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Dachüberstand

Prosa-Definition

Ein Dachüberstand ist der Teilbereich einer Dachfläche, dessen Punkte in der horizontalen Projektion ausserhalb der Aussenwand- Fluchtlinie des Bauwerks liegen und der damit die Auskragung der Dachfläche über die geschlossene Gebäudehülle hinaus bildet.

Mathematische Definition

Sei

  • D = (E, P, n_a) eine Dachfläche im Sinne von dachflaeche mit Trägerebene E ⊂ ℝ³, Umrisspolygon P = (v₁, …, v_k) ⊂ E und nach aussen weisender Einheits-Normale n_a ∈ S² mit ⟨n_a, e_z⟩ ≥ 0 (siehe hg_dachflaeche.md),
  • F(D) := F(P) ⊂ E das von P berandete, abgeschlossene Flächenstück der Dachfläche,
  • B ein Bauwerk im Sinne von bauwerk,
  • π_xy : ℝ³ → ℝ², π_xy(x, y, z) := (x, y) die orthogonale Projektion auf die Welt-xy-Ebene,
  • A_B ⊂ ℝ² die Aussenwand-Fluchtlinien-Hülle des Bauwerks B in der xy-Ebene; sie ist das einfache geschlossene Polygon (oder die endliche Vereinigung solcher Polygone) in der xy-Ebene, dessen Rand die Projektion der aussenseitigen Aussenwand-Aussenflächen von B in Höhe der Dach-Anschlusslage darstellt (operationell: die untere Berandung der Dachgeschoss-Aussenwände, projiziert auf die xy-Ebene),
  • ε_L := Toleranzen.LAENGE_EPS die Längen-Toleranz.

Dann ist der Dachüberstand der Dachfläche D bezüglich des Bauwerks B die Teilmenge

Ü(D, B) := { x ∈ F(D) | π_xy(x) ∉ A_B^◦ }                          (1)

mit A_B^◦ als dem topologischen Inneren von A_B in der xy-Ebene (toleranzbewehrt: π_xy(x) ist genau dann nicht in A_B^◦, wenn der xy-Abstand von π_xy(x) zum Rand ∂A_B kleiner als ε_L ist oder π_xy(x) ausserhalb von A_B liegt).

Die Überstands-Länge (horizontale Projektionstiefe) in einem Randpunkt p ∈ ∂F(D) ∩ Ü(D, B) ist

ℓ_⊥(p; D, B) := inf_{q ∈ ∂A_B}  ‖π_xy(p) − q‖₂   (in mm),         (2)

also der euklidische Abstand der xy-Projektion von p zum nächst- gelegenen Punkt der Aussenwand-Fluchtlinie. Ist ein Polygon-Rand- Streifen von ∂F(D) lokal parallel zur entsprechenden Wand-Fluchtlinie, so ist ℓ_⊥ entlang dieses Streifens konstant; abweichend wird ℓ_⊥ punktweise definiert.

Wohldefiniertheit

  • Existenz von A_B: Für jedes Bauwerk B mit einer geschlossenen, erdberührten Aussenwand-Hülle (im Sinne von hg_bauwerk.md, Aggregat-Voraussetzung) ist die xy-Projektion der aussenseitigen Aussenwand-Aussenflächen ein nicht-leeres einfaches Polygon oder eine endliche Vereinigung solcher Polygone. Bei Sondertopologien (Innenhof, durchgesteckte Lichthöfe) ist A_B mehrfach zusammenhängend; die Definition (1) gilt unverändert, indem A_B^◦ als Inneres der Mehrloch-Region gelesen wird.
  • Eindeutigkeit von Ü(D, B): Bei festgelegter Dachfläche D und festgelegtem Bauwerk B ist die Menge Ü(D, B) durch (1) punktweise eindeutig festgelegt; sie hängt nicht von der Wahl eines Repräsentanten des Bauwerks-Aggregats ab, solange die Aussenwand-Fluchtlinien-Hülle dieselbe ist (Wohldefiniertheit unter Repräsentanten-Wahl).
  • Unabhängigkeit von der Polygon-Parametrisierung: F(D) ist durch P bis auf die Wahl des Anfangsindex und der Umlaufrichtung bestimmt; F(D) selbst ist als Punktmenge invariant, also auch Ü(D, B) nach (1).
  • Grenzfälle:
  • Bündige Dachfläche (kein Überstand): F(D) ⊂ π_xy⁻¹(A_B); dann ist Ü(D, B) = ∅ (toleranzbewehrt: Ü(D, B) hat einen Flächeninhalt ≤ Toleranzen.FLAECHE_EPS).
  • Vollständig auskragende Dachfläche (kein Auflagerbereich über A_B): F(D) ∩ π_xy⁻¹(A_B^◦) = ∅; dann ist Ü(D, B) = F(D). Dieser Grenzfall kommt bei freistehenden Pultdach-Vordächern vor; ob die Konstruktion noch als „Dach mit Überstand" oder bereits als Vordach klassifiziert wird, ist eine Tragwerks-Frage, keine geometrische (siehe Erläuterung und vordach, Folgearbeit).
  • Flachdach (α(D) = 0): Definition (1) gilt unverändert; der Überstand ist dann ein in der xy-Ebene liegender Streifen konstanter Höhe.
  • Toleranzwahl: Der Punkt-Innen-/Aussen-Test gegen A_B^◦ ist über einen xy-Abstandstest zum Rand ∂A_B toleranzbewehrt; die Toleranz Toleranzen.LAENGE_EPS wird in mm-Einheiten ausgewertet.
  • Nicht-Zirkularität: Die Definition stützt sich nur auf dachflaeche, bauwerk, polygon, strecke, ebene und toleranzen. Sie verweist nicht auf sparrenueberstand, pfettenueberstand, traufueberstand, ortgangueberstand oder vordach als Voraussetzung, sondern nur in der Abgrenzung.

Erläuterung (nicht normativ)

Geometrische Subtypen — zwei orthogonale Lagen am Polygonrand

Der Dachüberstand zerfällt entlang des Polygonrands ∂F(D) der Dachfläche in zwei geometrisch unterschiedene Sichten, die jeweils einer Klasse von Dachkanten zugeordnet sind:

Subtyp Lage am Polygonrand Zugehörige Dachkante Synonym im Korpus
Traufüberstand traufseitig traufe „traufseitiger Dachüberstand", „Dachüberhang"
Ortgangüberstand giebelseitig ortgang „giebelseitiger Dachüberstand", „Giebelüberstand"

Beide Subtypen sind eigenständige Glossarbegriffe (traufueberstand, ortgangueberstand, Folgearbeit). Die zwei Achsen sind orthogonal: Traufüberstand verläuft entlang einer näherungsweise horizontalen Polygonrandkante (traufe), Ortgangüberstand entlang einer Falllinien-parallelen Polygonrandkante (ortgang). Bei Walmdächern hat die Walmfläche keinen Ortgangüberstand (statt dessen Grate als Schnittkanten); bei Pultdächern existiert giebelseitig je nach Tragwerk ebenfalls ein Ortgangüberstand.

Abstraktions-Stufung: Dachüberstand vs. Sparren-/Pfettenüberstand

Der Dachüberstand liegt eine Abstraktions-Stufe höher als die konstruktiven Bauteil-Überstände sparrenueberstand und pfettenueberstand. Letztere sind die konstruktiven Mechanismen zur Realisierung des geometrischen Dachüberstands am einzelnen Bauteil:

Ebene Begriff Bezugsobjekt Dimension
Geometrie (Dachfläche) dachueberstand dachflaeche 2D-Auskragung
Geometrie (Trauflage) traufueberstand dachflaeche+traufe 2D-Streifen
Geometrie (Ortganglage) ortgangueberstand dachflaeche+ortgang 2D-Streifen
Konstruktion (Bauteil) sparrenueberstand sparren 1D-Strecke
Konstruktion (Bauteil) pfettenueberstand pfette 1D-Strecke

Im Konstruktions-Tool ist die geometrische Ebene die Eingabe-Ebene („Wie tief soll der traufseitige Dachüberstand sein?"); die konstruktive Ebene am einzelnen Bauteil ist das Berechnungs-Ergebnis („Wie lang muss der Sparrenüberstand sein, um diesen Traufüberstand zu realisieren?"). Die Beleg-Stelle für diese Schichtung ist Wikipedia DE „Sparren" (Korpus, Tier mittel-niedrig):

„Der Sparrenüberstand bezieht sich auf den Teil des einzelnen Sparrens, der über die Außenwand hinausragt. Der Dachüberstand ist die Gesamtheit dieser Überstände und bildet den Traufbereich des Dachs."

Geometrische Beziehung Traufüberstand ↔ Sparrenüberstand

Bei einem Sparrendach oder einem Pfettendach mit traufseitiger Sparrenauskragung sind die horizontale Überstands-Tiefe ℓ_⊥ (traufseitig, an der Traufe gemessen) und die geneigte Sparrenüberstands-Länge ℓ_üb (siehe hg_sparrenueberstand.md, Gleichung (3)) durch die Dachneigung α gekoppelt:

ℓ_⊥,traufseitig  =  ℓ_üb · cos α.                                  (3)

Diese Beziehung ist nicht normativ, sondern geometrisch zwingend; sie folgt unmittelbar aus der Definition der Dachneigung (hg_dachneigung.md) und der Lage des Sparrenüberstands entlang der Falllinie der Dachfläche. Im Werkplan wird typisch die horizontale Projektion ℓ_⊥ als Eingabewert geführt und ℓ_üb als abgeleiteter Sparren-Werkmaß.

Funktion des Dachüberstands

Der Dachüberstand erfüllt drei wesentliche Funktionen:

  1. Konstruktiver Holzschutz (DIN 68800-2; Lignum-Lignatec 35): Der Überstand reduziert die direkte Bewitterung von Aussenwand, Sockelbereich und Fassadenanschlüssen; ein ausreichender Überstand ist die wichtigste bauliche Schutzmassnahme. Holz im überdeckten Bereich kann der Gebrauchsklasse GK 1 (DIN 68800-1) zugeordnet werden, was den Anforderungs-Holzschutz reduziert.
  2. Sommerlicher Wärmeschutz: Bei steiler Sonneneinstrahlung (Süd-/West-Fassaden, Sommermonate) verschattet ein ausreichender Überstand die obere Fassadenzone und reduziert den solaren Eintrag in die dachnahen Räume.
  3. Architektonische Tradition: Der Dachüberstand prägt das Erscheinungsbild des Bauwerks. Der Schweizer Alpenraum- Holzbau kennt traditionell grosse Überstände (800 mm und mehr, bis 1500 mm), das norddeutsche Klinker- und Massivbau-Spektrum eher kleine Überstände; moderne flache Architektur tendiert zu Null- oder Minimal-Überständen, kompensiert durch erhöhten konstruktiven Aufwand am Wand-Dach-Anschluss.

Typische Längen-Wertebereiche

Konkrete Überstandstiefen sind tool-spezifische Entwurfsparameter und im Glossar nicht fixiert. Branchenübliche Orientierungswerte (horizontale Projektion ℓ_⊥):

  • Minimum (Wirtschaftsbau, flache Architektur): ≈ 200–300 mm.
  • Standardwohnbau DE: ≈ 300–500 mm.
  • Standardwohnbau CH (alpenraum-typisch): ≈ 400–800 mm.
  • Grosszügig (Schweizer Holzhausarchitektur): bis ≈ 1500 mm.
  • Lauben, freistehende Vordächer auf Stützen: jenseits ≈ 2000 mm — ab dieser Grössenordnung ist die Bauart- Klassifikation als Vordach (eigene Tragstruktur) statt als reiner Dachüberstand zu prüfen.

Die Werte sind mit hg_sparrenueberstand.md (geneigte Bauteil-Überstandslänge) konsistent unter Berücksichtigung der Dachneigung gemäss Gleichung (3).

CH/DE-Symmetrie der Benennung

„Dachüberstand", „Dachvorsprung", „Dachüberhang" und „Dachauskragung" sind im DACH-Korpus parallel verwendet. Schweizer Quellen (Lignum, Gebäudehülle Schweiz, Polybau) bevorzugen „Dachvorsprung" tendenziell leicht, ohne ihn als Schweizer Sonderbegriff zu führen. Die in diesem Glossar getroffene Wahl „Dachüberstand" als Hauptbenennung folgt der breiten Verwendung in DACH-Lehrbüchern (Mönck/Rug, Natterer/Herzog/Volz, Gerner) und in den DE-Normen (DIN 68800-2, DIN 18338).

Bauordnungs-Schwelle (informativ, regional)

Im deutschen Bauordnungsrecht gilt ein Dachüberstand bis zu einer Tiefe von etwa 0,5 m bis 1,0 m als „untergeordneter Bauteil" und ist abstandsflächen-unschädlich (NBauO § 7b: ≤ 0,5 m; BbgBO § 6: ≤ 1,0 m; OVG Niedersachsen 1 LB 43/07). Diese Schwellen sind regional unterschiedlich und im Glossar nicht fixiert; in der Schweiz gelten kantonale Bauordnungen. Die juristische Lesart definiert keinen eigenständigen Begriffsgegenstand, sondern markiert nur eine Anwendungsschwelle der Abstandsflächen-Regelung.

Verhältnis zu „Vordach"

Ein Vordach ist eine eigenständige Bauteilgruppe mit eigener Tragstruktur (Stützen, Konsolen, eigenständiger Träger-Rahmen) vor der Aussenwand und ist im Sinne dieser App kein Subtyp des Dachüberstands. Operationell wird die Trennung an der Existenz einer eigenständigen Tragstruktur gezogen, nicht an einer festen Längengrenze: Eine Sparrenauskragung von 2,5 m über ein konsolen- gestütztes Vordach hinaus ist Vordach, eine Sparrenauskragung von 2,5 m ohne eigene Stützen ist (sehr grosszügiger) Dachüberstand mit entsprechend hoher Anforderung an Tragwerk und Sparrenüberstand. vordach ist eigene Bauteilgruppe (Folgearbeit, siehe abgrenzung_zu:); Beleg: Gebäudehülle Schweiz, Merkblatt FD 08/12 „Vordächer in Holz".

Beziehungen

  • Oberbegriff: keiner. Der Dachüberstand ist ein Merkmal an der Dachfläche und keine Spezialisierung eines anderen Glossarbegriffs; er steht parallel zur dachneigung (ebenfalls Merkmal an dachflaeche ohne Oberbegriff im Sinne einer fachlichen Spezialisierungs-Linie).
  • Träger: dachflaeche. Der Dachüberstand ist als geometrische Sicht an einer konkreten Dachfläche definiert; ohne Trägerfläche hat er keine Bedeutung.
  • Spezialisierungen (Folgearbeit, Forward-Verweise):
  • traufueberstand — traufseitiger Subtyp, Streifen entlang der Traufe.
  • ortgangueberstand — giebelseitiger Subtyp, Streifen entlang des Ortgangs.
  • Bestandteile: keine eigenen partitiven Bestandteile; der Dachüberstand ist als Teilmenge der Dachfläche definiert und erbt deren geometrische Substanz.
  • Verwendung:
  • Konstruktiver Holzschutz (DIN 68800-2; Lignum-Lignatec 35): Bemessungs-Grösse für die Schutzwirkung gegen direkte Bewitterung.
  • Bauwerks-Modellierung: Eingangs-Parameter im Entwurf (Vorgabe-Tiefe traufseitig / giebelseitig), Berechnungs-Grösse für abgeleitete Bauteil-Überstände (Sparrenüberstand, Pfettenüberstand).
  • Werkplan-Bemassung: horizontale Projektionstiefe als explizit ausgewiesenes Mass (typisch in mm).
  • Abgrenzung:
  • Sparrenüberstand (sparrenueberstand): konstruktive Realisierung des traufseitigen Dachüberstands am einzelnen Sparren — eindimensionale Strecke entlang der Bauteilachse, nicht zweidimensionale Streifen-Fläche. Geometrische Kopplung über Gleichung (3).
  • Pfettenüberstand (pfettenueberstand, Forward-Verweis, Folgearbeit): konstruktive Realisierung des giebelseitigen Dachüberstands an der Pfette — eindimensionale Strecke entlang der Pfetten-Bauteilachse.
  • Traufüberstand (traufueberstand, Forward-Verweis, Folgearbeit): geometrischer Subtyp des Dachüberstands traufseitig.
  • Ortgangüberstand (ortgangueberstand, Forward-Verweis, Folgearbeit): geometrischer Subtyp des Dachüberstands giebelseitig.
  • Vordach (vordach, Forward-Verweis, Folgearbeit): eigene Bauteilgruppe mit eigener Tragstruktur; nicht Subtyp des Dachüberstands. Siehe Erläuterung und quellenkonflikt (3).
  • Traufe (traufe): Dachkante (Linie am Polygonrand der Dachfläche), nicht Fläche. Der Traufüberstand-Streifen liegt entlang der Traufe; die Traufe selbst ist sein dachflaeche-seitiger Linien-Anteil.
  • Ortgang (ortgang): Dachkante entlang der Falllinie an der Giebelseite; der Ortgangüberstand-Streifen liegt entlang des Ortgangs.
  • Dachfläche (dachflaeche): vollständige Trägerfläche; der Dachüberstand ist ein Teilbereich dieser Fläche und nicht mit ihr identisch.
  • Dachneigung (dachneigung): Winkel-Merkmal der Dachfläche; bestimmt zusammen mit der horizontalen Projektionstiefe die geneigte Bauteil-Überstandslänge (Gleichung (3)), ist aber selbst kein Überstand.

Implementierungshinweis

Code-Pendant-Pflicht: Nach HG_KONVENTIONEN.md §3 ist merkmal nicht pendant-pflichtig. Wenn ein Pendant existiert, soll es @GlossarBegriff(GlossarTerm.DACHUEBERSTAND) tragen. Empfehlung: zunächst kein eigenes Pendant; die Überstands-Tiefen je Dachkante werden als annotierende Felder oder als Map an Dachflaeche (bzw. am Bauwerk-Aggregat) geführt. Erst bei tatsächlichem Bedarf an einer zusammenfassenden Sicht (etwa Bemassungs-Tool für das Dach-Aggregat) ein Pendant ergänzen.

Skizze einer minimalen, freiwilligen Repräsentation (nicht erzwungen):

package domain.bauteil.dachgeometrie

/**
 * Dachüberstands-Profil einer Dachfläche: Tiefe (horizontale
 * Projektion in mm) je Polygonrand-Kantenklasse.
 *
 * Glossar: hg_dachueberstand.md
 *
 * Werte ≥ 0; 0 bedeutet „kein Überstand entlang dieser Kantenart".
 * Die geometrische Lage des Überstands ergibt sich konstruktiv aus
 * der Dachfläche und dem Bauwerks-Aussenwand-Polygon.
 */
data class DachueberstandsProfil(
    val traufseitig:   Double = 0.0,   // ℓ_⊥ entlang `traufe`,    in mm
    val ortgangseitig: Double = 0.0,   // ℓ_⊥ entlang `ortgang`,   in mm
    // weitere Kantenarten (Pultkante, Grat, Kehle) bei Bedarf
)
  • Einheit: Tiefe in mm (Double); horizontale Projektion ℓ_⊥ nach Gleichung (2).
  • Identität: keine eigene UUID. Der Dachüberstand ist als Merkmal an der dachflaeche (bzw. am bauwerk-Aggregat) geführt und nicht als eigenständiges Objekt persistiert.
  • Invarianten (in Companion-Factory, falls Pendant eingeführt wird; Resultat.Fehler bei Verletzung, keine Exception):
  • Alle Tiefen-Werte sind finit und ≥ 0 (Toleranzen.LAENGE_EPS).
  • Tiefen-Werte > ca. 2500 mm sind zulässig, aber Tools können einen Warn-Hinweis „Tiefe legt Vordach-Klassifikation nahe" setzen — keine Invariante.
  • Toleranzen:
  • Punkt-Innen-/Aussen-Test gegen A_B^◦ (Gleichung (1)): Toleranzen.LAENGE_EPS in mm.
  • Tiefen-Bemassung und Vergleich gegen Sparrenüberstand (Gleichung (3)): Toleranzen.LAENGE_EPS.
  • Edge Cases:
  • Dachüberstand mit Tiefe 0 (bündige Dachfläche): zulässig; Ü(D, B) = ∅.
  • Asymmetrische Tiefen (traufseitig 600, giebelseitig 300): Standardfall, korrekt durch separate Felder im Profil repräsentiert.
  • Walmdach: die Walmflächen haben in der Regel nur einen Traufüberstand (keinen Ortgangüberstand, weil Walmflächen keinen Ortgang besitzen, sondern Grate als Schnittkanten).
  • Pultdach: zusätzlich zur Traufseite kann eine Pultkante auskragen; das ist ein weiterer Tiefen-Eintrag im Profil (Folgearbeit, sobald pultkante als Glossar-Begriff angelegt ist).
  • Bauwerk mit Innenhof: A_B ist mehrfach zusammenhängend (Mehrloch-Polygon); die Definition (1) gilt unverändert, der Innenhof-Rand ist Teil des Aussenwand-Polygonrands.
  • Bauwerk ohne abgeschlossene Aussenwand (Pavillon, reine Stützen-Konstruktion): A_B ist nicht definiert; die geometrische Konstruktion Ü(D, B) versagt. In diesem Fall ist das Tragwerk typischerweise als Vordach zu klassifizieren (Folgearbeit vordach).
  • Bezeichner-Konvention (CLAUDE.md): Klasse heisst DachueberstandsProfil (deutsch, Glossarbegriff; ASCII wegen Kotlin-Identifier-Konvention).

Folgearbeit (trigger-basiert):

  • traufueberstand — traufseitiger Subtyp als eigener Glossarbegriff. Trigger: erstes Tool/Werkplan, das die traufseitige Überstandstiefe als separat geführten Parameter benötigt (Sparrenplan-Werkplan-Tool, Schneelast-Tool an der Trauflage).
  • ortgangueberstand — giebelseitiger Subtyp als eigener Glossarbegriff. Trigger: erstes Tool mit Flugsparren- oder Pfettenüberstand-Modellierung (Walmdach/Satteldach mit Giebelwand).
  • vordach — eigenständige Bauteilgruppe mit eigener Tragstruktur. Trigger: erstes Tool mit Vordach- bzw. Lauben-Modellierung mit eigenständiger Stützung (Konsolen, Stützen).
  • pfettenueberstand — konstruktiver Mechanismus des Ortgangüberstands am Bauteil Pfette. Trigger: erstes Tool mit Pfetten-Modellierung mit Giebelüberstand (vgl. hg_sparrenueberstand.md, Folgearbeit, bereits notiert).
  • Aussenwand-Fluchtlinien-Polygon des Bauwerks: operationelle Konstruktion der Menge A_B aus dem bauwerk-Aggregat. Trigger: erstes Tool, das Dachüberstand gegen ein konkretes Bauwerks-Modell auswerten muss (statt gegen einen abstrakten Parameter).

Quellen

Primär (normativ):

  • SIA 232/1:2020, „Geneigte Dächer", Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein, Zürich.
  • DIN 68800-2:2022-02, „Holzschutz – Teil 2: Vorbeugende bauliche Maßnahmen im Hochbau".
  • SIA 265:2021, „Holzbau", Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein, Zürich.
  • DIN 18338:2019-09, „VOB Teil C: Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten".
  • DIN 1356-1:1995-02, „Bauzeichnungen – Teil 1: Arten, Inhalte und Grundregeln der Darstellung".

Sekundär:

  • Lignum (Hrsg.): Lignatec — Geneigte Dächer in Holzbauweise. Lignum, Zürich, aktuelle Auflage.
  • Lignum (Hrsg.): Lignatec 35 — Holzschutz im Bauwesen. Lignum, Zürich, aktuelle Auflage.
  • Gebäudehülle Schweiz: Merkblatt FD 08/12 „Vordächer in Holz".
  • Mönck, W.; Rug, W.: Holzbau – Bemessung und Konstruktion.
  • Auflage, Beuth, Berlin 2015.
  • Natterer, J.; Herzog, T.; Volz, M.: Holzbau-Atlas. 4. Auflage, Birkhäuser, Basel 2003.
  • Gerner, M.: Fachwerk – Instandsetzung, Sanierung, Neubau. DVA, 7. Auflage 2007.

Korpus (nicht autoritativ):

  • Wikipedia, Lemma „Dachüberstand" (abgerufen 2026-05-14).
  • Wikipedia, Lemma „Sparren", Abschnitt „Sparrenfuß und Sparrenkopf" (abgerufen 2026-05-14): Beleg für die Schichtung Dachüberstand ↔ Sparrenüberstand.
  • Wikipedia, Lemma „Ortgang" (abgerufen 2026-05-14).
  • OVG Niedersachsen, Urteil 1 LB 43/07: juristische Auskragungs-Schwelle für „untergeordneten Bauteil" nach NBauO § 7b — informativ, nicht für die geometrische Definition verbindlich.

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