Ständer¶
Ein Ständer ist ein senkrechter tragender Pfosten in einer Holzwand, der zwischen der unteren Schwelle und dem oberen Rähm eingespannt ist und das Gewicht von Decke und Dach senkrecht nach unten weiterleitet.
Prosa-Definition¶
Ein Ständer ist eine Bauteilrolle in einer Wand, dessen Bauteilachse lotrecht in der Wandebene verläuft und die zwischen der Schwelle am Wand-Unteren-Niveau (unterer Endpunkt) und dem Rähm am Wand-Oberen-Niveau (oberer Endpunkt) eingespannt ist, wobei das Bauteil den primären vertikalen Lastpfad der Holzwand zwischen Rähm und Schwelle bildet und über seine Vertikalachse die Lasten der Geschossdecke oder des Dachtragwerks in die Schwelle und damit in das mineralische Auflager einleitet.
Mathematische Definition¶
Sei
- B ein Bauteil im Sinne von
bauteilmit Stabgeometrie (geometrie ∈ 𝒢_stab), - a(B) = Bauteilachse.Gerade(p_a, p_e) die Bauteilachse von B im
geraden Fall (siehe
bauteilachse), mit d_hat:= (p_e − p_a) / ‖p_e − p_a‖ ∈ S² ⊂ ℝ³, - E_W eine Wandebene (Ebene im Sinne von
ebene) mit Stützpunkt p_W und Normalenvektor n_hat_W ∈ S², wobei n_hat_W horizontal liegt (|⟨n_hat_W, e_z⟩| ≤ ε_K — die Wand steht senkrecht im Sinne von HG_KONVENTIONEN.md §1, d. h. lotrecht), - S eine Schwelle in derselben Wandebene mit Bauteilachse
a(S) = (p_a^S, p_e^S) (vgl.
schwelle), - R ein Rähm in derselben Wandebene mit Bauteilachse
a(R) = (p_a^R, p_e^R) (vgl.
raehm), - e_z:= (0, 0, 1)ᵀ die vertikale Welt-Achse,
- ε_K:= Toleranzen.KOLLINEAR_EPS, ε_L:= Toleranzen.LAENGE_EPS.
Dann heißt B ein Ständer der Wand mit Wandebene E_W, Schwelle S und Rähm R genau dann, wenn die folgenden Bedingungen alle erfüllt sind:
-
Stabgeometrie: B besitzt eine gerade Bauteilachse mit ‖p_e − p_a‖ > ε_L.
-
Lotrechtheit der Ständerachse: Die Bauteilachsenrichtung ist kollinear zur Welt-Lotachse,
‖d_hat × e_z‖ ≤ ε_K,d. h. d_hat steht parallel zu e_z. Sinus-Test gegen e_z-Parallelität; nach HG_KONVENTIONEN.md §4 ist
KOLLINEAR_EPSdie einschlägige Toleranzkonstante für Lot- und Parallelitäts-Prädikate. -
Vorzeichenkonvention Fuß → Kopf: Der untere Endpunkt p_a liegt höhenmäßig unterhalb des oberen Endpunktes p_e,
p_a.z + ε_L < p_e.z,d. h. die Bauteilachse ist vom Fuß (auf der Schwelle) zum Kopf (am Rähm) gerichtet. Anders als bei Pfette, Riegel und Rähm ist hier eine geometrisch zwingende Orientierung gerechtfertigt, weil Fuß und Kopf des Ständers konstruktiv asymmetrisch sind (Schwellen-Auflager unten, Rähm-Anschluss oben).
-
Lage in der Wandebene: Beide Endpunkte liegen in E_W,
|⟨p_a − p_W, n_hat_W⟩| ≤ ε_L ∧ |⟨p_e − p_W, n_hat_W⟩| ≤ ε_L. -
Anschluss an die Schwelle (Fuß): Der untere Endpunkt p_a liegt auf der Schwellen-Bauteilachse a(S) bis auf Toleranz:
dist(p_a, a(S)) ≤ ε_L,wobei dist(p, a) der Punkt-Geraden-Abstand zur Schwellen- Achse ist.
-
Anschluss an das Rähm (Kopf): Der obere Endpunkt p_e liegt auf der Rähm-Bauteilachse a(R) bis auf Toleranz:
dist(p_e, a(R)) ≤ ε_L.
Wesentliche abgeleitete Größen:
- Ständerlänge: L_S:= ‖p_e − p_a‖ (in mm), entlang der Bauteilachse zwischen Schwellen-Anschluss und Rähm-Anschluss. Bei exakt lotrechter Ständerachse gilt L_S = p_e.z − p_a.z.
- Ständerrichtung: d_hat ∈ S² mit ‖d_hat × e_z‖ ≤ ε_K und d_hat · e_z > 0 (durch Bedingung 3 festgelegt). Damit ist d_hat ≈ +e_z.
- Geschosshöhe: h_G:= p_e.z − p_a.z; bei lotrechtem Ständer identisch mit L_S, bei toleranzbehafteter Schiefstellung bis auf KOLLINEAR_EPS‧L_S kleiner als L_S.
Wohldefiniertheit¶
- Existenz: Für jedes Stabbauteil mit positiver Achsenlänge, lotrechter Achse, Lage in einer lotrechten Wandebene und Anschluss an Schwelle und Rähm derselben Wand sind alle sechs Bedingungen konstruktiv erfüllbar; jeder Ständer einer klassischen Riegel-/Fachwerk-Wand und jeder Ständer eines modernen Holzrahmenbau-Wandelements ist Standardbeispiel.
- Eindeutigkeit der Ständerrichtung: Bedingungen 2 und 3 zusammen fixieren d_hat vollständig: d_hat ist kollinear zu e_z (Bedingung 2) und positiv orientiert (Bedingung 3), also d_hat = +e_z bis auf ε_K. Im Gegensatz zu Pfette, Riegel und Rähm ist hier auch das Vorzeichen geometrisch festgelegt.
- Eindeutigkeit der Wandebene: Die Wandebene E_W ist aus den Achsenlagen der Schwelle S und des Rähms R bestimmbar (Ebene durch die beiden parallelen, vertikal versetzten Achsen), sofern diese nicht kollinear sind. Bedingung 4 ist dann automatisch erfüllt, wenn p_a auf der Schwellen-Achse liegt (Bedingung 5) und p_e auf der Rähm-Achse (Bedingung 6).
- Konsistenz mit
hg_bauteil.md: Alle Bedingungen ausbauteil(eindeutige Identität, Geometrie, Werkstoff, Lage in W) sind erfüllt; die Bauteilrolle „Ständer" ergänzt die Lage-Constraints 1–6. - Mindestens-Schwelle-und-Rähm-Bedingung: Bedingungen 5 und 6
fordern die Existenz einer Schwelle und eines Rähms, deren
Achsen Anschluss-Auflager des Ständers sind. Diese Bedingung
schließt freistehende vertikale Hölzer (Skelettbau-Stützen
ohne Wand-Einbindung, erdgerammte Pfähle in der historischen
Pfostenbauweise) aus dem Ständer-Begriff aus; solche Bauteile
sind keine Ständer im Sinne dieses Eintrags und gehören zur
Folgearbeit-Rolle
stuetze. - Geschoss-Lesart: Die Definition macht keine Aussage über das Geschoss. Ein Ständer im Erdgeschoss auf Grundschwelle und ein Ständer im Obergeschoss auf Stockschwelle unterscheiden sich nur durch die jeweilige Schwelle, an die der Fuß anschließt. Die Default-Lesart dieses Eintrags ist der geschossweise Ständer (modern, Holzrahmenbau/ Holztafelbau/Riegelbau; siehe Erläuterung). Der geschoss- durchgehende Ständer der klassischen Ständerbauweise (13.–17. Jh.) ist Edge Case und im Implementierungs-Hinweis dokumentiert.
- Nicht-Zirkularität: Die Definition stützt sich nur auf
bereits definierte Begriffe (
bauteil,bauteilachse,strecke,einheitsvektor,ebene,weltkoordinatensystem,toleranzen) sowie auf die in derselben Welle 8/9 angelegten Wand-Geschwisterschwelleundraehm. Forward-Verweise (stuetze,saeule,haengesaeule,stuhlsaeule,stockschwelle) sind nach HG_KONVENTIONEN.md §6 zulässig. - Stempel/Kurzständer als qualifizierender Folgearbeit-Trigger:
Der Enum-Wert
StaenderPosition.STEMPEL(kurzer Ständer zwischen Brüstungs- und Sturzriegel oder als Geschoss-Stütze unter einem Hängewerk) bezeichnet eine Lesart, die die Bedingungen 5 und 6 in ihrer aktuellen Form nicht direkt erfüllt — der untere Endpunkt liegt nicht auf der Schwellen-Achse, der obere nicht auf der Rähm-Achse, sondern jeweils auf einem Zwischen-Riegel. Die Definition deckt den Stempel daher heute nicht ab; das Enum-Wertfeld ist als Folgearbeit-Trigger geführt, der mit einer Verallgemeinerung der Bedingungen 5/6 auf „nächstes horizontales Auflager in der Wandebene" einhergeht. Diese Verallgemeinerung ist Aufgabe des Wand-Aggregats oder der ersten konkreten Stempel-Modellierung; bis dahin sind reine Brüstungs-/Sturz- Kurzhölzer keine Ständer im Sinne dieses Eintrags.
Erläuterung (nicht normativ)¶
Der Ständer ist im DACH-Holzbau das vertikale, primär
lastabtragende Stab-Bauteil einer Holzwand und Pendant des
horizontalen Quer-Bauteils Riegel. Das tragende Grundgerüst
einer Holzwand im Riegelbau (CH) bzw. Fachwerkbau (DE/AT)
besteht aus Schwelle (unten, durchlaufend), Rähm (oben,
durchlaufend), Ständern (vertikal, zwischen Schwelle und Rähm
eingespannt) und dazwischen gespannten Riegeln (horizontal-quer);
diagonale Streben (strebe) und am Pfosten-Kopf eingebaute
Kopfbänder (kopfband) können die Wand-Aussteifung verstärken.
Funktion und Lastpfad¶
Der Ständer ist der primäre vertikale Lastträger der Wand. Seine Funktionen sind
- Aufnahme der Vertikallasten der Geschossdecke (über das Rähm) bzw. des Dachtragwerks (über das Rähm oder die Fußpfette, je nach Konstruktion) und Weiterleitung in die Schwelle und damit in das mineralische Auflager,
- Knicksicherung durch seitliche Stabilisierung über Riegel, Streben und Beplankung — der freie Knickbereich des Ständers reicht nur vom Schwellen-Anschluss bis zum nächsthöheren Riegel,
- Definition der Wand-Raster-Geometrie (Achsabstand der Ständer typisch 60–80 cm im modernen Holzrahmenbau, im historischen Fachwerk uneinheitlich nach Gefach-Anforderung),
- Befestigungspunkt für Beplankung (OSB, Gipsfaser, Brett- schalung) sowie für Fenster-, Tür- und Installations-Einbauten,
- Tragglied der Wandscheibe als ausgesteifender Verband gegen Horizontallasten (Wind, Erdbeben), zusammen mit Beplankung oder diagonalen Streben.
Ständerpositionen in der Wand¶
Ständer werden im DACH-Korpus nach ihrer topologischen Lage
in der Wand benannt. Diese Benennungen sind
Positions-Annotationen am gleichen Bauteil, keine
eigenständigen Bauteilrollen (siehe Quellenkonflikt-Block;
Welle-8-Analogie zu RiegelPosition in hg_riegel.md):
- Eckständer (TTH-fest; auch Eckpfosten, Eckstiel):
Vertikalholz an einer Wandecke; Inzidenz mit zwei
Wandebenen (zwei Wandscheiben treffen am selben Ständer
zusammen). Übersetzt sich aus dem Englischen als
corner post. - Bundständer (TTH-fest; „Bundpfosten" explizit als Fehlform markiert — siehe Quellenkonflikt-Block (2)): Vertikalholz in einem Binder (querverlaufende Tragebene), trägt im historischen Fachwerk-Wandgerüstbau die Deckenbalken; Inzidenz mit einer querverlaufenden Binder-Achse.
- Zwischenständer / Feldständer / Mittelständer: Vertikalholz zwischen Eck- und Bundständern in der Wandfläche, ohne primäre Eck- oder Binder-Funktion. Default-Position des Wandfeld-Ständers.
- Innenständer: Wandständer in einer Innenwand; in Abgrenzung zum Außenwand-Ständer.
- Leibungsständer: Vertikalholz an einer Tür- oder Fensterleibung, oft in Doppelständer-Konfiguration (zwei direkt nebeneinander gestellte Ständer zur Verstärkung und zur Definition der Öffnungs-Kante).
- Stempel / Stelze / Kurzständer: sehr kurzer
Ständer (Länge < Geschosshöhe), z. B. zwischen Brüstungs-
und Sturzriegel oder zwischen Schwelle und Brüstungsriegel
unter einer Fensteröffnung. Englisch
cripple stud.
In der Domänen-Schicht werden diese Positionen als Wert eines
Merkmals StaenderPosition am Ständer-Bauteil geführt, nicht als Subtyp-Hierarchie.
Geschossdurchgehender vs. geschossweiser Ständer¶
Im klassischen Ständerbau (13.–17. Jh., historische Bauweise) reicht ein Ständer von der Grundschwelle des Erdgeschosses durch das Geschossbalkenlager hindurch bis zum Dach-Rähm/Pfette — der Ständer ist geschossdurchgehend. Die Geschossdecke ist als Stichbalkenlage in den durchlaufenden Ständer eingezapft.
Im modernen Stockwerkbau / Holzrahmenbau / Holztafelbau reicht der Ständer nur geschossweise von der Schwelle des jeweiligen Geschosses zum Rähm desselben Geschosses; der Ständer des nächsthöheren Geschosses setzt auf der Stockschwelle des Obergeschosses auf, die ihrerseits auf der Geschossdecke liegt.
Die App folgt der geschossweisen Default-Lesart (modern, Holzrahmenbau/Riegelbau); der geschossdurchgehende Ständer der klassischen Ständerbauweise ist Edge Case im Implementierungs-Hinweis und Folgearbeit bei Mehrgeschoss-Modellierung.
Bauweisen-Abhängigkeit der Benennung¶
| Bauweise | Häufigste Bezeichnung |
|---|---|
| Fachwerkbau (DE/AT, historisch) | Ständer, regional auch Pfosten oder Stiel |
| Riegelbau (CH, traditionell) | Ständer |
| Ständerbauweise (geschossdurchgehend, historisch) | Ständer |
| Holzrahmenbau (modern, geschossweise) | Ständer, Rippe, gelegentlich Pfosten |
| Holztafelbau (modern, vorgefertigt) | Ständer, Rippe |
| Pfostenbauweise (vor 13. Jh., erdgerammt) | Pfosten (alleinige korrekte Form) |
| Skelettbau (Holz) | Stütze (CH), Pfosten (DE-Stilistik) — eigene Bauteilrolle, nicht Ständer |
Die Wahl „Ständer" als Wurzel-Lesart in diesem Eintrag folgt der TTH-Linie und der Schweizer Praxis-Präferenz (siehe Quellen- konflikt-Block (2) und (3)). „Pfosten" ist als Synonym im modernen Holzrahmenbau-Diskurs gedeckt; die historische Pfostenbauweise-Lesart (erdgerammt) ist nicht vom Eintrag gedeckt.
Querschnitt und Werkstoff¶
Ständer werden im traditionellen Fachwerk-/Riegelbau als behauenes Vollholz in Querschnitten 100/100 bis 180/180 mm ausgeführt; im modernen Holzrahmenbau als KVH (Konstruktionsvollholz) in Querschnitten 60/120, 60/160, 60/200, 80/200 mm (in Anpassung an Dämmschicht-Dicken). Der Ständer-Querschnitt ist im modernen Holzrahmenbau häufig identisch zum Riegel-Querschnitt. Faserrichtung axial entlang der Bauteilachse, Festigkeitsklasse typisch C24.
Anschluss an Schwelle und Rähm¶
Klassisch wird der Ständer durch Verzapfung mit der Schwelle und dem Rähm verbunden: Zapfen am Ständer-Fuß in Zapfenloch in der Schwellen-Oberseite, Zapfen am Ständer-Kopf in Zapfenloch in der Rähm-Unterseite, jeweils gesichert mit Holznagel. Modern stumpfer Stoß, vernagelt oder verschraubt; in industrieller Vorfertigung Zapfenmaschine-Zapfen oder Stahlblech-Schuhe. Verdeckte Stahl-Holz-Verbinder (Knapp, Sherpa) sind moderne Alternativen bei Sichtholzkonstruktionen.
Doppelständer¶
An Tür- und Fensterleibungen werden häufig zwei direkt
nebeneinander stehende Ständer als Verstärkung und zur
Definition der Öffnungs-Kante eingebaut. Sie sind im Modell
zwei eigenständige Ständer-Bauteile mit
StaenderPosition.LEIBUNG, nicht ein einzelnes Doppelbauteil; die Komposition
ist Aggregat-Phänomen und wird beim Wand-Aggregat (Folgearbeit)
behandelt.
Abgrenzung zu Stütze, Säule, Hängesäule, Stuhlsäule¶
- Stütze (
stuetze, Forward-Verweis, Cluster20_tragwerk/): werkstoffneutrales tragendes Vertikalbauteil ohne Wand-Bindung; Skelettbau, Pfosten-Riegel-Fassade, Hallenbinder. Geschwister-Rolle des Ständers unterbauteil, nicht Oberbegriff (analog Welle-8-Festlegung Rähm ≠ Subtyp der Pfette). Trennlinie: Ständer ist Bestandteil einer Wandscheibe (Inzidenz mit Schwelle und Rähm derselben Wand, Aufnahme von Riegeln, Beplankung); Stütze trägt punktuell-konzentriert in einem Tragwerks-Raster (typisch Skelettraster 3–8 m). Cross-Cutting-Bedarf: Folgearbeit- Trigger bei erstem Skelettbau-Tool. - Säule: Stütze mit gleichbleibendem Querschnitt, in der Architektur primär für Mauerwerk-/Stein-/Stahl-Säulen. Abgelehnt als Ständer-Synonym; eigene (Folge-)Anlage nur bei Bedarf.
- Hängesäule / Hängepfosten (
haengesaeule, Forward- Verweis): Zugstab im Hängewerk-Dachtragwerk, englischking post/queen post. Strukturell und statisch unterschiedlich vom Wand-Ständer (zugbeansprucht statt druckbeansprucht; im Dachtragwerk statt in der Wand verortet). Folgearbeit-Trigger: Hängewerk-Tool. - Stuhlsäule (
stuhlsaeule, Forward-Verweis): Vertikalholz im Dachstuhl (stehender oder liegender Stuhl), trägt die Mittel- bzw. Firstpfette. Im Dachtragwerk verortet, nicht in der Wand. Folgearbeit-Trigger: Dachstuhl-Tool.
Andere Bedeutungen / Englisch¶
stud/wall stud(US-Holzrahmenbau): echtes Synonym zu Ständer im Holzrahmenbau-Diskurs, Standard- Querschnitt 2×4 / 2×6 (38×89 / 38×140 mm).post: false friend zu Ständer. Im modernen US-Diskurs bezeichnetposteinen schweren tragenden Pfosten im Post-and-Beam (Skelettbau), näher an Stütze als an Ständer. Im Heritage-Sprachgebrauch zusätzlich „erdgerammter Pfosten" (Pfostenbauweise). Abgelehnt.column: Stütze (werkstoffneutral), gehört zustuetze. Abgelehnt als Ständer-Synonym.cripple stud: verkürzter Ständer (Stempel / Kurzständer), siehe Quellenkonflikt-Block (6). Als deutsche Entsprechung „Stempel" bzw. „Kurzständer";StaenderPosition.STEMPEL.
Beziehungen¶
- Oberbegriff:
bauteil. Strukturell ist der Ständer ein Bauteil mit der zusätzlichen Rolle „Ständer" und den oben formalisierten geometrischen Constraints. Welle-12-Auflösung: die Mitgliedschaft als Wand-Bauteil erfolgt über daswand-Aggregat (siehehg_wand.md); eine Zwischenebenewandbauteilwurde verworfen (App-Drift, kein DACH-Korpus-Begriff). - Bestandteile (partitiv, vom Bauteil geerbt):
- Bauteilachse (
bauteilachse.Gerade), lotrecht im Sinne von Bedingung 2; - Querschnitt (rechteckig, oft gleich Riegelquerschnitt im modernen Holzrahmenbau);
- Werkstoff (Vollholz oder KVH, Festigkeitsklasse C24);
- Faserrichtung (Annotation, Default ‖ d_hat_Ständer, also axial entlang der lotrechten Bauteilachse).
- Positions-Annotation (Merkmal am Ständer, kein Subtyp):
- Ständerposition (
StaenderPosition-Enum): Wert aus { ECK, BUND, ZWISCHEN, INNEN, LEIBUNG, STEMPEL, UNSPEZIFIZIERT }. - Verwendung / Beziehung zu anderen Bauteilen:
- Schwelle (
schwelle): unterstes Wand-Längsholz; trägt den Ständer-Fuß (Bedingung 5). Wechselseitige Inzidenz: der Ständer ist Last-Erzeuger, die Schwelle Last-Aufnehmer am Wand-Unteren-Niveau. - Rähm (
raehm): oberstes Wand-Längsholz; nimmt den Ständer-Kopf auf (Bedingung 6). Wechselseitige Inzidenz: der Ständer ist Last-Aufnehmer von oben (Decke/Dach), das Rähm verteilt die Decken-/Dachlasten auf die Ständer- Köpfe. - Riegel (
riegel): horizontales Quer-Bauteil zwischen je zwei Ständern (vgl.hg_riegel.mdBedingung 5). Der Ständer ist seitliches Auflager und Knicksicherung des Riegels; der Riegel ist seitliche Knicksicherung des Ständers. - Stockschwelle (
stockschwelle, Forward-Verweis): im Mehrgeschoss-Holzbau die Schwelle des Obergeschosses auf der darunterliegenden Geschossdecke; Auflager des Obergeschoss-Ständers (geschossweise Lesart). - Fundament / Sockel / Bodenplatte (
fundament, Forward-Verweis): mineralisches Auflager der Schwelle und damit indirekt des Ständers. - Abgrenzung:
- Stütze (
stuetze, Forward-Verweis, Cluster20_tragwerk/): werkstoffneutrales tragendes Vertikal- bauteil ohne Wand-Bindung; Geschwister-Rolle des Ständers unterbauteil, nicht Oberbegriff. Siehe Erläuterung. - Säule (
saeule, Forward-Verweis, Klasse D): Stütze mit gleichbleibendem Querschnitt. Im aktuellen Glossar nicht eigenständig geführt. - Hängesäule (
haengesaeule, Forward-Verweis): Zugstab im Hängewerk-Dachtragwerk; eigene Bauteilrolle bei Hängewerk-Tool. False friend zum englischenking post. - Stuhlsäule (
stuhlsaeule, Forward-Verweis): Vertikalholz im Dachstuhl; eigene Bauteilrolle bei Dachstuhl-Tool. - Schwelle (
schwelle): Welle-8-Geschwister; horizontales Wand-Unter-Bauteil. Wechselseitige Inzidenz mit dem Ständer-Fuß; nicht alternativ zum Ständer. - Rähm (
raehm): Welle-8-Geschwister; horizontales Wand-Ober-Bauteil. Wechselseitige Inzidenz mit dem Ständer-Kopf; nicht alternativ zum Ständer. - Riegel (
riegel): Welle-8-Geschwister; horizontales Wand-Quer-Bauteil zwischen je zwei Ständern. Komplementär (vertikal ↔ horizontal-quer in derselben Wandebene), nicht alternativ. - Sparren (
sparren): Dach-Bauteil entlang der Falllinie einer Dachfläche; gehört zum Dachtragwerk, nicht zur Wand. Faserrichtung schräg, nicht lotrecht. - Pfette (
pfette): horizontaler Dach-Längsträger; gehört zum Dachtragwerk. Funktionale Überlagerung mit dem Rähm möglich (traufseitiges Rähm trägt direkt Sparrenfüße), aber Pfette und Ständer sind nicht austauschbar — Faserrichtung horizontal vs. lotrecht. - Fundament (
fundament, Forward-Verweis): mineralisches Auflager unterhalb der Schwelle; nicht selbst Holz-Bauteil, kein Ständer. - Stockschwelle (
stockschwelle, Forward-Verweis): Schwelle des Obergeschosses; Auflager des Obergeschoss- Ständers, nicht selbst Ständer. - Bauteil (
bauteil): der Ständer ist eine Spezialisierung von Bauteil mit zusätzlichen geometrischen Constraints; ein Bauteil ohne Bauteilrolle ist kein Ständer.
Quellen¶
Primär (normativ):
- SIA 265:2021, „Holzbau", Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein, Zürich, §1.1 Fachausdrücke / Anhang G (Volltext direkt eingesehen, 2026-06-14): „Ständer" ist nicht als Fachausdruck geführt; die Liste behandelt nur Werkstoffe, Verbindungsmittel und generische Tragglieder (Negativ-Befund).
- DIN EN 1995-1-1:2010-12, „Eurocode 5: Bemessung und Konstruktion von Holzbauten – Teil 1-1".
- DIN 1052:2008-12, „Entwurf, Berechnung und Bemessung von Holzbauwerken".
Sekundär:
- Lignum: Pressemitteilung 2021 — Anwendungshilfen für neue SIA-Norm Holzbau. lignum.ch/auf_einen_klick/news/.
- Lignum: Holz A–Z / Konstruktion. lignum.ch/holz_a_z/ konstruktion/.
- Lignum (Hrsg.): Holzbautabellen HBT 1 (2024). Lignum, Zürich.
- Mönck, W.; Rug, W.: Holzbau – Bemessung und Konstruktion.
- Auflage, Beuth, Berlin 2015.
- Natterer, J.; Herzog, T.; Volz, M.: Holzbau-Atlas. 4. Auflage, Birkhäuser, Basel 2003.
- Gerner, M.: Fachwerk – Instandsetzung, Sanierung, Neubau. DVA, 7. Auflage 2007.
- Krämer, F.: Grundwissen des Zimmerers. 2. Auflage, Bruderverlag, Karlsruhe 1988.
- Thesaurus Traditioneller Holzbau (TTH), RWTH Aachen, Lemma „Bundpfosten" (Begriff-ID 1041, Verweisform → Bundständer), Hierarchie-Facette 1922 „Fachwerk-Bauteile". thesaurus-traditioneller-holzbau.net.
- Wikipedia, Lemmata „Ständer", „Ständerbauweise", „Holzrahmenbau", „Fachwerkhaus", „Stütze (Bauteil)", „Liste von Fachbegriffen des Zimmererhandwerks", „Hängesäule" (abgerufen 2026-05-15).
- Informationszentrum Umgebindehaus, HS Zittau/Görlitz: umgebindehaus.hszg.de/konstruktion/fachwerk.
- bauredakteur.de: „Fachwerk – Begriffe und Konstruktion".
- architektvergleich.ch: „Riegelbau Schweiz".
- BauNetz Wissen: „Stützen | Holz", baunetzwissen.de.
- Springer / Heidelberg-Propylaeum: Buchkapitel „Pfosten- und Ständerbau".
Korpus (nicht autoritativ):
- fachwerkhaus.de Begriffsseite (abgerufen 2026-05-15).
- holz-bauplan.de, holzbau-system.de, holzbauwelt.de, wba-weimar.de, fertighauswelt.de (Praxis-Blogs zu Holzständerbauweise; abgerufen 2026-05-15).
- fachwerk.de Forum „Fachbegriffe Riegel/Rehm/Ständer".
- baubeaver.de „34 zimmermannsmäßige Holzverbindungen".
- The Craftsman Blog „Timber, Balloon, or Platform Frame?" (englischer Begriffsraum stud/post/column).
- Recherche-Bericht: [intern].