1904, Wikipedia/Schiftung): - Fußschmiege (am Schifter-Fußpunkt),
- Lotschmiege / Senkelschmiege (lotrechte Anfallfläche),
- Backenschmiege (auf der Sparren-Seitenfläche).
- Hexenschnitt (Folgearbeit
hexenschnitt): Doppelanschnitt am Traufendpunkt eines Grat- oder Kehlsparrens, zur fluchtgerechten Verlängerung der Sparren-Traufschnitte über den Walmgrat hinaus. Zwei Anschnittebenen am selben Endpunkt; modelliert als zweiAnschnitt-Instanzen mit derselben Anschnittseite, aber unterschiedlichen Anschnittebenen. - Längsanschnitt (Folgearbeit
laengsanschnitt): Anschnitt mitten am Bauteil in Bauteil-Längsrichtung, BTLxLongitudinalCut. Trigger: erste Sparrenverbreiterung oder Längsverjüngung. Vom Endanschnitt durch die Position abweichend.
Wahl des Anschnittwinkel-Bezugs¶
In der Berufspraxis tauchen mehrere Bezüge für den
„Anschnittwinkel" auf — Bauteilachse, Welt-Lotachse,
Dachneigung, Falllinie der Dachfläche. Diese App wählt die
Bauteilachse als Definitions-Bezug (α_AS = ∢(n_hat_AS, d_hat_σ)),
konsistent mit der BTLx-Inclination-Konvention und mit
hg_stirnseite.md. Welt-bezogene Sichten (Senkel-/Bleischnitt-
Eigenschaft, Winkel gegen Dachfläche) sind abgeleitete
Sichten über die bestehenden Prädikate und Funktionen, nicht
Bestandteil der Anschnitt-Parametrisierung.
Diese Wahl ist Bauteil-lokal und damit invariant gegen Einbau-Orientierung des Bauteils (Drehung des Sparrens um seine Bauteilachse ändert α_AS nicht). Die welt-bezogene Klassifikation (Senkel/Bleischnitt) ändert sich dagegen mit der Einbau-Orientierung — das ist beabsichtigt und entspricht der zimmermannssprachlichen Verwendung der drei Begriffe.
Schiftung als Verfahren, nicht als Bearbeitung¶
Die in der Wikipedia/Schiftung dokumentierte Notation
„Anschnitt = XO/XU-Paar" (Schnittwinkel an Ober- und
Unterkante des Sparrens, etwa bei einem Schiftsparren am
Walmgrat) ist eine Konstruktions-Anweisung zur Bestimmung
der Anschnittwinkel über die Schiftung. Die Schiftung selbst
ist ein Verfahren, kein Bearbeitungs-Subtyp; sie gehört in
einen Folgeeintrag schiftung oder in das Subglossar
(Lehrlingsstufe). Das geometrische Resultat einer geschifteten
Anschnitt-Bestimmung ist eine Anschnitt-Instanz im Sinne
dieses Eintrags.
Beziehungen¶
- Oberbegriff:
bearbeitung. Der Anschnitt ist ein Bearbeitungs-Subtyp in der sealed-Aufzählung 𝓣 (siehehg_bearbeitung.md). Er erbt UUID, lokale Platzierung, Bezeichnung, und insbesondere die partitive Komposition unter dem Bauteil (kein eigenständiger Lebenszyklus). - Spezialisierungen (Folgearbeit, eigene Glossareinträge):
- Schmiege (
schmiege, Folgearbeit): Anschnitt- Spezialisierung an Schifter-Grat-/Kehl-Verschneidung, mit zusätzlicher Bezugsrolle (Anfallfläche an Grat-/Kehlachse). Drei Sub-Spezialisierungen aus dem Korpus: Fußschmiege, Lotschmiege/Senkelschmiege, Backenschmiege. Trigger: erstes Walmdach-Tool mit Schiftern. - Hexenschnitt (
hexenschnitt, Folgearbeit): Doppelanschnitt am Traufendpunkt eines Grat- oder Kehlsparrens. Trigger: Walmdach-Tool mit Dachkasten-Detail. - Längsanschnitt (
laengsanschnitt, Folgearbeit): Anschnitt mitten am Bauteil in Bauteil-Längsrichtung (BTLxLongitudinalCut). Trigger: erstes Tool mit Sparrenverbreiterung oder Längsverjüngung. - Doppelanschnitt allgemein (Folgearbeit, ggf. Subtyp
von
schmiegeoderhexenschnitt): zwei Anschnittebenen am selben Endpunkt (BTLxDoubleCut). - Bestandteile (partitiv):
- UUID (
uuid, geerbt vonbearbeitung): technische Identität, Pflicht. - Anschnittseite σ ∈ {ANFANG, ENDE}: Pflicht.
- Anschnittebene E_AS (
ebene): Pflicht; bestimmt durch Inzidenz mit p_σ und Einheitsnormaler n_hat_AS unter (3). - Lokale Platzierung T_F ∈ SE(3) (geerbt von
bearbeitung): Pflicht; in der Standard-Konvention Identität in SE(3). - Bezeichnung: optional.
- Abgeleitete Eigenschaften (Funktionen, keine Felder): Anschnittwinkel α_AS = arcsin|⟨n_hat_AS, d_hat_σ⟩|; Lot-Lage der Anschnittebene (Senkel/Bleischnitt/geneigt); resultierende Stirnseite nach (7).
- Verwendung:
- Stirnseite (
stirnseite): das geometrische Resultat eines Anschnitts ist eine geneigte Stirnseite mit α_AS ≠ π/2 (siehehg_stirnseite.md(4)). Die Stirnseite ist die Resultat-Sicht; der Anschnitt ist die Bearbeitung. - Sparren (
sparren), Gratsparren (gratsparren), Kehlsparren (kehlsparren, Folgearbeit): typische Trägerbauteile von Anschnitten (Trauf-, First- und Walmgrat-Stirnausbildung). - Bemessung (EC5 5.2 / SIA 265 §5.2): Anschnitt-Stirnseite ist eine Querschnittsänderung am Stab-Bauteilende; die Bemessungs-Schicht zieht aus α_AS und der resultierenden Stirnflächenfläche die Auflagerbedingungen ab.
- Abgrenzung:
- Kerve (
kerve): Bearbeitung an der Längsseite des Sparrens, zweiflächig (Sohle + Senkel), Dreiecksquerschnitt; schwächt den Längsquerschnitt, erzeugt keine Stirnseite. Anschnitt liegt am Bauteilende, ist einflächig (eine Anschnittebene) und erzeugt eine Stirnseite. Eine Kerve nahe dem Bauteilende ist keine Anschnitt-Bearbeitung, sondern eine Kerve im Sinne vonhg_kerve.md. - Stirnseite (
stirnseite): die geometrische Endfläche am Bauteilendpunkt (Bauteilfläche,begriffstyp: generisch). Eine Stirnseite ist das Resultat eines Anschnitts, nicht der Anschnitt selbst. Der Anschnitt ist die Bearbeitung mit eigener UUID, Anschnittseite und Anschnittebene; die Stirnseite ist die abgeleitete Resultat-Sicht ohne eigene UUID. - Bearbeitung (
bearbeitung): Oberbegriff. Der Anschnitt ist ein Bearbeitungs-Subtyp neben Kerve, Bohrung, Versatz, Zapfenloch, Schlitz, Blatt, Kamm und Fase. - Senkel (
senkel): Lage-Prädikat über Ebenen (parallel zur Welt-Lotachse). Eine Anschnittebene kann ein Senkel sein (Senkelschnitt am Sparrenfuß), muss aber nicht. Senkel ist eine Klassifikation der Anschnittebene, keine Bearbeitung. - Bleischnitt (
bleischnitt): Lage-Prädikat über Ebenen (rechtwinklig zur Welt-Lotachse). Eine Anschnittebene kann ein Bleischnitt sein (Bleischnitt am Sparrenfuß), muss aber nicht. Bleischnitt ist eine Klassifikation der Anschnittebene, keine Bearbeitung. - Schmiege (
schmiege, Folgearbeit): Anschnitt- Spezialisierung an einer Schifter-Grat-/Kehl-Verschneidung mit zusätzlicher Bezugsrolle. Schmiege ist ein engerer Begriff als Anschnitt (jede Schmiege ist ein Anschnitt; nicht jeder Anschnitt ist eine Schmiege). - Hexenschnitt (
hexenschnitt, Folgearbeit): Doppelanschnitt am Traufendpunkt von Grat-/Kehlsparren. Hexenschnitt ist ein Verbund zweier Anschnitt- Instanzen, keine einzelne Anschnitt-Bearbeitung im Sinne dieses Eintrags. - Versatz (
versatz, Folgearbeit): stirnseitige Materialwegnahme zur Lastübertragung (Stirnversatz, Fersenversatz) am Sparren- oder Strebenfuß, mit zusätzlicher Versatztiefe-Geometrie und Lastübertragungs- Funktion. Versatz ist nicht Anschnitt; ein Versatz kann eine Anschnitt-ähnliche Schnittfläche enthalten, ist aber eine eigenständige Bearbeitung mit Versatz-Tiefe als Zusatzparameter. - Fase (
fase, Folgearbeit): kleinflächige Kanten- Abschrägung an einer Bauteilkante, keine Endschnittebene. Eine Fase ist nicht Anschnitt. - Querschnitt (
querschnitt): Schnittfigur an einer Stelle s ∈ [0, L] rechtwinklig zur Bauteilachse. Anschnitt-Stirnseiten sind im Sinne vonhg_querschnitt.mdkein Querschnitt (siehehg_stirnseite.md, Wohldefiniertheits-Block). - Bauteilachse (
bauteilachse): Bezugsachse, gegen die der Anschnittwinkel α_AS gemessen wird. Anschnitt ist nicht die Bauteilachse, sondern eine Bearbeitung am Endpunkt der Achse.
Quellen¶
Primär (normativ):
- DIN EN 1995-1-1:2010-12, „Eurocode 5: Bemessung und Konstruktion von Holzbauten – Teil 1-1: Allgemeines – Allgemeine Regeln und Regeln für den Hochbau", Abschnitte 5.2 und 6.5.
- design2machine: BTLx interface description, Version 2.1,
16.11.2023, Abschnitt „List of Processings", Einträge
JackRafterCut,LongitudinalCut,DoubleCut,TriangleCut. - DIN 1052:2008-12, „Entwurf, Berechnung und Bemessung von Holzbauwerken", Abschnitt 12 (Konstruktive Anforderungen).
- SIA 265:2021, „Holzbau", Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein, Zürich, §5 „Bauteile und Strukturen".
Sekundär:
- Mönck, W.; Rug, W.: Holzbau – Bemessung und Konstruktion.
- Auflage, Beuth, Berlin 2015, Kap. 11 „Dachtragwerke".
- Gerner, M.: Fachwerk – Instandsetzung, Sanierung, Neubau. DVA, 7. Auflage 2007, Glossar.
- Natterer, J.; Herzog, T.; Volz, M.: Holzbau-Atlas.
- Auflage, Birkhäuser, Basel 2003, Kap. „Dachtragwerke".
- Lignum (Hrsg.): Holzbautabellen HBT. Lignum, Zürich, aktuelle Auflage, Kap. „Sparrenanschlüsse" und „Austragen".
- Eurotec: Anfängerlehrbuch Teil 3.3 Holzverbindungen.
Korpus (nicht autoritativ):
- Wikipedia, Lemma „Schiftung" (abgerufen 2026-05-14): enthält die XO/XU-Notation für Anschnitt im engeren Schiftungs-Kontext.
- Wikipedia, Lemma „Hexenschnitt" (abgerufen 2026-05-14): Hexenschnitt als Doppelanschnitt am Trauf-Endpunkt von Grat-/Kehlsparren.
- Wikipedia, Lemma „Schmiege" (abgerufen 2026-05-14): Schmiege als schräge Anschlussfläche im Holzbau.
- Lueger, Lexikon der gesamten Technik (1904), Lemma „Schmiegen": drei Schmiege-Arten (Fußschmiege, Lotschmiege, Backenschmiege).
- polybau.ch: Unterrichtsmaterial Sparrenverbindungen, Hexenschnitt (Titel-Bestätigung).
- zimmerer-treff.com: Schräge Sparren, schräge Schifter, Hexenschnitt.
- compas_timber-API (Gramazio Kohler Research): BTLx Fabrication Module (Klassen-Liste).
- Recherchebericht: [intern].