Positionsnummer¶
Eine Positionsnummer ist die kurze Nummer, mit der ein Bauteil auf dem Plan und am Stück selbst markiert ist — ähnlich der Teilenummer in einer Möbel-Bauanleitung —, damit jeder weiss, welches Stück wohin gehört.
Prosa-Definition¶
Eine Positionsnummer ist ein projektspezifischer, humanlesbarer Identifikator eines Elements (Bauteil, Verbindungsmittel, Verbinder oder Verstärkungselement) mit semantischer Struktur (typisch: Kategorienkürzel + laufende Nummer + optionale Geschoss-/ Bauteilgruppen-Markierung), der zur Werkplan-, Stücklisten- und Baustellenkommunikation dient, der innerhalb des Geltungsbereichs (Projekt × Kategorie) eindeutig sein muss, der mutable ist und der ausdrücklich kein Foreign-Key-Ziel anderer Domänen-Beziehungen ist.
Mathematische Definition¶
Sei
- 𝓟 die Menge aller in dieser App verwalteten Projekte,
- 𝓚 die Menge der Element-Kategorien 𝓚 = { Bauteil, Verbindungsmittel, Verbinder, Verstärkungselement }, ggf. weiter unterteilt nach Subtypen (Sparren, Pfette, Stütze, …),
- 𝓢 = String die Menge der zulässigen humanlesbaren Strings (UTF-8, max. 64 Zeichen, ohne Steuerzeichen).
Eine Positionsnummer ist ein Tripel
P:= (projekt, kategorie, kennung) ∈ 𝓟 × 𝓚 × 𝓢
mit der Eindeutigkeitsbedingung
∀ E₁, E₂ ∈ 𝓔:
E₁ ≠ E₂ ∧ P(E₁), P(E₂) ≠ ⊥
∧ projekt(E₁) = projekt(E₂)
∧ kategorie(E₁) = kategorie(E₂)
⇒ kennung(E₁) ≠ kennung(E₂),
wobei 𝓔 die Menge der Element-Instanzen (siehe element) ist und
P(E) die Positionsnummer von E (oder ⊥, falls nicht gesetzt).
Die Positionsnummer ist mutable: sie darf jederzeit über eine Aktualisierungsoperation
neuvergabe: 𝓔 × 𝓢 → 𝓔, neuvergabe(E, k'):= E mit kennung:= k'
geändert werden, sofern die Eindeutigkeitsbedingung im Scope (projekt, kategorie) erhalten bleibt.
Kein Foreign-Key: Für jede Beziehung r ⊆ 𝓔 × X mit X einem beliebigen Domänenobjekt-Raum gilt: r referenziert E ausschließlich über uuid(E), nicht über P(E). Insbesondere existiert keine Domänen-Beziehung der Form X → kennung(E).
Wohldefiniertheit¶
- Existenz: Für jedes Element kann eine Positionsnummer
vergeben werden; die Menge 𝓢 ist überabzählbar groß. Im frühen
Entwurfsstadium ist
null(⊥) zulässig. - Wohldefiniertheit der Eindeutigkeit: Die Bedingung ist scoped (projekt, kategorie). Eine projektübergreifende Eindeutigkeit ist nicht gefordert und faktisch nicht herstellbar (verschiedene Bauvorhaben verwenden ähnliche Strukturen).
- Mutabilität konsistent mit referentieller Integrität: Da keine Foreign Keys auf die Positionsnummer zeigen, ist Renumbering ohne Bruch möglich. Eine reine Aktualisierung des Kennungs-Strings ändert keine Beziehung. Diese Eigenschaft ist konstruktiv: Sie wird durch das Verbot von FK-Verweisen auf P hergestellt, nicht durch eine Eigenschaft von P selbst.
- Vergabelogik (cadwork-Modell): Identische Geometrie und identische bemessungsrelevante Attribute → gleiche Positionsnummer (zur Stücklistenbildung). Diese Aggregation erfolgt nicht über Foreign Keys, sondern als Berichts-/Stücklisten-Operation in der Persistenz- bzw. Berichtsschicht.
- Padding zur lex-Sortierung: Eine Positionsnummer wie
S-007sortiert vorS-010lexikografisch korrekt; ohne Padding wäreS-10<S-7lex, aber die Montage-Reihenfolge fordert numerisch sortiert zu lesen. Das Padding ist Modellierungs-Empfehlung, nicht Pflicht. - Nicht-Zirkularität: Die Definition stützt sich auf Mengen
von Projekten und Kategorien sowie auf Strings. Sie verweist
nicht auf andere Glossarbegriffe in ihrer eigenen Definition;
insbesondere wird
elementnur als Träger der Positionsnummer erwähnt, nicht in deren Definition mitkonstruiert.
Branchenusus der Kürzel (deskriptiv, nicht normativ)¶
In der DACH-Holzbaupraxis sind folgende Kürzel verbreitet (aus Holzbau-Handbuch, Krämer, cadwork-Vorlagen). Die Liste ist deskriptiv, nicht normativ; die Quellen widersprechen sich teilweise:
| Kürzel | Bauteilrolle | Anmerkung |
|---|---|---|
S |
Sparren (häufig) ODER Stütze (teilweise) | Mehrdeutig — Konflikt der Quellen |
St |
Stütze | weniger mehrdeutig als S für Stütze |
P |
Pfette | First-, Mittel-, Fußpfette ggf. Pf, MP, FP |
R |
Riegel | |
D |
Strebe / Diagonale | |
KB |
Kopfband | |
Schw |
Schwelle | |
Rä |
Rähm | |
W |
Wechsel | |
UZ |
Unterzug | |
KH |
Kehlbalken | |
BB |
Bundbalken |
Empfehlung der App: St für Stütze, S für Sparren — die
weniger mehrdeutige Variante. Projektspezifische Abweichungen
sind zulässig und werden im Projekt-Header (Pos-Nr.-Schema)
dokumentiert.
Zusammengesetztes Schema: Verbreitet ist
<Kürzel>-<lfd. Nummer>[-<Geschoss>], z. B. S-12-OG1,
P-001-DG, St-04-EG. Komplexere Schemata (Bauabschnitt,
Wandnummer, Achsbezug) sind möglich, sollten aber kein
Klassifikations-Encoding außer der Element-Kategorie tragen
(siehe Anti-Pattern unten).
Anti-Pattern: „intelligent part numbers"¶
Positionsnummern, die über die Element-Kategorie hinaus zusätzliche Klassifikationsmerkmale (Material, Festigkeitsklasse, Querschnitt, Lieferant, Bauphase) in den Identifikator encodieren, gelten in der PLM-Literatur einhellig als Anti-Pattern (OpenBOM, Arena, BuyPLM, Javelin):
- Bei Reklassifikation (z. B. Wechsel der Festigkeitsklasse von C24 auf C30) müsste die Pos-Nr. neu vergeben werden, was Werkpläne und Bauteilbeschriftungen ungültig macht.
- Die Pos-Nr. wird zum „Schatten-Datenmodell" mit eigener Konsistenz-Pflege.
- Zwei eigentlich gleiche Konstruktionen mit unterschiedlichem Lieferanten erscheinen als verschiedene Positionsnummern, obwohl sie identisch sind.
Composing über Aggregat-Beziehungstabellen (z. B. „dieses Bauteil gehört zu Wand W-12 in Geschoss EG") gehört in eine relationale Beziehung, nicht in den Identifikator.
Beziehungen¶
- Oberbegriff: keiner.
- Verwendung: optionales Feld jedes Elements (
element,bauteil,verbindungsmittel,verbinder,verstaerkungselement). - Abgrenzung:
- UUID (
uuid): technisch, persistent, semantik-frei. Trägt Foreign Keys. Andere Spur, anderer Zweck. - Produktkennzeichnung (
produktkennzeichnung): normativ kodifizierte Charge-/Produkt-Identifikation. Die Positionsnummer identifiziert die Einbauposition, die Produktkennzeichnung die Charge — strikt getrennt zu führen. Verortung am Werkstoff, nicht am Element direkt: Der Zugriff vom Element aus läuft striktelement.werkstoff.produktkennzeichnung. Die drei Identifikator-Spuren (UUID, Positionsnummer, Produktkennzeichnung) sind eine Modellierungs-Sicht aus; die Produktkennzeichnungs- Spur ist indirekt über den Werkstoff erreichbar. - Bezeichnung: freier Anzeigename ohne Strukturanspruch (kein Eindeutigkeits-Constraint).
- Abbundzeichen (historisch, römische Ziffern mit
Beizeichen für Wand/Geschoss; vgl. Gerner 1992,
Krämer 2018): nicht genormt, im modernen CNC-Abbund
praktisch durch CAD-IDs ersetzt. Wird nicht als
Positionsnummer geführt; eigener historischer Eintrag
abbundzeichen(Folgearbeit) möglich. - IFC
IfcElement.Tag: IFC-Persistenz-Slot der Positionsnummer (IFC-Norm benennt „position number" wörtlich). Kein eigener Glossar-Begriff. - BTLx
Part/@SingleMemberNumber: BTLx-Persistenz-Slot der Positionsnummer für identische Teile. Kein eigener Glossar-Begriff.
Quellen¶
Primär (normativ):
- DIN EN ISO 7519:2025-01, „Technische Produktdokumentation — Bauzeichnungen — Allgemeine Grundsätze der Darstellung — Hochbauzeichnungen" (zuvor DIN 1356-1).
- DIN 18334:2019-09, „VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen — Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) — Zimmer- und Holzbauarbeiten".
- ISO 16739-1:2024, „Industry Foundation Classes (IFC) —
Part 1: Data schema" (Attribut
IfcElement.Tag). - design2machine: BTLx 2.x Specification (Stand 2024).
Sekundär:
- Holzbau Deutschland — Informationsdienst Holz: Holzbau- Handbuch, Reihe 2/Teil 1/Folge 1.
- Krämer, V.: Grundwissen des Zimmerers. 7. Auflage, Bruderverlag, Köln 2018.
- cadwork informatik AG: cadwork lexocad / cadwork 3D Anwenderdokumentation.
- Date, C. J.: An Introduction to Database Systems. 8. Auflage, Addison-Wesley 2003.
- Ambler, S. W.; Sadalage, P. J.: Refactoring Databases — Evolutionary Database Design. Addison-Wesley 2006.
- OpenBOM Blog: „Why intelligent part numbers are a bad idea".
- Arena Solutions: „Smart vs. Non-Smart Part Numbering — A PLM Best Practice".
- BuyPLM / Javelin Tech: PLM-Whitepapers zu Part-Number- Strategien.
- dbt Labs: „Surrogate keys vs. natural keys", dbt Documentation.
Korpus (nicht autoritativ):
- Holzbau Deutschland, Merkblatt „Begriffe und Klassifizierungen für den Holzbau" (abgerufen 2026-05-08).
- Wikipedia, Lemma „Positionsnummer" (abgerufen 2026-05-08; schwacher Bezug zum Holzbau).
Negativ-Befund (geprüft, kein Treffer):
- DIN EN 1995-1-1:2010-12 — keine Klausel zu Bauteilnummerierung.
- SIA 265:2021 — keine Klausel zu Bauteilnummerierung.
- ÖNORM B 1995 — keine Klausel zu Bauteilnummerierung.
- DIN 1052:2008-12 — keine Klausel zu Bauteilnummerierung.